Deutschland in den späten 70ern: Quartettspiele von ASS machen die Runde auf den Pausenhöfen. Auch der damals noch unverdorbene Autor und sein Bruder sind schnell angefixt und kommen von dieser Droge nicht mehr runter. Dass man – wie der Name des Spiels ja zart andeutet – aus den Karten Quartette bilden soll, ist uns vollkommen schnuppe. Wir zocken nach harten technischen Daten, nach PS und Höchstgeschwindigkeit. Und nach Hubraum. Immer wieder fällt mir die Karte mit dieser ominösen orangen Mercedes-Flunder in die Hände. 350 PS, 300 km/h Spitze – damals eine echte Ansage.Doch was ist das? In der Hubraum-Zeile steht kryptisch: "Wankel KV 4 x 600" – und darunter kurioserweise: "Bauart Zweischeiben". Kopfrechnen hatten wir ja schon, ich addiere auf 2400 Kubikzentimeter. Mein Bruder fordert mich heraus – und durchtrennt zielsicher meine  Achillessehne: "Hubraum?" Kleinlaut murmle ich "2400". "Ha, verloren! 7206!" Der Bruder spielt – wieder einmal – den Jensen Interceptor aus, den Hubraumkönig mit dem dicken Chrysler-V8, der in allen anderen Disziplinen dem C 111 deutlich hinterherhinkt. Klein und zornig wie ich bin, zerknülle ich meinen heißgeliebten Flügeltürer. Was man der Spielkarte, kürzlich vom Dachboden des Elternhauses geborgen, heute noch ansieht.
Mercedes C 111
Liegt sauber: Selbst mit dürren 215er-Reifen baut der C 111 enorme Querbeschleunigung auf.
Mercedes C 111 Dass ich dieses orange Wunderding (die Farbe nennt sich übrigens Weißherbst-metallic) einmal selbst einen ganzen Tag lang würde fahren dürfen, war für mich als Kind ungefähr so vorstellbar wie eine Karriere als Astronaut. Denn schon damals umwehte den C 111 etwas Geheimnisvolles, Mystisches. Man erzählte sich, dass es ihn wirklich gebe, aber keiner wollte darauf wetten. Ein echter, ewiger Erlkönig.
Mercedes AMG GT S
Dank ultradirekter Lenkung und extremem Grip macht der AMG GT S mit Kurven kurzen Prozess.
AMG GT S Das Erlkönigstadium hat der AMG GT S 2014 durchlaufen. Wie der C 111 zu seiner Zeit, markiert der AMG GT S heute die technische Speerspitze der Marke mit dem Stern, das derzeit Machbare. Biturbo-V8, 510 PS, 310 km/h Spitze. Er ist in der Jetztzeit das Auto, von dem Jungs träumen. Er wäre der Supertrumpf, spielte man auf den Schulhöfen noch immer Quartett. Es gibt übrigens Quartett-Apps fürs Smartphone.

Fazit

45 Jahre trennen C 111 und AMG GT S – was man beim Fahren deutlich merkt. Der GT S ist in allen technischen Belangen weit überlegen, wenngleich auch der handgefertigte Prototyp C 111 mit Mercedes-typischer Solidität begeistert und sehr ordentlich fährt. Einen Trumpf kann der C 111 aber doch noch ausspielen: Sein überirdisches Design sticht alles.