Maserati Ghibli: Gebrauchtwagen-Test
Ein Maserati zum Golf-Preis im Test

Nach acht Jahren gewinnt der elitäre Maserati Ghibli an Bodenhaftung, kostet so viel wie ein gewöhnlicher Kompakter. Wie riskant wäre eine Beziehung mit dem Traumauto?
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Sein Name steht für Leistung und Luxus. Doch tatsächlich ist ein Maserati Ghibli als Gebrauchter nicht nur für Menschen mit ganz dickem Portemonnaie erreichbar. Als Neufahrzeug war dieser Ghibli ein klassischer Fall für solvente Kunden mit besonderem Geschmack. Inklusive einiger preistreibender Extras summierte sich der Neupreis auf rund 80.000 Euro.
Unser Fotofahrzeug von Motorama aus Wennigsen (Region Hannover) war bis vor Kurzem in erster belgischer Hand und wird mit 157.873 Kilometern für 33.950 Euro inklusive ausweisbarer Mehrwertsteuer angeboten. Erst kürzlich war es beim Maserati-Ferrari-Händler zur kostspieligen Wartung. Neben frischem Öl und neuen Reifen gab es eine mit neuen Verbundgussbremsscheiben bestückte Brembo-Bremse.
Im Kreise der sportlichen Oberklasse-Limousinen hat der 2013 vorgestellte Ghibli III die Rolle des sportiven Schöngeists inne. Fast 4,97 Meter lang und mit drei Meter Radstand gesegnet, ist er nicht nur deutlich größer als der Quattroporte der Neunziger, sondern taugt als Musterbeispiel für sportliche Eleganz. Optisch grenzt sich der luxuriöse Italiener deutlich von der teutonischen Konkurrenz ab. Seine Front mit langer Haube und schlundartigem Grill wirkt aggressiv, an den C-Säulen trägt er stolz den Dreizack.
Maserati Ghibli gebraucht: Design strahlt noch immer Exklusivität aus
Seine happigen Abmessungen kaschiert der Ghibli gekonnt. Und der Verzicht auf wilde Sicken und Blechfalze wird nach zehn Jahren belohnt. Das Design strahlt noch immer Exklusivität aus und geht trotz leichter Lackabplatzer am vorderen rechten Radlauf und an der fahrerseitigen A-Säule in seinen Grundzügen als frisch durch.

Schnörkelloses Cockpit der alten Designschule mit klarer Bedienlogik. Edle Rundinstrumente, bis auf wenige Kunststoffe wertiger Qualitätseindruck.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Innen gibt es nicht nur genügend Platz für vier Personen, sondern auch feinste italienische Möbelbautradition zu bewundern. Weiche und zugleich erfreulich haltbare Poltrona-Frau-Lederpolster und geprägte Wappen in den Kopfstützen, doppelte Nähte in Kontrastfarbe und ein mit Alcantara bezogener Innenhimmel begeistern nicht nur italophile Autofans. Gegen saftige Aufpreise bot Maserati erweiterte Lederumfänge und extravagante Kombinationen aus Leder und Zegna-Seidenstoffen, zusätzliche Carbonakzente oder ein Bowers-&-Wilkins Surround-System mit 16 Kanälen und 1280 Watt an.
Praktische Fahrassistenten sind dagegen bis auf eine mittelprächtige Rückfahrkamera nicht existent. Und eine traditionelle Analoguhr über der Mittelkonsole lenkt gekonnt davon ab, dass die Infotainmentlösung in ähnlicher Form auch in diversen Fiat- und Jeep-Modellen verbaut wurde und bis zum 2017er Facelift noch trotz Navigationssoftware aus dem Hause Garmin deutlich Luft nach oben bot.
Unter der Haube arbeitet ein Diesel!
Funktioniert das Prinzip "Einsteigen und genießen" dennoch, oder sollte man nach acht Jahren besser Abstand vom Ghibli nehmen? Unter der Haube bietet unser Testwagen für Maserati-Verhältnisse Schonkost: Ein drei Liter großer V6 mit 275 PS leitet seine Kraft an die Hinterachse. Und shocking: Es ist ein Diesel! Das Triebwerk erinnert daran, dass die Väter des Ghibli in den Jahren des Dieselbooms ernsthaft um Stückzahlen bemüht waren, einst sogar von 50.000 Einheiten pro Jahr träumten.
Technische Daten
Maserati Ghibli Diesel | |
|---|---|
Motor | V6/vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2987 cm³ |
Leistung | 202 kW (275 PS) bei 4000/min |
Drehmoment | 570 Nm bei 2000/min |
Höchstgeschw. | 250 km/h |
0-100 km/h | 6,3 s |
Tank/Kraftstoff | 80 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Achtstufenautom./Hinterrad |
L/B/H | 4971/1945/1461 mm |
Kofferraumvolumen | 500 l |
Leergewicht/Zuladung | 1835/665 kg |
Tatsächlich ist der von VM zugelieferte Diesel (Euro 5) Maserati-untypisch, dafür aber ein gelungener Kompromiss aus Leistung und Ökonomie. 570 Nm schieben ab 2000 Touren ordentlich an, Soundgeneratoren in der vierflutigen Abgasanlage bemühen sich um V8-Sound. Zum Modelljahr 2017 gab es ein Facelift mit Qualitätsverbesserungen und ein Diesel-Upgrade auf Euro 6.
Und das Fahrwerk? Es zeigt sich weder von der Leistung noch von der Laufleistung beeindruckt. Der Maserati ist trotz seiner straffen Grundabstimmung ausreichend komfortabel und zugleich enorm kurvenwillig. Leidensfähig sollten Ghibli-Käufer in erster Linie im Unterhaltskapitel sein. Obwohl sich der Diesel im Alltag mit weniger als neun Litern begnügt, sprengen Wartungskosten und Kasko-Klassen rasch klassenübliche Dimensionen.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 9,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 158 g/km |
Inspektion | 1000-1850 Euro |
Haftpflicht (20)* | 653 Euro |
Teilkasko (30)* | 1409 Euro |
Vollkasko (32)* | 3955 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 5) | 411 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1500 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1100 Euro |
Wasserpumpe | 1600 Euro |
Zahnriemen | entfällt, Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 2200 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 2800 Euro |
Bremsscheiben und -klötze vorn | 1350 Euro |
Infotainmentbildschirm bzw. Einheit | 2750 Euro |
Sommerreifen (235/50 R 18 W) | 700 Euro |
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