Massenkarambolage im Münsterland

Horror-Crash im Nebel

Zwei Unfallautos mit Blechschaden haben auf der Autobahn 31 im Münsterland eine Massenkarambolage ausgelöst. Schreckliche Bilanz: drei Tote, 35 Verletzte.
(dpa/sb) Ein Schutzengel mit weißen Flügeln hängt am Innenspiegel eines Kleinwagens. Am Armaturenbrett und am Lenkrad sind die Fetzen der Airbags zu sehen. Das Auto ist sonst fast unbeschädigt. Jemand hat eine blausilberne 37 draußen auf das Blech gesprüht. Auch die vielen anderen Wracks im Trümmerfeld tragen Zahlen zur Orientierung für die Helfer und Ermittler. In der zögerlichen Morgensonne lässt sich am Samstag (19. November 2011) der Schrecken nur ahnen, der 14 Stunden vorher bei der Massenkarambolage auf der Autobahn 31 im westlichen Münsterland herrschte. Drei Menschen starben und 35 Menschen wurden bei dem Unglück südlich von Gronau verletzt.

Totenstille auf der Autobahn

Drei Tote, 35 Verletzte: Die schreckliche Bilanz der Massenkarambolage auf der A31.

"Heute Morgen war hier Totenstille", schildert der Polizist Christian Lein seinen ersten Eindruck vom Tag nach der Katastrophe. Überall liegen benutzte Einweghandschuhe auf der Fahrbahn und zeugen davon, dass Ersthelfer und Rettungssanitäter in den Stunden zuvor Verletzte versorgt haben. Auf dem Beifahrersitz eines Kombis steht eine volle Einkaufstasche, vom Haltegestänge eines Vans sind Kinderfahrräder auf den Asphalt gefallen. Ein Großraumtaxi hat den kleinen Wagen vor sich bis zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt. Ganz vorne stehen zwei dunkle Limousinen. Nach ersten Ermittlungen kam es zu einem Unfall mit Blechschaden, bei dem niemand verletzt wurde. Für nachfolgende Fahrer wurden das Hindernis und der dadurch entstandene Stau aber zum Verhängnis. Möglicherweise zog sich die Katastrophe am Freitagabend über Minuten hin, denn der Verkehr fließt hier normalerweise nicht sehr dicht. Dass zwei große Lastzüge rechtzeitig bremsen konnten, nachdem sich schon 52 Fahrzeuge ineineinander verkeilt hatten, verhinderte noch Schlimmeres.

Schwere Massenkarambolagen

Oktober 2011

In Bayern kommt es zu zwei Massenkarambolagen. Auf der Autobahn 93 bei Mainburg fahren 14 Autos ineinander. Eine Frau stirbt, 17 weitere Menschen werden verletzt. Nur 25 Kilometer entfernt stirbt ein Mann, als auf der A93 acht Fahrzeuge zusammenstoßen.

September 2011

 Nach einem Serienunfall auf der A5 bei Homberg/Ohm (Hessen) mit 36 beteiligten Fahrzeugen erliegt ein Baby seinen Verletzungen. Eltern und Schwester des Kindes sind unter den 37 Verletzten. Nach Angaben der Polizei hatten Raser den Sicherheitsabstand nicht eingehalten.

April 2011

Acht Tote, rund 90 Verletzte und mehr als 80 demolierte Autos sind die Bilanz der schwersten Massenkarambolage in Deutschland seit 20 Jahren. Auf der A19 südlich von Rostock hatte Wind Sand von angrenzenden Äckern aufgewirbelt und für extrem schlechte Sicht gesorgt.

Dezember 2010

Auf der A9 Berlin-München krachen nahe Weißenfels (Sachsen-Anhalt) 51 Fahrzeuge ineinander. Ein Mann stirbt, zwölf Menschen werden verletzt. Ursache ist zu schnelles Fahren bei eisglatter Straße und dichtem Nebel.

Januar 2010

Bei einem Massenunfall in dichtem Nebel kommen in der Neujahrsnacht in Südbaden zwei Menschen ums Leben, mindestens vier weitere werden schwer verletzt. An dem Unfall auf der A5 bei Teningen nahe Freiburg sind fast 50 Fahrzeuge beteiligt.
Zwei Menschen, die es schafften, aus ihren eingekeilten Autos zu entkommen, wurden dann möglicherweise auf dem Weg zum sicheren Straßenrand von herannahenden Wagen erfasst. Den dritten Toten fanden die Helfer in einem Wagen an einer Böschung. "Fakt ist, dass es Nebelbänke gab", sagt Polizeisprecher Jan Schabacker. Ob einige Fahrer bei diesen Sichtverhältnissen zu schnell unterwegs waren, müssen jetzt die Experten herausfinden. Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt sind eingeleitet. "Das ist die schlimmste Massenkarambolage dieser Art, die ich in fünf Jahren erlebt habe", sagt der Ermittlungsleiter der Polizei, Werner Schümchen. Zwei Stunden hat er sich ausgeruht seit Freitagabend, bevor er am Morgen zum Unfallort zurückkehrt. Ihn und seine Kollegen belasten die Szenen ebenso wie die Sanitäter und Notärzte. Auch 50 Menschen, die der Karambolage körperlich unverletzt entkamen, brauchten seelische Betreuung.   

24 Stunden Vollsperrung

Was genau passierte, werden die Experten erst in einigen Tagen wissen. Von Feuerwehrleitern herab fotografieren sie die Szenerie und halten die Lage jedes Wracks fest, bevor es abtransportiert werden kann. Die Bremsspuren, die Aufprallwinkel, das Ausmaß der Zerstörung – das sind die objektiven Daten, die den Sachverständigen zur Verfügung stehen. Aber auch die sogenannte subjektive Beweislage, die Aussagen der Verletzten und der Zeugen, werden sie auswerten. Seit dem späten Samstagabend ist die Autobahn 31 bei Münster wieder in beide Richtungen befahrbar. Die Autobahn war länger als 24 Stunden in beide Richtungen gesperrt.

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