Mercedes 500 SEL 5.0 AMG (1984): Auktion
Dieser exklusive AMG war mal ein Weihnachtsgeschenk

Bild: Jeremy Cliff ©2025 Courtesy of RM Sotheby's
Codename Blueberry: Dieser Mercedes 500 SEL 5.0 AMG ist nicht nur ein Einzelstück, er ist auch von historischer Bedeutung für die Marke AMG. Schon bald wird der einmalige 500 SEL versteigert!
Im Rahmen des "Sealed Drop" bietet das renommierte Auktionshaus RM Sothebys den Mercedes 500 SEL 5.0 AMG erstmalig öffentlich an. Ein klug gewählter Zeitpunkt, denn vor allem in den USA kennt der Hype um die sogenannten Pre-Merger-AMG kein Ende: In den vergangenen Jahren sind frühe AMG-Modelle zu echten Sammlerstücken avanciert, für die Enthusiasten mittlerweile immer wieder Rekordsummen zahlen. Bei diesem Exemplar sprechen wir jedoch nicht von einem "normalen" AMG, sondern von einem Auto mit historischer Relevanz. Das ist die Geschichte hinter dem Einzelstück!
Der AMG war ein Weihnachtsgeschenk
Anfang der 1980er-Jahre pflegte AMG-Mitgründer Hans Werner Aufrecht eine enge Geschäftsbeziehung zu einem gewissen Richard Buxbaum. Buxbaum, seines Zeichens Gründer von AMG Nordamerika, war häufig zu Besuch in Affalterbach. Bei einem dieser Treffen mit Aufrecht erwähnte er, dass es in den USA praktisch unmöglich sei, einen Mercedes 500 SEL in einer auffälligen Farbe zu finden.
Dieser unerfüllte Wunsch war die Initialzündung hinter dem Projekt "Blueberry". Im Juli 1984 kaufte Aufrecht einen 500 SEL in der seltenen Farbe "Lapisblau Metallic" (Farbcode DB 932 H) – mit dem Hintergedanken, ihn für seinen geschätzten Geschäftspartner Buxbaum zu modifizieren. Sein Plan war es, das Auto als Weihnachtsgeschenk zu überreichen.

Der Spitzname "Blueberry" ist kein Zufall: An dem 500 SEL wurde alles in Wagenfarbe lackiert, sogar die Schriftzüge.
Bild: Jeremy Cliff ©2025 Courtesy of RM Sotheby's
Da der W 126 eine Überraschung sein sollte, ging Aufrecht einen ungewöhnlichen Schritt: Er bot Buxbaum den serienmäßigen 500 SEL, den er beim Autohaus Karl Russ erworben hatte, zum Kauf an. Buxbaum willigte ein und erwartete die Lieferung Anfang 1985, was im Umkehrschluss bedeutete, dass nicht viel Zeit für den Umbau blieb.
Im Herbst 1984 machte sich die AMG-Mannschaft ans Werk und kreierte das hier gezeigte Einzelstück, dem sie den Spitznamen "Blueberry" verpassten. Zuerst wurde die graue Velours-Innenausstattung gegen eine Volllederausstattung mitsamt der elektrisch verstellbaren Sitze aus einem SEC getauscht. Dazu passend wurden ein Vierspeichen-AMG-Lenkrad, neue Instrumente sowie Zierteile verbaut. Das Zebrano-Holz wurde hierfür von Hand gebleicht und anschließend grau eingefärbt. Ein aufwendiges Verfahren, das bei sämtlichen Teilen wie der Mittelkonsole, dem Gangwahlhebel oder den Türtafeln angewandt wurde.

