Lotus Emira Turbo SE (2025)
Lotus Emira mit 400 PS und AMG-Genetik im Härtetest

SE – das steht bei Lotus seit den Achtzigern für das "Special Equipment"-Paket, letztlich also für mehr Leistung und bessere Ausstattung ab Werk. Wie gut dies beim neuen Emira Turbo SE mit dem auf 400 PS erstarkten AMG-Vierzylinder umgesetzt wurde, hat AUTO BILD in Schweden getestet.
Bild: Björn Sige
- Phillip Tonne
Jetzt grübeln einige. Wo steht er denn nun in der fahrdynamischen Hierarchie, dieser Pistenfürst? Grundsätzlich erst einmal ziemlich weit oben, denn dem um 40 auf 400 PS erstarkten Lotus Emira Turbo SE geigen nun nochmals weniger Konkurrenten vor seiner eleganten Nase herum. Einer Nase, die trotz mancher Anleihen an Ferrari 488 und Lamborghini Huracán übrigens noch immer vollkommen einzigartig wirkt.
So wie das gesamte Design des im britischen Hethel produzierten Zweisitzers, das einige Anleihen am hauseigenen Hypercar Evija nimmt, insbesondere in der Seitenansicht. Immer speziell, aber gottlob nie zu sehr – oder sollen wir lieber "less is more" sagen?
Von der Alu-Höhle zum feinen Sportcoupé
Beim Einstieg über den breiten Schweller trifft dieses Motto schon einmal nicht zu. Wohin der Blick auch schweift, die Verarbeitung ist eine echte Ansage im Vergleich zu den Fahrzeugen von früher. Keine nackten Alubleche mehr, sondern Quadratmeter feinsten Leders und Alcantaras. Dazu Fahrmodi und Telefonvernetzung, alles modern und so weit reduziert, wie es sich für einen Lotus gerade noch geziemt. Erster Eindruck also top. Gut, dann wollen wir mal fahren.

Warme Stirn und kalte Reifen: gegenseitiges Kennenlernen bei vier Grad und nasser Piste in der Wechselgasse.
Bild: Björn Sige
Dafür hat Lotus die Präsentation des Emira Turbo SE glücklicherweise in Göteborg abgehalten. Denn diese wundervolle Stadt hat rund eine Autostunde südlich ihrer Grenzen eine kleine, aber feine Natur-Rennstrecke zu bieten: Falkenbergs Motorbana, sympathisch selbsterklärender Name. Die Strecke bietet einen sehr guten und vor allem anspruchsvollen Mix aus langsamen und schnellen Passagen. Wenn man morgens als Redakteur mit Hagel bei vier Grad Celsius begrüßt wird, braucht es dennoch fahrdynamische Stimmungsaufheller.
Fahrzeugdaten | Lotus Emira Turbo SE |
|---|---|
Motorbauart/Aufladung | R4, Turbo |
Einbaulage | hinten Mitte quer |
Hubraum | 1991 ccm |
kW (PS) bei 1/min | 294 (400)/k. A. |
Literleistung | 201 PS/l |
Nm bei 1/min | 480/5500 |
kW (PS)/Nm E-Boost | 294 (400)/6800 |
Getriebe | 8-Gang-DKG |
Antriebsart | Hinterradantrieb |
Maße L/B/H | 4413/2092/1226 mm |
Radstand | 2570 mm |
Leergewicht (DIN) | 1467 kg |
Tank-/Kofferraumvolumen | 58/151 l |
0-100 km/h | 4,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 291 km/h |
WLTP-Verbrauch/100 km | 9,2 l Super Plus |
Grundpreis | 109.490 Euro |
Und die ließen nicht lange auf sich warten. Nach einigen bedachtsamen Einführungsrunden hinter dem Instruktor folgten zunehmend zügigere Runden. Und zwar eine ganze Menge über den Tag, gänzlich ohne Ermüdungserscheinungen. Weder wurden die Bremsen weich, noch ließen die perfekt auf den Emira Turbo abgestimmten Goodyears nach. Gut, die klitschnasse Strecke mahnte zu Beginn des Tages zur Vorsicht, was sich dank der unterschiedlichen Fahrmodi Tour, Sport und Track sehr gut managen ließ. Anfangs war der mittlere Modus Sport die Empfehlung, programmiert mit ausreichend Fallhöhe und sanfter Regelung. Doch auch am Nachmittag, als die Piste letztlich trocken war, zeigte der Emira selbst bei sehr beherzter Gangart, dass er trotz aktivierter Dynamikregelung unerwartet viel Reserven zu bieten hat.

Das Achtganggetriebe wird mit Schaltwippen angesteuert, das Feedback der Schaltwippen könnte jedoch klarer und definierter ausfallen.
Bild: Björn Sige
Auch in Sachen Motor, der dank seiner 480 Newtonmeter (50 mehr als in der Basis) sehr elastisch aus der Mitte heraus drückt, gleichzeitig aber auch ziemlich bissig zur Nenndrehzahl ausdrehen kann. Ich selbst wäre jetzt zu gern mit dem SE auf der Nordschleife, um eben diese Charakteristika voll auskosten zu können. Dabei wäre mein Fenster leicht geöffnet, denn der AMG-Motor schnaubt und röchelt erfreulich mitteilsam aus den seitlichen Motorbelüftungen.
Motor und Klang: AMG-Vierzylinder mit Charakter
Insgesamt scheint der Emira also nicht nur subjektiv sehr gut zu funktionieren, obwohl seine 1467 Kilo (immerhin inklusive aller Betriebsmittel) nicht so recht zur früheren Lotus-Philosophie passen wollen. Doch er knickt nicht ein, liefert stetig ab und schafft so notwendiges Vertrauen beim Herantasten an die Grenzen. Und zwar umso mehr, je mehr man ihn nach der alten Schule bewegt. Sprich, bremsen und herunterschalten auf der Geraden vollends abschließt, ehe man ihn fließend in die Kurve lehnt.

Der halb verdeckte Schriftzug an der Boxenmauer hat Symbolcharakter: Mit 400 PS und 291 km/h ist der Emira Turbo SE ein zäher Gegner auf der Piste.
Bild: Björn Sige
Dann folgt die Belohnung nicht nur in Form hoher Kurvenstabilität, sondern auch niedriger und sehr konstanter Rundenzeiten. Wer dies jedoch nicht konsequent beherzigt und versucht, Zeit auf der Bremse beim Einlenken zu schinden, der erfährt im Wortsinne alsbald die diffizile Wechselwirkung von Hochachse und Mittelmotorkonzept.
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