In dem aktuell vom Audi R8 nicht mehr abgedeckten Preissegment zwischen 100.000 und 150.000 Euro macht sich nun der Mercedes-AMG GT breit. Die Schwaben schickten letztes Jahr einen klassisch geschnittenen Zweisitzer ins Rennen, der sich an der Ikone aus Zuffenhausen abarbeiten und potenzielle Käufer überzeugen soll, ins Mercedes-Lager zu wechseln. In seiner aktuellen Prägung geht der Elfer wie schon so viele den Weg des Downsizings und stellt dem auf drei Liter reduzierten Hubraum eine doppelte Turboaufladung zur Seite.

Bei den Leistungsdaten ist der AMG GT dem Elfer überlegen

Mercedes AMG GT
Starke Basis: Der V8 im Mercedes-Bug schickt 462 PS und 600 Newtonmeter an die Hinterräder.
Bild: Ronald Sassen
Ein Schritt, den der AMG GT bereits zu seiner Einführung vollzogen hatte, denn er setzt von Beginn an auf einen doppelt geladenen V8-Motor mit vier Liter Hubraum. In seiner Basisversion schickt das klassische Transaxle-Coupé 462 PS und 600 Newtonmeter an die Hinterräder. Der Carrera tritt hier in der S-Version an, leistet damit 420 PS und 500 Newtonmeter, die ebenfalls auf die Hinterräder branden. Im Gegensatz zum AMG jedoch, der als mechanisch ehrliche Fahrmaschine antritt und sich nur über Keramikbremsen und Performance-Radsatz dynamisiert, fährt der Porsche alles auf, was gegen Aufgeld noch schneller macht. Angefangen beim optionalen Doppelkupplungsgetriebe (ja, ab Werk kommt der 911 serienmäßig noch als Handschalter!) über das Adaptivfahrwerk samt aktiver Wankstabilisierung und die im Carrera neu eingeführte Hinterachslenkung bis hin zum Sport-Chrono-Paket, das neben dynamischen Motorlagern auch den schärfsten Fahrmodus "Sport Plus" beinhaltet. Optionale Keramikbremsen sind ebenso an Bord wie die ebenfalls aufpreispflichtige Sportabgasanlage mit mittig platziertem Doppelendrohr.
Alle News udn Tests zum Mercedes-AMG GT

Im Porsche geht sportlicher Fahrspaß richtig ins Geld

Porsche 911 Carrera S
Krasse Preisansage: In kompletter Performance-Montur kostet der 911 Carrera S 138.577 Euro.
Bild: Ronald Sassen
Entsprechend erhöhen sich die Preise unserer beiden Testkandidaten: Im Falle des AMG GT schlagen am Ende 129.592 Euro zu Buche, der Porsche 911 Carrera S kostet in kompletter Performance-Montur sogar 138.577 Euro. Frei Haus kommt dagegen die Aufmachung. Die klassische Sportwagen-Anatomie des AMG etwa, mit Endlos-Schnauze und kurz vor der Hinterachse platziertem Fahrer. Zwei Insassen werden von exzellenter Verarbeitung verwöhnt, sitzen in straff bespannten Lederschalen mit gutem Seitenhalt, getrennt von einer aufsteigenden Mittelkonsole. Das Besondere am GT ist sein Auftritt, der zwischen leichtem Oldie-Glanz und moderner Linienführung changiert und damit so einige Blicke auf sich zieht. Nach einem 911 Carrera S hingegen dürften sich eher wenige umdrehen, was schlicht daran liegt, dass auch das jüngste Facelift nur Details am wohlvertrauten Gesamtbild ändert. Doch optische Änderungen waren noch nie das zentrale Thema eines Elfer-Facelifts. Vielmehr geht es in schöner Regelmäßigkeit darum, die vermeintlich perfekte Performance noch weiter zu perfektionieren.
Alle News und Tests zum Porsche 911
Doch inwieweit flairt der Carrera dabei noch mit einem turbogeladenen Boxer? Mit dem Turbo zeigt Porsche dagegen schon seit über 40 Jahren, dass man das Aufladungs-Thema mittlerweile bis zur Perfektion beherrscht. Anders als das PS-Oberhaupt der Familie, das ganz ungeniert auf Drehmoment-Bestie macht, sollen die Carrera-Modelle jedoch auch ihren Saugmotor-Vorgängern Tribut zollen.
Weitere Details zum Vergleich der beiden Sportcoupés finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Über die Jahre hinweg hat sich der Porsche 911 immer mehr zu Mr. Perfect entwickelt: immer schneller und gleichzeitig auch immer fahrbarer. Es ist schon fast erschreckend, wie schnell der neue Elfer auf der Rennstrecke geworden ist – der große Bruder Turbo S ist schon in Sichtweite. Auf der Strecke geblieben sind dabei allerdings ein Stück weit die Emotionen. Sein neuer Sechszylinder-Boxer mit Turboaufladung geht zwar phänomenal, sein Sound erreicht jedoch nicht mehr das Boxersägen-Niveau von früher. Emotional macht der AMG GT mit seinem angedeuteten Oldie-Look, dem grandiosen Sound und dem leger-präzisen Handling deutlich mehr an. Was dagegen die Rennstrecken- Performance – zumindest auf dem Sachsenring – angeht, ist ihm der 911 ein gutes Stück voraus.