Mercedes 190 E 2.3 Callaway Turbo Prototyp verkauft
Über 90.000 Euro investiert, für 30.000 Euro verkauft

In den USA wurde ein Mercedes 190 E Callaway Turbo versteigert – für weniger als 30.000 Euro. In die Restauration flossen einst 90.000 Euro!
Bild: bringatrailer.com
Über 1,8 Millionen Mercedes 190 (W 201) wurden zwischen 1982 und 1993 gebaut und verkauft. Doch einen Baby-Benz wie diesen gibt es kein zweites Mal!
Auf der amerikanischen Auktionsplattform bringatrailer.com wurde kürzlich ein einzigartiger Mercedes 190 E versteigert. Der rote W 201 ist ein Prototyp, der aus einer Kooperation vom US-Tuner Callaway, Bilstein, Recaro und BBS hervorging. Das Highlight ist der Turbo-Umbau. Als Basis für den Prototyp musste ein 1984er 190 E 2.3 herhalten.
Callaway ist vor allem für Corvette-Umbauten bekannt
Der bekannte 2,3-Liter-Vierzylinder leistete in der auf dem nordamerikanischen Markt angebotenen Version überschaubare 115 PS, was 113 hp entspricht. Für Tuner Callaway, der in den 80er- und 90er-Jahren vor allem mit spektakulären Corvette-Umbauten für Furore sorgte, nicht genug. Aus diesem Grund sollte ein Turbolader dem Vierzylinder zu mehr Power verhelfen. Die Idee war es, das Kit direkt über Mercedes anzubieten, woraus jedoch nichts wurde.

Der M 102 getaufte Vierzylinder wurde von Callaway umfangreich überarbeitet und mit einem Turbolader versehen.
Bild: bringatrailer.com
Ein Prototyp wurde dennoch gebaut. Eben dieses Einzelstück wurde jetzt versteigert – zum vermeintlichen Schnäppchenpreis. Wie dem Inseratstext und den angefügten Videos zu entnehmen ist, erwarb der letzte Besitzer den Callaway-190er als nicht fahrbereites Bastlerfahrzeug. Er wusste aber, wie selten der signalrote Baby-Benz war – deshalb entschied er sich dazu, das Auto vollumfänglich zu restaurieren. Und zwar ohne Rücksicht auf die Kosten.
Prototyp mit Vierzylinder-Turbo
Im Rahmen dieser Komplettüberholung im Jahr 2022 wurde nicht nur der Vierzylinder mitsamt neu aufgearbeitetem Turbolader und einigen individuell angepassten Teilen zurück ins Leben geholt. Auch die Karosserie inklusive des seltenen BBS-Bodykits, bestehend aus Frontspoiler, Seitenschweller und teillackiertem Kühlergrill, bekam ihren alten Glanz zurück.

Die Seitenschweller und dreiteiligen Kreuzspeichenfelgen mit goldenem Stern stammen von BBS.
Bild: bringatrailer.com
Natürlich wurden auch die dreiteiligen BBS-Kreuzspeichenfelgen in 15-Zoll aufgearbeitet sowie das Fahrwerk mit Bilstein-Dämpfern und H&R-Federn überholt. Im Innenraum wurden seinerzeit Recaro-Sportsitze in beigefarbenem Leder verbaut, die ebenfalls behutsam restauriert wurden.

Das Momo-Lenkrad mit Ladedruckanzeige im Pralltopf ist ein Hingucker. Im zeitgenössischen Test aus dem November 1985 von "Road&Track" besaß der 190er noch ein klassisches Vierspeichenlenkrad, das aber auch schon mit der zentralen Ladedruckanzeige ausgestattet war.
Bild: bringatrailer.com
Andere Teile wie das Armaturenbrett wurden erneuert. Ein echter Hingucker ist das Dreispeichen-Momo-Lenkrad mit Ladedruckanzeige im Pralltopf. Zeitgenössische Fotos belegen, dass der 190er mit diesem Lenkrad von Callaway ausgeliefert wurde.
Die Leistung schien zweitrangig
Kurios ist, dass im gesamten Inserat mit keinem Wort erwähnt wird, wie viel Leistung der turboaufgeladene Baby-Benz letztendlich hat. Erst auf Nachfrage verrät der Verkäufer in der Kommentarspalte, dass der Vierzylinder "wohl um die 200 PS" leisten soll – was jedoch an einem konservativen Mapping liegt. Im beigefügten Fahrvideo ist zumindest deutliches Turbopfeifen zu vernehmen.

Allein die belederten Recaro-Sportsitze sind heutzutage ein kleines Vermögen wert.
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Rund 90.000 Euro investiert
Eine Ungereimtheit im Inserat: Auf dem von Callaway angefertigten Zertifikat ist von einer Viergang-Handschaltung die Rede, während im Text eine Fünfgang-Handschaltung erwähnt wird. Mutmaßlich dürfte Letzteres stimmen.
Mit 136.203 Meilen auf dem Tacho, was umgerechnet über 219.000 Kilometern entspricht, ist der 190er zwar nicht mehr taufrisch, doch durch die umfangreiche Restauration, die umgerechnet knapp 90.000 Euro verschlungen haben soll, dürfte sich die Laufleistung unterm Strich relativieren.
Der Verkaufspreis blieb unter den Erwartungen
Trotz der umfangreichen Investitionen, einer fast 500 (!) Fotos großen Bildergalerie und einem originalen Callaway-Zertifikat waren die Bieter zurückhaltend. Am Ende fiel der Hammer bei 31.750 Dollar, also gut 28.000 Euro. Das entspricht nicht mal einem Drittel der Restaurationskosten. Autsch!
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