Maybach 57S (2007): Gebrauchtwagenangebot
Das ist der günstigste Maybach 57S Deutschlands

Ein Neupreis von über 450.000 Euro und ein Wertverlust, der einem die Tränen in die Augen treibt: Das ist der günstigste Maybach 57S Deutschlands!
Bild: Gassmann GmbH
Wenn Geld keine Rolle spielte: Anfang der 2000er-Jahre belebte Mercedes den prunkvollen Namen Maybach wieder und entwickelte eine Luxuslimousine, wie sie die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte.
Trotz aller Bemühungen wurde die Maybach-Renaissance jedoch ein riesiger Flop. Einst für deutlich über 400.000 Euro verkauft, kostet ein gebrauchter Maybach heute kaum mehr als eine Mercedes C-Klasse in Basisausstattung.
In keiner anderen Fahrzeugklasse fallen die Preise so rapide wie in der Oberklasse – und der Maybach ist der unangefochtene König des Wertverlusts. 2002 wurde die Traditionsmarke mit einem ehrgeizigen Ziel zurückgebracht: Maybach sollte die luxuriösesten und teuersten Limousinen der Welt bauen. Gerüchteweise soll rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung geflossen sein.
Das Ziel waren 1000 bis 1500 verkaufte Fahrzeuge pro Jahr – tatsächlich wurden zwischen 2002 und 2012 insgesamt nicht einmal 3500 Autos abgesetzt. 2012 wurde das Maybach-Experiment eingestellt. Heute ist Maybach lediglich eine besonders luxuriöse Ausstattungslinie für S-Klasse, GLS und mittlerweile auch für den SL.
Maybach 57S für knapp 60.000 Euro
Ein "echter" Maybach wird aktuell vom Händler Gassmann GmbH in Bovenden bei Göttingen angeboten. Es handelt sich um den derzeit günstigsten Maybach 57S Deutschlands. Die 5,73 Meter lange Luxuslimousine aus dem Baujahr 2007 hat rund 120.000 Kilometer auf dem Tacho und wirkt angesichts des Preises von 59.381 Euro brutto (49.900 Euro netto) fast schon wie ein Schnäppchen. Der niedrige Preis hat allerdings auch einen Grund – dazu später mehr. Zuvor ein kurzer Blick auf die Modellhistorie.

Einen Maybach 57S erkennt man unter anderem an der überarbeiteten Front und den 20-Zoll-Vielspeichenfelgen.
Bild: Gassmann GmbH
Anfänglich gab es den Neo-Maybach in zwei Versionen, als "kurzen" 57er und als extralangen 62er. Beide Kürzel stehen grob für die Länge, denn schon das Einstiegsmodell ist mit 5,73 Metern Außenlänge und einem Radstand von 3,39 Metern rund einen halben Meter länger als jede S-Klasse.
Mit seinen 6,17 Metern war der Maybach 62 hingegen an Opulenz kaum zu übertreffen – zumindest was den gebotenen Luxus im Innenraum angeht. Denn äußerlich war ein Maybach – abgesehen von seiner schieren Größe – relativ dezent und deutlich unauffälliger als die Konkurrenz von Rolls-Royce oder Bentley.
Neupreis von weit über 400.000 Euro
Und genau das dürfte das Hauptproblem des Dickschiffs gewesen sein: Nur wenige Kunden waren bereit, knapp 400.000 (Maybach 57) bzw. 460.000 Euro (Maybach 62) für eine Luxus-Limousine auszugeben, die der W-220-S-Klasse sehr ähnlich sah und in Grundzügen sogar noch auf der S-Klasse der Generation W 140 basierte. Daran konnten auch die ab 2005 angebotenen S-Versionen des 57 und 62 nichts ändern. Das S steht für Spezial – und die Veränderungen sind umfangreich: So wurde die Front überarbeitet, ein strafferes Fahrwerk verbaut, Endrohrblenden aus Chrom und spezielle 20-Zoll-Felgen montiert.

