Leopard 2 A8
Neuer Kampfpanzer für die Bundeswehr

Bild: KNDS Deutschland
- Fabian Hoberg
Seit 1978 ist der Leopard 2 einer der modernsten Kampfpanzer der Welt. In regelmäßigen Abständen frischten der Hersteller Kraus-Maffei-Wegmann (KMW) und seit 2024 KNDS den Panzer in den Versionen 2 A1 bis 2 A7 auf. Das schwere Gerät wurde immer weiter verbessert und an neue Herausforderungen angepasst. Im Vergleich zum Vorgänger 2 A7V (das "V" steht für "verbessert") kommt der rund 60 Tonnen schwere Leopard 2 A8 nun stark überarbeitet – der größte Sprung seit über 15 Jahren.
Neuer Leopard 2 A8: Geschützturm
Als Geschützturm setzt der neue Leopard auf eine Rheinmetall-Waffenanlage mit einer 120-Millimeter/L55A1-Glattrohrkanone. Damit lässt sich wie beim Vorgänger HE- und KE-Munition verwenden. Der Ladeschütze kann bei High-Explosive-(HE)-Munition Zeitpunkt und Höhe der Detonation programmieren. Die Sprengmunition kann nun laut Hersteller über 5000 Meter (bisher bis 5 km) weit in der Luft, beim Einschlag oder eine Weile danach explodieren. Vorteil: Der Leopard kann bei dieser hohen maximalen Kampfentfernung Ziele auch hinter weit entfernten Deckungen bekämpfen.

Der Leopard 2 A8 ersetzt den Leopard 2 A7 (Foto).
Bild: KNDS Deutschland
Dazu kommen eine neue, volldigitale Feuerleitanlage sowie Tag- und Nachtsicht-Aufklärungs- und Zieloptiken für Kommandant und Richtschütze. Ideal für eine kurze Reaktionszeit auch bei Nacht. Für eine 360-Grad-Rundumsicht sorgen künftig thermografische und optische Sensoren. Damit die Hightech-Anlage mit ausreichend Strom versorgt wird, arbeitet im neuen Leopard 2 A8 eine vom Haupttriebwerk abgekoppelte Stromversorgung mit mindestens 20 kW Dauerleistung.
Mit einem neuen Bombletschutz am Turmdach sowie einer neuen Version des abstandsaktiven Schutzsystems EuroTrophy soll sich der Schutz der vier Besatzungsmitglieder im 2 A8 verbessern. Die mehrschichtige Panzerung der neuesten Generation besteht aus einer Verbindung aus Stahl, Wolfram, Verbundwerkstoffen und Keramikkomponenten. Zusätzliche Panzerungen sollen auch besser vor Minen, IEDs und ballistische Bedrohungen schützen.
Das aktive Schutzsystem Trophy APS (Active Protection System) kann Anti-Panzer-Raketen im Anflug noch vor dem Einschlag neutralisieren. Weitere Systeme optimieren den Schutz, wie unter anderem 76-Millimeter-Mehrzweckgranatenwerferrohre auf jeder Seite des Turms für Rauch- oder Spezialmunition, Brandbekämpfungssysteme und eine Splitterverkleidung.
Triebwerk
Beim Antrieb setzt KNDS auf Bewährtes. Heißt: Das Triebwerk entspricht dem des Vorgängers 2 A7V, wird wahrscheinlich nur wenig stärker. Damit kommt der MTU-12-Zylinder-Mehrstoffmotor mit seinen 47,6 Liter Hubraum auf rund 1500 PS. Mit vollen Tanks soll der Leopard immerhin 450 Kilometer schaffen, seine Spitzengeschwindigkeit liegt laut Hersteller je nach Untergrund bei mehr als 60 km/h, rückwärts fährt der Leo bis zu 30 km/h schnell. Das RENK-Getriebe bietet vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge und ist vollautomatisch, wobei der Fahrer die Fahrstufe wählt.
Geländegängigkeit
Trotz des Gewichts von immerhin je nach Ausstattung 61,5 bis 64,3 Tonnen soll der 2 A8 eine seitliche Neigung von 30 Prozent und 60 Prozent Steigung schaffen. Flussdurchfahrten von bis zu zwei Metern Tiefe sollen möglich sein, bis vier Meter Tiefe mit einem speziellen Tauchturm. Drei Meter breite Gräben soll der 10,96 Meter lange Leo ebenso überqueren wie 1,05 Meter hohe vertikale Hindernisse.
Assistenzsysteme
Auch ein moderner Kampfpanzer kommt ohne Assistenzsysteme nicht mehr aus. Der Leopard 2 A8 erhält das Fahrerassistenzsystem Spectus (SPECtral Technology for Unlimited Sight) zur Beobachtung des vorderen und hinteren Bereichs. Dabei kombiniert ein Anzeigegerät Bilder einer Tageslichtkamera und einer Wärmebildkamera zu einem Gesamtbild. Umschaltbare Infrarot-Scheinwerfer bieten ein klares Bild für den Fahrer bei minimaler Strahlung. Kommandant und Richtschütze arbeiten mit einer unabhängigen Visieransicht mit gekühlter Wärmebildkamera und Laser-Entfernungsmesser – während der Fahrt vollständig stabilisiert. Dafür, dass die Besatzung immer einen kühlen Kopf behält, sorgt eine 8-kW-Klimaanlage im Fahrgestell und im Turm.
Wer ist der Hersteller KNDS?
KNDS steht für KMW+Nexter Defense Systems. Das europäische Rüstungsunternehmen entstand 2015 durch den Zusammenschluss der deutschen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und der französischen Nexter Systems. KNDS wurde gegründet, um die europäische Zusammenarbeit im Rüstungsbereich zu stärken und gemeinsam moderne, militärische Landfahrzeuge zu entwickeln. Zu den bekanntesten Produkten zählen neben dem Leopard 2 auch der französische Kampfpanzer Leclerc und die Systeme Boxer, PzH 2000 und Caesar.
Warum gibt es jetzt ein Update des Leopard 2?
Das Update 2 A8 kam vor zwei Jahren für Experten überraschend. Denn eigentlich sollte der nächste schwere Kampfpanzer der Bundeswehr als deutsch-französisches Projekt entstehen, als Main Ground Combat System, kurz MGCS. Das System gilt als Antwort auf den starken russischen Panzer T-14 Armata. Doch die Einführung des deutsch-französischen Projekts verzögert sich. Von einer Indienststellung des MGCS ist vor 2040 kaum zu rechnen – bei der aktuellen politischen Lage ein zu langer Zeitraum. Daher die Aktualisierung des bewährten Leopard 2 A7 auf die neue Version Leopard 2 A8.
Wann kommt der Leopard 2 A8?
Die Bundeswehr hat 18 Leopard 2 A8 bestellt, um die Panzer zu ersetzen, die an die Ukraine gingen. Zusätzlich hat die Bundesregierung eine Bestellung von 105 neuen Leopard 2 A8 beschlossen. Ein Teil der Fahrzeuge ist für die Brigade Litauen vorgesehen, die die Ostflanke der Nato verstärken soll. Die erste Auslieferung ist für 2025 geplant, der Stückpreis liegt bei schätzungsweise 25 Millionen Euro. Norwegen hat übrigens vor einiger Zeit 44 Leopard 2 A8 geordert, weitere Länder wie Ungarn, Dänemark und Schweden werden folgen.
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