Euro NCAP hat den Mercedes Citan gecrasht – mit nur drei von fünf Sternen. Vor allem Sicherheitssysteme und Fußgängerschutz konnten nicht überzeugen.
Astrid Triebsees
Der Familien-Van Mercedes Citan hat im Euro NCAP-Crashtest enttäuscht. Er erreichte nur drei von fünf möglichen Sternen. Die größten Schwächen leistete sich der Citan beim Frontalcrash, beim Pfahlaufprall sowie bei der Ausstattung für die aktive Sicherheit, berichtet der ADAC als Euro-NCAP-Mitglied.
In der Disziplin Insassenschutz (Erwachsene 74 Prozent, Kinder 69 Prozent) kritisiert der ADAC vor allem "harte Strukturen im Armaturenbrett, die hohe Verletzungsgefahr für Fahrer und Beifahrer im Brustbereich sowie fehlende Gurtwarner beim Beifahrer und auf der Rückbank. Sowohl beim Seiten- als auch beim Pfahlaufprall habe sich außerdem Kopfairbag an der B-Säule verfangen – und sei damit weitgehend nutzlos.
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Mercedes Citan vs. Renault Kangoo und VW Caddy
Beim Seitenaufprall verfing sich der Kopfairbag an der B-Säule und war damit weitgehend nutzlos.
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Der Fußgängerschutz des Mercedes Citan wurde mit 56 Prozent bewertet. Der ADAC vermutet, dass von den Konstrukteuren offenbar "nur Teilbereiche des Stoßfängers und hintere Bereiche der Motorhaube im Sinne der Verkehrssicherheit entschärft" wurden. Die Vorderkante und viele Randbereiche der Motorhaube seien "deutlich zu aggressiv". Fehlende Gurtwarner beim Beifahrer und auf der Rückbank sowie ein Geschwindigkeitswarner, der keine akustischen Hinweise gab, führten zudem zu einer besonders schlechten Bewertung der Sicherheitsausstattung (33 Prozent).
Neue Konkurrenz bei den praktischen Familien-Kastenwagen mit Nutzfahrzeugcharme: Der Mercedes Citan greift seinen Technikbruder Renault Kangoo und den VW Caddy an. Wer hat am Ende die Nase vorn?
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Für den Vergleich fiel die Wahl auf die Kombi-Varianten mit fünf Sitzen. Das bedeutet weniger Blech als bei den reinen Nutzfahrzeugen, dafür mehr Glas und Familientauglichkeit. Schließlich will keiner die Kleinen in einen fensterlosen, unverkleideten Fond packen.
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Die Dieselantriebe sind mit 90 PS bei Citan und Kangoo (Bild) ...
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... sowie 102 PS beim Caddy völlig ausreichend und nicht zu schwachbrüstig für den Familienalltag.
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Wer zeigen will, dass er Mercedes fährt, sollte den Citan stets von vorn präsentieren. Hier sind die größten Unterschiede zum Kangoo auszumachen. Sie reichen von den rundlicheren, aber nicht viel kleineren Außenspiegeln bis hin zum Kühlergrill mit Stern.
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Größere Eingriffe gab es im Innenraum. Material und Verarbeitung sind besser als beim Kangoo. So klappert es im Citan bei Unebenheiten weitaus weniger als beim Franzosen. Aber der überarbeitete Armaturenträger steht wie ein schwarzer Klotz im Cockpit und vermittelt mehr Nutzfahrzeugatmosphäre ...
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... als das des Renault. Navi in der Höhle und eine Silberblende machen den Kangoo wohnlicher. Dafür ist das Plastik billiger als im Citan.
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Der Caddy hat einen mausgrauen, aber bedienfreundlichen Arbeitsplatz. Im Cockpit steckt mehr Polo als Nutzfahrzeug, ...
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... die Sitze sind straff und bieten eine gute Position. Höheneinstellung für beide Vordersitze kostet 146 Euro.
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Kangoo: Die plüschige Polsterung ist bequem, aber zu weich. Der Rücken wird zu wenig entlastet.
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Citan: Andere Stoffe und höhere Schaumdichte als im Kangoo verwöhnen Fahrer und Kopilot.