Im Innenraum wurde die serienmäßige Velours-Ausstattung gegen graues Leder getauscht. Die Türtafeln wurden mit einer blauen Ziernaht versehen.
Bild: Jeremy Cliff ©2025 Courtesy of RM Sotheby's
Äußerlich waren die Modifikationen sogar noch weitreichender. Neben einem kompletten AMG-Bodykit wurden die damals charakteristischen und heutzutage extrem gesuchten AMG-Penta-Felgen in 16-Zoll montiert. Deren Stern wurde in Wagenfarbe lackiert, so wie auch sämtliche Chromteile. Sogar der Schriftzug "500 SEL" wurde lackiert.
Fertigstellung im Januar 1985
Mit den optischen Retuschen war es jedoch nicht getan. In Affalterbach wurden außerdem ein Bilstein-Sportfahrwerk mit angepassten Federraten sowie ein überarbeitetes Sperrdifferenzial und eine Komplettabgasanlage mitsamt Krümmern und Doppelendrohr verbaut. Kurzum: Der 500 SEL bekam bei AMG das Rundum-sorglos-Paket.
Anhand einer Rechnung ist belegt, dass "Blueberry" am 11. Januar 1985 fertiggestellt wurde. Das Ziel, den AMG bis Weihnachten zu komplettieren und auszuliefern, wurde nicht ganz erreicht. Doch mit leichter Verspätung schickte Aufrechts Büro Anfang 1985 die Rechnung per Fax an AMG Nordamerika. Darauf befand sich ein kleiner Hinweis, dass es sich um ein Weihnachtsgeschenk für die Familie Buxbaum handele, die laut eigener Aussage vollkommen überwältigt war aufgrund des generösen Geschenks.
Im März 1985 kam das Einzelstück in den USA bei den Buxbaums an und wurde in den folgenden 15 Monaten als Firmenwagen, Schulbus und Hochgeschwindigkeits-Taxi genutzt. In dieser Zeit sammelte der W 126 fleißig Meilen, sodass nach 15 Monaten bereits 15.365 Meilen (umgerechnet 24.728 Kilometer) auf dem Tacho standen.
Vermutlich hätten die Buxbaums ihren AMG noch länger gefahren, doch im Juni 1986 wandte sich Milliardär Rick Cohen mit einem besonderen Wunsch an AMG Nordamerika: Er wollte eine S-Klasse in einer besonderen Farbe. Da "Blueberry" zu dieser Zeit der einzige W 126 in einer knalligen Lackierung war, entschied sich Buxbaum nach Rücksprache mit seiner Familie dazu, sein Auto ziehen zu lassen.

Der V8 wurde nur behutsam überarbeitet. Verbaut wurde eine neue Abgasanlage mitsamt Krümmern. Im Inserat wird keine Leistung genannt.
Bild: Jeremy Cliff ©2025 Courtesy of RM Sotheby's
Cohen setzte den SEL in den darauffolgenden fünf Jahren als Alltagsauto ein und spulte fleißig Kilometer ab. Dabei ließ er den Wagen regelmäßig beim Mercedes-Spezialisten John Quay warten. Als Cohen 1991 auf der Suche nach einem neuen Auto war, witterte Quay seine Chance: Cohan gab "Blueberry" bei Buxbaum für einen neuen 500 SEL 6.0 AMG in Zahlung, und nur wenige Tage später kaufte Quay das Einzelstück.
Den zweiten Verkauf bereute Buxbaum laut eigener Aussage jedoch so sehr, dass er Quay einmal pro Jahr bat, ihm das Auto zurückzuverkaufen – jedoch ohne Erfolg. Quay kannte das Auto und wusste um dessen Einzigartigkeit. Er nutzte den AMG zwischen 1991 und 2022 als reines Wochenendauto und fuhr in dieser Zeit gerade mal rund 19.000 Kilometer.
So hoch ist der Schätzpreis
Als Buxbaum praktisch schon aufgegeben hatte, seinen einstigen AMG zurückzubekommen, erhielt er im Oktober 2022 einen Anruf von Quay. Dieser bot ihm den AMG an – allerdings nur unter der Prämisse, dass er dem in die Jahre gekommenen Einzelstück wieder zu altem Glanz verhelfe. Ein Angebot, das Buxbaum dankend annahm und sich sofort ans Werk machte.
Bis 2024 wurde der 500 SEL 5.0 AMG ohne Rücksicht auf Kosten und Mühen restauriert. So flossen alleine in die Technik über 50.000 Dollar und noch mal rund 46.000 Dollar in die kosmetische Aufarbeitung. In Summe wurden insgesamt etwa 120.000 Dollar in den einzigartigen AMG investiert, sodass man der Luxuslimousine die Laufleistung von umgerechnet 183.938 Kilometern (114.294 Meilen) nicht ansieht.
Angesichts dieser Investition erscheint der Schätzpreis von 150.000 bis 200.000 Dollar, den RM Sothebys aufruft, gar nicht mehr so hoch. Erst recht nicht, wenn man die historische Relevanz dieses einzigartigen AMG bedenkt.
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