Maserati GranTurismo S und Audi S5 im Vergleich
Wir trauen uns

- Margret Hucko
Jetzt bläst er gerade den Hochzeitsmarsch. Nicht Wagner, nicht Mendelssohn Bartholdy, sondern ein ganzes Orchester spielt im Maserati "l'opera". Madonna, was für eine Komposition aus Höhen und Tiefen, die auf Knopfdruck weiter Fahrt aufnimmt. Sind diese Töne noch jugendfrei? Forte! Der geht aber ran. Nach Drücken der S-Taste steigert der Italiener sich von Höhepunkt zu Höhepunkt, die letzte klangzügelnde Klappe im Auspuff liegt entwaffnend flach. Wie eine Schleppe zieht der GranTurismo S den Ton-Teppich über die Straße. Breit und ausufernd, heiß und weiß – die letzte Versuchung des Automobilbaus, bevor in Zukunft Elektroautos surrend zur Vernunft erziehen. Gar nicht auszudenken, welche italienischen Klassiker den Kindern von morgen entgehen. Auf Platte, ähm iPod, gehört dieser Sound gespeichert. Als zeitgenössisches Dokument fürs neue Jahrtausend, als Beweis für die Existenz einer PS-starken Protestbewegung verdient es Platz eins bei der Google-Suche. Stichwort: Gegen Öko-Wahn! Gegen die Weltwirtschaftskrise! Gegen Konsumverweigerung!
Der schöne Italiener will mit weit über 100.000 Euro teuer bezahlt werden

Bild: Christian Bittmann
Bei schnellem Geradeauslauf reagiert die Lenkung des GT etwas beschwipst

Bild: Sven Krieger
Einen ähnlich großen Wurf schuf Audi mit dem S5. Ein Coupé von bestechender Brillanz, mit leidenschaftlicher Linie, kühl kalkuliert und mit 60.050 Euro weniger als halb so teuer im Vergleich zum Maserati. Als deutsches Coupé eilt ihm der Ruf als handfester Bayer voraus, dessen Marke vor mehr als 20 Jahren Tracht gegen teure Designerjeans eintauschte. Drum prüfe, wer sich ewig bindet – vielleicht ist der S5 die Sünde wert? Schaun mer mal. Der erste Körperkontakt mit dem Cockpit fühlt sich schon mal gut an. Weiches Leder, kühles Aluminium, die Sinne sind geschärft. Von außen muss der zweitürige Audi nicht überzeugen, die Linie des deutschen Granpurismo spricht für sich. Ähnlichkeiten mit dem Maserati sind beabsichtigt und keineswegs zufällig. Als völlig abtörnend erweist sich allerdings das Start-Prozedere. Schlüssel rein in den Schlitz im Armaturenbrett, dann beginnt die Belehrung: "Beim Einlegen einer Fahrstufe im Stand Fußbremse betätigen." Oje, was für eine Büroklammer versucht denn da verzweifelt einen Flirt?
In Sachen Leidenschaft muss sich Audi dem Maserati geschlagen geben

Bild: Christian Bittmann
Genug gefühlt, genug gefummelt. Gas. Beim Hochdrehen klingt das 353-PS-Aggregat kratzbürstig und weniger sonor. Unglaublich treu geht der S5 durch Kurven – selbst ohne ESP. Nichts wirft ihn dank quattro aus der Bahn. Hoffentlich auch nicht, dass ich mit ihm schnell Schluss machen muss. Mein Jawort gehört dem Maserati .
Fazit
Ich habe Ja gesagt – und zwar zum Maserati GranTurismo S. Mit seinem wohlklingenden V8 hat er es geschafft, mich um den Finger zu wickeln – Madonna, was spielt der Italiener für eine Sinfonia aus allen Rohren! Natürlich fährt er nicht perfekt, weder die Lenkung noch das Fahrwerk agieren so harmonisch wie bei Audi. Der S5 ist ein kleiner Maserati in Perfektion – also kein Maserati. Rational betrachtet, spricht alles für den Ingolstädter. Aber was ist schon Vernunft, wenn es um Liebe geht ...
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