Maserati: Tuning-Test
Zwei wie Pech und Schwefel

Dieses Duo gehört zusammen: Novitec veredelt nicht nur das Coupé von Maserati, sondern auch die Limousine. Mit jeweils rund 600 PS haben GranTurismo und Quattroporte endlich die Leistung, die sie brauchen.
- Ben Arnold
Maserati-Fahrer haben's bisweilen schwer. Wer einen als Dienstwagen benutzt, kann sogar seinen Job verlieren. Harald Ehlert, kürzlich abgesägter Geschäftsführer der Berliner Obdachlosenfürsorge "Treberhilfe", kann ein Lied davon singen. Eigentlich unverständlich: Die Autos sind nur ein wenig teurer als vergleichbare Mercedes oder Porsche, haben nicht übertrieben viel Leistung und fallen zwar auf, aber deutlich weniger aus dem Rahmen als etwa ein Ferrari. Würde es sich bei dem beanstandeten Maserati um einen Novitec-Umbau handeln, wäre der Dienstwageneklat eher nachvollziehbar. Der Allgäuer Tuner dreht nämlich an allen relevanten Stellschrauben: Preis, Leistung, Optik. Wobei die Allgäuer in letztem Punkt Zurückhaltung walten lassen – und die Außenhülle nur unwesentlich verfremden.
Überblick: Alle News und Tests zum Maserati Quattroporte

Bild: Lena Barthelmeß
Überblick: Alle News und Tests zum Maserati GranTurismo

Bild: Lena Barthelmeß
Der GranTurismo ist von anderem Schlag. Er wirkt nervöser, unruhiger, hitziger. Seine sequenzielle Schaltung erweist sich beim Rangieren und im Stadtbetrieb als Zumutung; den Automatikmodus kann man schlicht vergessen. Bei forcierter Gangart über Land spielt das Auto hingegen seine Vorzüge aus. Sobald der Motor laut röhrend ausdrehen darf, zeigt er sein wahres Wesen, rennt kraftstrotzend in den Begrenzer, quittiert Runterschalten mit brünstigen Zwischengas-Schreien, ermöglicht spontane Überholmanöver auf engstem Raum – jederzeit. Einen räudigen Wolf hat Novitec auch hier ganz bewusst nicht herangezüchtet – eher einen gut abgerichteten Haushund mit imposantem Stammbaum. Der beißt bei Bedarf zwar unbarmherzig zu, vergisst aber niemals seine Herkunft.
Beide Maserati fahren sich auch nach dem Eingriff wie Serienmodelle

Bild: Lena Barthelmeß
Im Gegensatz zum auf der gleichen Plattform aufbauenden Coupé muss der Quattroporte seit der Umstellung auf Automatik ohne Transaxle auskommen – was zu einer ungünstigeren Gewichtsverteilung führt. In kurvigem Terrain verliert er daher an Boden, ohne für sich genommen behäbig zu wirken. Die Serienbremse sähen wir jedoch gern durch eine üppigere Anlage ersetzt – sie wirkt beim Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten überfordert. Bei der Preisgestaltung kommen wir nicht umhin, kräftig zu schlucken: Die Autos kosten mal eben zwischen 170.000 und 180.000 Euro – pro Stück. Wir würden uns dennoch beide Exemplare zulegen. Aber nur als Dienstwagen – das damit einhergehende Risiko nähmen wir in Kauf.
Service-Links