Linerfahren: Tipps von Stephanie und Gerhard Volkner
Auf Achse mit Giganten: Tipps für das Reisen mit dem Mega-Wohnmobil
– "Einsteigen und losfahren!" heißt es in der Werbung oft. Für Liner gilt das nur bedingt. Familie Volkner gibt Tipps im Umgang mit den Riesen.
Bild: AUTO BILD
Wer sich für ein Reisemobil der Superlative interessiert, sollte sich auch mit dem Gedanken auseinandersetzen, das Mega-Wohnmobil zu steuern. Mit mehr als zehn Meter Länge, bis zu 26 Tonnen Gewicht und Frischwassertanks von 1000 Litern stellen sie die Königsklasse der Reisemobile dar – auch auf der Straße.
Stephanie und Gerhard Volkner bauen seit 30 Jahren solche Fahrzeuge, verreisen selbst regelmäßig damit und wissen, worauf man achten muss. Was beim Kauf, vor Fahrtantritt und auf den Straßen und Campingplätzen beachtet werden sollte – fünf Tipps von den Liner-Experten aus Wuppertal.

Haben schon einiges auf Reisen mit ihren Luxuswohnmobilen erlebt: Stephanie und Gerhard Volkner.
Bild: Stefan Rogge
Tipp 1: Den richtigen Führerschein machen
"Früher waren die Leute 60 plus, seit ein paar Jahren hat sich das total verändert. Heute kommen auch Mitte Dreißigjährige", erzählt Gerhard Volkner. Das Problem: Viele Liner-Enthusiasten haben gar nicht den richtigen Führerschein. "Manche dürfen bis 7,5 Tonnen fahren, aber dann ist es eigentlich kein richtiger Liner", berichtet der gelernte Fahrzeugbauer. Stephanie Volkner, ebenfalls im Besitz des Lkw-Führerscheins, empfiehlt dann: "Es gibt Crashkurse, die bloß zwei Wochen dauern. Die bestehen dann aus einer Woche Theorie und einer Woche Praxis, und schon kann es losgehen."

"Unsere Autos muss man lernen", sagt Gerhard Volkner auch seinen Kunden.
Bild: Stefan Rogge
Tipp 2: Das Fahrzeug (kennen)lernen
"An einem Liner gibt es viele Bereiche, mit denen unsere Kunden noch nie etwas zu tun hatten. Sie müssen unser Fahrzeug erst lernen", sagt Gerhard Volkner. Deshalb bestehen die Liner-Experten auf ein Einführungsprogramm. "Am ersten Tag gibt’s eine Schulung, und weil sich das kein Mensch auf einmal merken kann, schläft der Kunde dann hier in dem Liner und benutzt erst mal alles", berichtet der Wohnmobilbauer. An Tag zwei geht‘s auf die Straße. "Die Kunden sind dann mit dem Fahrzeug unterwegs. Ergeben sich Fragen, kommen sie erneut zu uns", erzählt Stephanie Volkner. Viele nehmen dieses Angebot wahr.

Patentierte Mittelgarage der Volkners. Wer nett fragt, kriegt sie vorgeführt, zum Beispiel bei einem netten Plausch auf dem Campingplatz.
Bild: Stefan Rogge
Tipp 3: Ruhig respektvoll fahren
Wer mit einem Mega-Wohnmobil unterwegs ist, sollte ruhig und konzentriert am Steuer sein. "Als Fahrer darf man da keinen Stress haben", erklärt Gerhard Volkner. Zwar sei ein Bus als Basisfahrzeug inzwischen sehr komfortabel, erfordere aber immer noch eine hohe Aufmerksamkeit. "Assistenzsysteme sind schön und gut, aber verlassen sollte man sich darauf nicht", betont der Fahrzeugbauer. Lege man ein rücksichtsvolles und respektvolles Verhalten an den Tag, kriege man es auch so zurück, sind die Volkners überzeugt. "Einem Linienbus zeigt man ja auch nicht den Vogel, wenn der einem entgegenkommt", sagt Gerhard Volkner.

Wer autark sein möchte, braucht reichlich Solar auf dem Dach.
Bild: Stefan Rogge
Tipp 4: Das Reisen genießen
"Wir entscheiden immer erst an der Autobahnauffahrt, wohin es geht", erzählt Gerhard Volkner. Übernachtet wird auch schon mal im Gewerbegebiet. "Wir haben unsere Infrastruktur dabei, wir brauchen keinen 5-Sterne-Campingplatz". So sind die Volkners völlig unabhängig und frei unterwegs. Natürlich müsse man damit rechnen, mal keinen Platz zu bekommen, "aber dafür habe ich ja ein Reisemobil. Dann fahren wir einfach weiter", sagt er und betont: "Wenn man entspannt an die Sache rangeht, ist das ein ganz tolles Reisen!" Und für wen das nichts ist, der kann ja immer noch buchen.

Auch nackig imposant: So kommt der Wagen bei den Volkners an.
Bild: Stefan Rogge
Tipp 5: Locker bleiben!
Wer Liner fährt, sollte sich von dem Gedanken verabschieden, den Platz in der ersten Reihe zu ergattern. "Den hält kein Campingplatzbetreiber frei", sagt Gerhard Volkner. Auch an den Hotspots zu stehen, wird schwierig. "Dafür haben wir ja einen Pkw dabei", erklärt er. Nur die Ruhe bewahren, lautet das Gebot der Stunde, und das gilt auch im Straßenverkehr. "In jedem Schweizer Alpendorf fahren Milch-Lkw, die noch größer sind als wir, also können wir da auch langfahren", betont der Experte. Geht es dennoch mal nicht weiter oder winkt der Campingplatzbetreiber ab, heißt es schlicht: "Locker bleiben und weiterfahren!"
Service-Links