So stark, so schnell, so selten: Mit dem Mansory G-Couture schwelgt der Veredler aus dem Fichtelgebirge erneut in Superlativen. Wir fuhren den 700-PS-Klotz mit dem bösen Blick.
Ben Arnold
Kein Mensch würde mit einer alten Tupolew-Frachtmaschine Loopings drehen. Kein Mensch würde mit einer betagten Vespa die linke Autobahnspur entern. Kein Mensch würde mit einem rostigen Fischkutter beim America’s Cup antreten. Und kein Mensch würde einen in Ehren ergrauten Geländewühler als steilen Gipfel verschwenderischen Luxus verkaufen. Mansory setzt sich über derlei Bedenken hinweg – und tut genau Letzteres. Eiskalt. Als Ausgangsbasis hält ein 507 PS starker Mercedes G 55 AMG her. Das Resultat kostet sechsstellig: 515.687 Euro. Dafür gibt es einen konkreten Gegenwert: den krassesten G aller Zeiten. Der stellt sämtliche Cayenne, Range und X6 mal eben in den Schatten. Weil er so exklusiv ist. So einzigartig. Und so widersprüchlich. Als Erstes fällt die Sichtkarbon-Karosserie ins Auge. Seit seinem optimierten Bugatti Veyron ist der Veredler dafür bekannt, keine halben Sachen abzuliefern.
Aerodynamik? Zumindest nicht schlechter als ein Einfamilienhaus.
Bild: Lena Barthelmeß
Auch dieses Mal nimmt er keine Rücksicht auf Verluste: Zu teuer? Zu komplex? Nicht für Mansory. Tatsächlich sind die Kotflügel, die Motorhaube, Front- und Heckstoßfänger komplett in Karbon gebacken. Die Teile orientieren sich zwar an der Formensprache des Serien-G. Zeigen aber noch mehr Mut zur schroffen Kante, zur scharfen Ecke. Und verzichten auf jedwede versöhnlichen Elemente. Beim Design genießt der Tuner enorme Freiräume – dem hauseigenen Autoklaven sei Dank. Dabei handelt es sich um eine Art Schnellkochtopf für Verbundwerkstoffe. Der härtet Kohlenstofffasern und Kunststoff bei 10 Bar Druck und bis zu 400 Grad aus und verdichtet sie dabei so stark, dass keinerlei Lufteinschlüsse zurückbleiben. Was einen makellosen Teint gewährleistet.
Etliche SLR-Bestandteile verhelfen dem Motor zur nötigen Standfestigkeit.
Bild: Lena Barthelmeß
Auch mit allen anderen Schönheitsfehlern räumt Mansory auf: • Sitzen, die dem sportlichen Anspruch nicht genügen. Weshalb der Veredler aus Mercedes-Elementen, neuen Polstern und teurem Leder sein Wunschgestühl baut; • einer Mittelkonsole, die zu sehr nach Lkw aussieht. Austausch gegen ein ergonomischeres Modul; • außen montierten Türscharnieren, deren rustikaler Stil den "cleanen" Look stört. Logische Konsequenz: mühsame Verlegung aller Beschläge nach innen. Ungeachtet dieser Maßnahmen will der Designer nicht nur Optikfetischisten befriedigen, sondern auch Motorenfreaks. Weshalb sich der Schaffensdrang unter der Motorhaube fortsetzt. Mit SLR-Teilen wertet der Tuner das Auto umfassend auf. Aus dem Supersportler übernimmt er nicht nur das prägnante Lenkrad, sondern auch den Kompressor, die Ladeluftkühlung und die Kurbelwelle.
Geländewagen mit Brutalosound
Abgeschmeckt wird das Ganze durch neue Kolben und Pleuel, Sportnockenwellen, modifizierte Zylinderköpfe, andere Drosselklappe in veränderter Umgebung, einen speziellen Krümmer sowie einen Sportauspuff samt Metallkats. Wir dürfen den G-Couture fahren. Und stellen fest:Abgeschmeckt wird das Ganze durch neue Kolben und Pleuel, Sportnockenwellen, modifizierte Zylinderköpfe, andere Drosselklappe in veränderter Umgebung, einen speziellen Krümmer sowie einen Sportauspuff samt Metallkats.
Lenkung und Fahrverhalten unverändert
Als Basis dient ein Mercedes G 55 AMG mit 507 PS. Das "Gesamtkunstwerk" kostet 515.687 Euro.
Bild: Lena Barthelmeß
G-Hasser hingegen lässt der Ausbau von Mansory noch ratloser zurück als das Serienfahrzeug. Sie mokieren sich darüber, dass sich Lenkung und Fahrverhalten kaum weniger schrecklich gebärden als beim Normalo-G. Beklagen sich, dass groß gewachsene Piloten unverändert über viel zu wenig Platz verfügen. Lauschen entsetzt dem ohrenbetäubend lauten Kompressorheulen. Und fangen bei der Vorstellung, mit dem Koffer 250 zu fahren, spontan an, mit den Zähnen zu klappern. Lediglich sieben Stück der kraftstrotzenden Rarität sollen entstehen – die ersten hat Mansory schon in die Emirate und nach Moskau verfrachtet. In Deutschland ist das Monstrum leider nicht zulassungsfähig. Hierzulande hat also kein Mensch die Chance, mal etwas richtig Verrücktes zu wagen.
G bleibt G – im Guten wie im Schlechten. Trotz (oder gerade wegen?) des abenteuerlichen Fahrverhaltens erliegen wir dem Charme des Mansory G-Couture. Laben uns am elefantösen Vortrieb. Und bewundern die selbstbewusste Aura des sündhaft teuren Außenseiters