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Im Fond und beim Kofferraum zeigen die Kombi-Ableger der Kastenwagen, warum sie neben gewerblichen Kunden auch für Familien attraktiv sind. Mit zwei Handgriffen wird die Rücksitzbank bei Citan (Bild) und Kangoo zur ebenen Fläche, ...
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... das Kofferraumvolumen wächst jeweils von 438 auf 2080 Liter. Die zweiflügeligen Hecktüren im Foto kosten 150 Euro extra – serienmäßig kommt der Kangoo mit großer Klappe.
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Die Rücksitze im Caddy lassen sich sogar komplett entfernen. Mit einem Platzangebot von 750 bis maximal 3030 Litern setzt der VW die Bestmarke. Der riesige Laderaum dient aber leider auch als Brumm-Box für die Diesel, die durchweg lauter sind als bei gewöhnlichen Pkw.
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Der ab 70 km/h hinzukommende Fahrtwind erinnert daran, im Ableger eines Lieferwagens zu sitzen. Da macht keines der getesteten Fahrzeuge eine Ausnahme. Doch bei Nutzfahrzeugen ist Geräuschdämmung eher Nebensache. Anders der Verbrauch, der mit 5,7 Litern beim Kangoo bis 6,1 Litern beim Caddy erfreulich gering ausfällt.
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Und obwohl Mercedes mit ein paar Eingriffen in die Motorelektronik des Renault-Selbstzünders Drehfreude und Ansprechverhalten spürbar aufgepeppt hat, ...
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... bleibt auch der Benz (5,8 l/100 km) genügsam. Allerdings funktioniert das nur mit Energiesparreifen, die auf der anderen Seite die Bremswerte verschlechtern. Nach der Sternen-Kur liegt der Citan straff, ...
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... aber nicht zu hart auf der Straße. Die Lenkung ist direkt und vermittelt immer das Gefühl, den Kasten präzise ums Eck führen zu können. Geht es zu fix in eine Kurve, kennt der Mercedes keine Gnade: Das ESP übernimmt sofort das Kommando und nimmt rigoros Gas weg. Gut so.
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Bei forschem Tempo nimmt der Kangoo Bodenwellen zu gelassen, die weiche Federung versetzt die Karosserie in heftige Schwingungen. Und geht es rasch in eine Kurve, ...
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... arbeitet die Lenkung zu unpräzise, und der Kangoo schiebt stur geradeaus – wobei das ESP leider sehr spät eingreift.
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Trotz komfortabler Sitze und straffer Lenkung kommt selbst der Caddy nicht an die Fahrdynamik und Agilität des getunten Kangoo mit Mercedesstern heran.
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Viel Glas ergibt eine gute Rundumsicht. Einparkmanöver mit Kastenwagen sind nicht schwerer als mit Pkw.
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Platz drei mit 453 von 700 Punkten: Platzangebot und praktische Schiebetüren überzeugen. Das knubbelige Design und die gute Basisausstattung ...
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... zum angemessenen Preis machen den Renault Kangoo Energy dCi 90 zum Familienfreund.
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Platz zwei mit 471 von 700 Punkten: Genug gewitzelt – bei aller Ähnlichkeit mit dem Kangoo ist der Mercedes Citan 109 CDI BE ...
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... ein ernst zu nehmendes Familienauto und beweist das mit Wertigkeit und guten Fahreigenschaften.
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Platz eins mit 483 von 700 Punkten: Der VW Caddy 1.6 TDI BMT erklärt mit riesigem Platzangebot, ordentlicher Variabilität ...
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... und gutem Komfort, warum er im Segment der Kastenwagen ganz vorn fährt.
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Das Fazit von AUTO BILD-Mitarbeiter Robin Hornig: "So funktioniert Kooperation – zumindest für Mercedes. Trotz seines rauen Nutzfahrzeugcharmes ist der Citan der bessere Kangoo. Er setzt in seinem Segment einen hohen Maßstab bei Fahrdynamik und Agilität. Der Kangoo bleibt eine günstigere Alternative für alle, die weniger Wert auf Fahreigenschaften legen. Letztlich bietet der Caddy aber das beste Gesamtpaket und punktet bei Familien durch Komfort und Wertstabilität."