Malibu Genius Performance 4x4: Test
Wie schlägt sich der Malibu Genius Performance 4x4?

Mit einer fest montierten Heckverlängerung baut sich Malibu genau das Sprinter-Format, das den Aulendorfer Tüftlern gefehlt hat. Aber was bringt der gewaltige konstruktive Aufwand im Camping-Alltag?
Bild: Sven Krieger
Ach ja, sie haben's nicht immer leicht, diese Reisemobilhersteller. Besonders beim Entwerfen von Kastenwagen. Die Vorgaben sind hier eng gesteckt, und zwar genau zwischen die Karosseriebleche des Basisfahrzeugs. Wo beim Vollintegrierten noch leidenschaftlich diskutiert werden darf, wie groß jetzt das Bad und wie ausladend die Sitzgruppe ausfallen soll (man baut die Hülle drumherum ja schließlich selbst), muss sich hier alles den vorgegebenen Formen fügen.
Gerade das scheint aber die Kreativität der Entwicklungsteams zu beflügeln. Sie denken sich dann so pfiffige Gimmicks wie Slide-outs für die Querbetten aus (Etrusco xFlip, Westfalia Sven Hedin), den ausfahrbaren Erker fürs Längsbett (Westfalia James Cook 600 E) – oder eben fest stehende Karosserieverbreiterungen, die bei besonders schmalen Kastenwagen für die nötige Bettlänge sorgen.
Optimale Maß zwischen Wohnkomfort und Handlichkeit
Malibu geht hier einen ganz eigenen Weg. Um das optimale Maß zwischen Wohnkomfort und Handlichkeit zu erreichen, haben die Aulendorfer eine fest montierte Heckverlängerung aus GFK entwickelt. Sie misst fast einen halben Meter und ersetzt die Flügeltüren. Stattdessen gibt es eine nach oben aufschwenkende Heckklappe mit angenehm tiefer Ladekante. Das hat Vorteile beim Raumangebot und auch bei der Isolierung. Schauen wir mal, wie sich der Längenzuwachs drinnen anfühlt.

Um Bewegungsfreiheit zu schaffen, wird die Küche nach vorn schmaler.
Bild: Sven Krieger
Das ist er: Ein Kastenwagen für zwei Abenteurer, die sich gern verwöhnen lassen. Nicht ohne Grund hat Malibu den Mercedes Sprinter als Basisfahrzeug gewählt. Mit Pkw-ähnlichem Fahrkomfort, gängigen Assistenzsystemen und optimalem Infotainment setzt er hier Standards. Das will auch der Ausbau, der sich harmonisch ins Karosserieblech einfügt. Anthrazitfarbene Akzente im Mobiliar nehmen beispielsweise die Farbtöne im Fahrerhaus auf, das bei gedrehtem Gestühl zusammen mit der Sitzbank einen Teil des Wohnraums stellt.
Angenehm fällt hier die gebotene Kopffreiheit auf. Sie wird durch die seitlichen Dachschränke, die sich fast bis an die Scheibenrahmen ziehen, nicht eingeschränkt. Zudem sind Wand- und Dachverkleidung stoffbespannt, was für eine wohnliche Akustik sorgt.
Malibu Genius Performance 4x4: pfiffige Platzgestaltung
Auch an ausreichend Ablagen wurde hier vorn gedacht. Sogar in der Schiebetürverkleidung finden sich welche. Pfiffig: Um nicht mit einem geteilten Insektenschutz hantieren zu müssen, sorgt eine Glasscheibe hinterm Herd für einen geraden Ansatz. Sie dient gleichzeitig als Spritzschutz. Zugunsten einer größeren Arbeitsfläche wurde der Kühlschrank vors Fußende des rechten Betts platziert, was ihn jedoch etwas mühsam erreichbar macht.
Angenehmer gestaltet sich die Nutzung des Bads. Es wirkt fast künstlerisch, wie hier der zur Verfügung stehende Raum genutzt wird. Fangen wir unten an: Die bodengleiche Duschwanne ragt bis in den Flur hervor. Das vergrößert die Duschkabine, die bei geöffneter Tür und ausgeklappter Duschabtrennung entsteht. Dann das verschiebbare WC, das nur bei Nutzung Raum beansprucht. Und schließlich das klappbare Waschbecken, für das Gleiches gilt.

Bestens bewährt: das ergonomisch einwandfreie Sprinter-Cockpit.
Bild: Sven Krieger
Ähnlich variabel zeigt sich der Schlafbereich. Da beide Wassertanks unterflur montiert sind (davon profitiert auch die Schublade unter der Sitzbank), steht unter den Betten enorm viel Stauraum zur Verfügung. Rechts ist er in Schubladen und teils entnehmbare Fächer unter der aufklappbaren Liegefläche aufgeteilt, links in einen großen Kleiderschrank unterm Fußende sowie eine Ablage über Gaskasten, Heizung und Bordakku. Da die Alu-Auflagerahmen der Liegeflächen anhebbar sind, kann der Stauraum noch mal um fünf Zentimeter auf einen Meter erhöht werden.
Das wird beispielsweise dann interessant, wenn Fahrräder transportiert werden sollen. Hierfür bietet Malibu ein E-Bike-taugliches Schienensystem mit Auszug (1290 Euro) an, bei dem aber die Vorderräder und Pedale demontiert werden müssen. Sicherer als draußen stehen die Fahrräder so aber gewiss. Alternativ können im Heckstauraum auszieh- und entnehmbare Transportboxen (1950 Euro) installiert werden.
Das hat er: Schon in der Basisausstattung alles, was es für ein gelungenes Reiseerlebnis braucht. Das darf beim Grundpreis von 143.310 Euro aber auch erwartet werden. Verzichtet man auf den Allradantrieb, startet der Genius 641 LE bei 93.000 Euro – theoretisch. Denn im Konfigurator erscheinen diverse Ausstattungspakete als nicht abwählbar, sodass sich der Startpreis auf 103.490 Euro erhöht.

Über Hüfthöhe platziert, wirkt das Bett wie ein separierter Bereich. Kuschelig!
Bild: Sven Krieger
Serienmäßig an Bord sind bei der getesteten Allradversion Annehmlichkeiten wie zwei dicke 150-Ah-Lithium-Ionen-Bordakkus und die Truma-Dieseltherme mit Höhenkit sowie Elektroheizstab. Damit die Wärme ankommt, wo sie gebraucht wird, sind die Warmluftschläuche klug verlegt – sogar rund ums Bett bis in die Heckverlängerung und natürlich in die Sitzgruppe. Hier kann für 460 Euro extra eine Schlafmöglichkeit aufgebaut werden. Besonders gut gefallen hat uns, dass die Duschwanne bis unter die Sitzbank führt, wohin sich ja das WC zurückziehen kann.
So fährt er: Deutlich komfortabler, als es die robuste Optik vermuten ließe. Trotz Höherlegung federt der Sprinter feinfühlig, ohne aber ins Wanken zu geraten. Die Geräuschdämmung ist vorbildlich – von den grobstolligen Reifen hören wir fast nichts. Lenkung und Bremsen lassen sich exakt dosieren, und die formidable Wandlerautomatik sortiert ihre neun Stufen unmerklich. Dazu kommen sehr gute Übersichtlichkeit sowie intuitive Bedienung.
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