Früher fuhren Sie E-Klasse: W 123, W 124, W 210. Gediegene Limousinen der 70er, 80er und 90er. Ein paar Jahrzehnte später sind die Limo-Fahrer von einst längst umgestiegen. Von der Stufenheck-Sänfte auf kleine, praktische Hochsitze wie die Mercedes B-Klasse. Seit der ersten Generation 2005 (Baureihe T 245) begeistert der Kompakt-Van vor allem reifere Kunden, deren Qualitäts- und Imageansprüche nicht von einem VW Golf Plus abgedeckt werden.

Hohe Restwerte für Gebrauchte zeigen die Beliebtheit

BMW 2er Active Tourer
Frontantrieb, Dreizylindermotor: Die Zielgruppe hat kein Problem mit dem Traditionsbruch bei BMW.
Das Geschäftsmodell funktionierte in einer alternden Gesellschaft derart gut, dass BMW nicht länger neidisch zuschauen wollte. Im März 2014 erschien der 2er Active Tourer. Dem Vorbild B-Klasse folgend, schlachtete BMW sogar ein paar heilige Kühe: Front- statt Hinterradantrieb, Drei- statt Vier- oder Sechszylindermotor. Beides wäre bei den Münchnern undenkbar gewesen, als die heute umworbene Seniorenklientel noch im besten Alter war. Interessanterweise ist es gerade diese, die sich kaum am Traditionsbruch stört und beherzt zugreift. Wie stark das Interesse ist, lässt sich leicht an den hohen Restwerten für Gebrauchte ablesen. Frühe Modelle der deutlich gereiften zweiten B-Klasse W 246 klammern sich noch immer hartnäckig an der 10.000-Euro-Marke fest, für den jüngeren BMW sind stets ein paar Tausender mehr fällig.

Der Mercedes nervt auf verschiedene Weise

Mercedes B-Klasse
Auf Langstrecken müssen B-Klasse-Fahrer u.a. mit hartem Fahrwerk und hektisch schaltendem Doppelkupplungsgetriebe klarkommen.
Beim Fahren muss der gute alte Mercedes-Geist schon gründlich gesucht werden. Mit viel Wohlwollen ist er im verzögert ansprechenden Gaspedal zu erkennen, das ein wenig an den alten 123er erinnert – genauso wie die runden Lüftungsrosetten. Unter der kurzen Haube sitzen die aus der A-Klasse bekannten und bewährten Mercedes-Motoren. Mitte 2013 kamen die ersten Euro-6-Diesel. Wegen ihres rauen Laufs und nur mittelmäßiger Schalldämmung sind sie eher etwas für Autobahn oder Landstraße, wo üblicherweise Windgeräusche den Motorlärm übertönen. Auf Langstrecken nerven aber zu kurze Sitzflächen, mitunter hektisch schaltende Doppelkupplungsgetriebe und harte Fahrwerke. Gerade auf schlechten Straßen stört die staksige Abstimmung mit ihrem starren Federverhalten. Kein Wunder, dass ein B 200 CDI, der von 2013 bis 2015 bei AUTO BILD den Dauertest über 100.000 Kilometern absolvierte, nur selten auf große Fahrt ging.
BMW 220 i Advantage Autom AHK NAV PDC SH
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BMW 220 i Advantage Autom AHK NAV PDC SH
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BMW 235 xDrive Gran Coupe M-Sport Pro/AHK/ACC
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BMW 223 i xDrive Active Tourer M Sport AHK Head-Up
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BMW 220 i Active Tourer M Sport AHK Automatik Kamera Sport
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Beim BMW zerstört der Dreizylinder den guten Eindruck

BMW 2er Active Tourer
Die von BMW anfangs eingesetzten Halbschalenlager machten schlapp und sorgten für den Exitus des Dreizylinders.
Das alles ist aber kein Grund für Schadenfreude bei BMW-Fans. Auch ein 2015 eingesetzter 218i Active Tourer hatte in der Redaktion einen schweren Stand. Zwar konnte er bei Fahrwerk und Lenkung erwartungsgemäß überzeugen, der gute Eindruck wurde aber schnell vom neuen Dreizylinder nachhaltig zerstört. Mit 136 PS bewies das 1,5-Liter-Motörchen zwar ausreichend Sportsgeist, mit 8,5 Litern im Testschnitt verbrauchte er aber nicht weniger als ein vergleichbarer Vierzylinder und verlor damit seine Daseinsberechtigung. Als das Triebwerk bei Kilometerstand 36.000 streikte, war es mit der Zuneigung endgültig vorbei. Grund: ein falsch konstruiertes Kurbelwellenlager! BMW stellte die Produktion um und rüstete alle bis April 2015 ausgelieferten Fahrzeuge kostenlos um. Am Ende des Dauertests reichte es trotzdem nur für die Note 4, womit sich der 2er Active Tourer deutlich hinter der mechanisch deutlich solideren B-Klasse (Note 2-) einordnen musste.
Das gleiche Bild bietet der AUTO BILD TÜV-Report, wo der BMW mit Platz 30 im Mittelfeld rangiert, der Mercedes dagegen nach dem Porsche 911 Platz zwei belegt. Kleiner Trost: Bei Mercedes war erst die zweite Generation der B Klasse wirklich gut. Vielleicht müssen sich BMW-Fans also noch etwas gedulden – und auf den Nachfolger hoffen. Bleibt die Frage: Haben die B-Klasse-Käufer von heute ihre Prinzipien aus der alten Mercedes-Welt verraten? Ja und nein. Zwar werden höhere Sitzposition und größere Alltagstauglichkeit mit Komfortdefiziten erkauft. Die Qualität der zweiten B-Klasse jedoch erinnert stark an die guten alten W 123 und W 124.
Fazit: Flexible Raumkonzepte, angenehmer Einstieg, moderate Abmessungen. B-Klasse und 2er Active Tourer umgarnen gekonnt die Ü50-Kunden. Die pflegen ihre Wagen im Schnitt gut, ordentliche Gebrauchte sind die Folge. Bei der Qualität kann sich der solide Mercedes klar vom durchwachsenen BMW absetzen.