Mehr Luxus geht kaum: Einzelsitze, Fondentertainment, Vorhänge, Zusatzinstrumente im Dachhimmel und sogar Champagnerkelche – im Maybach bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.
Bild: Gassmann GmbH
Die größte Änderung betrifft allerdings den Motor: Statt des 5,5-Liter-V12 (M 285) wurde in den Varianten 57S und 62S der 6,0-Liter-V12 (M 275) mit 612 PS und 1000 Nm (statt 550 PS und 900 Nm) verbaut. Außerdem wurde die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung in den S-Modellen von 250 km/h auf 275 km/h angehoben.
Natürlich waren die S-Versionen noch mal teurer, was in dieser Preisklasse allerdings maximal eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte. Im Jahr 2005 betrug der Basis-Neupreis eines Maybach 57S unglaubliche 419.920 Euro. Ein Preis, der bis 2007 auf 443.870 Euro stieg. Trotz der zahlreichen Verbesserungen blieben auch die Verkaufszahlen von 57S und 62S deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vom 57S wurden gerade einmal 503 Stück gebaut (plus 154 Facelift-Modelle), vom 62S sogar nur 236 (plus 256 Facelift-Modelle).
Der Maybach ist ein US-Modell
Das in Bovenden angebotene Modell ist ein Vorfacelift-Modell, das 2007 in die USA nach Texas an seinen Erstbesitzer ausgeliefert wurde. Es handelt sich hierbei also um ein US-Modell, was den vergleichsweise günstigen Preis erklärt. Doch bereits 2008 kam der Maybach mit nicht mal 10.000 Kilometern auf dem Tacho zurück nach Deutschland, wo er in den Besitz des zweiten Eigners überging, der die Luxuslimousine bis zuletzt fuhr oder womöglich auch fahren ließ.
Rund 18 Jahre nach der Erstzulassung stehen knapp 120.000 Kilometer auf dem Tacho mit Doppelskalierung in mph und km/h. Laut des Händlers befindet sich der Maybach in einem gepflegten Zustand. Ein Blick auf die Bilder unterstreicht diese Angabe: Weder außen noch innen sind Beschädigungen zu erkennen. Zudem wurde kürzlich ein frischer Service durchgeführt – inklusive Reifenwechsel. Der TÜV ist noch bis November 2026 gültig.
Die Ausstattung ist – typisch Maybach – vom Feinsten. Hier ein kleiner Auszug: Kühlfach im Fond, elektrische Vorhänge an Fondtüren und Heckfenster, klappbare Fondtische, Solardach, Comand Navigationssystem, Sirius Satellitenradio, Rückfahrkamera, Distronic, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit aktivem Kurvenlicht, beheizbares Lenkrad, Keyless-Go, Zierelemente Flowing Lines Klavierlack, Champagnerkelche im Fond.

Mehr Luxus geht kaum: Einzelsitze, Fondentertainment, Vorhänge, Zusatzinstrumente im Dachhimmel und sogar Champagnerkelche – im Maybach bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.
Bild: Gassmann GmbH
So wenig soll der Maybach kosten
So ausgestattet, dürfte der Neupreis bei weit über 450.000 Euro gelegen haben. Viele Jahre später gibt es den Maybach zum Spottpreis: Mit 59.381 Euro ist dieses Exemplar der mit Abstand günstigste 57S auf dem deutschen Markt. Aktuell gibt es nur einen Maybach, der günstiger ist: einen nicht vergleichbaren Maybach 57 aus dem Jahr 2004 mit fast 150.000 Kilometern auf dem Buckel.
Aber egal wie groß die Versuchung an dieser Stelle ist, Interessenten sollten eines bedenken: Ein Maybach spielt nicht nur beim Wertverlust in der Königsklasse, sondern auch bei den Unterhaltskosten. Wenn im Alter kostspielige Reparaturen (und praktisch jede Reparatur geht richtig ins Geld) anstehen, wird so ein Maybach schnell zum Geldgrab.
Zwar ist viel Technik aus der W-220-S-Klasse verbaut, doch vor allem die Maybach-spezifischen Teile sind rar und teuer. Und selbst wenn nichts kaputtgeht, so hat Maybach den innerstädtischen Verbrauch des 57S einst mit 26,4 l/100 Kilometern angegeben. Bei einem Maybach darf Geld eben keine Rolle spielen.
Fazit
Geben Sie es zu – beim Lesen des Artikels haben Sie doch auch für einen klitzekleinen Moment gedacht: "Was wäre wenn, ..." So ein Maybach ist schon auf seine ganz eigene Art reizvoll, doch blicken wir der Realität ins Auge: Wer kein dickes Polster auf dem Konto hat, dürfte als "Ottonormalverbraucher" keine Freude an der Luxuslimousine haben. Oder doch?
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