Es ist 14 Jahre her, dass Mercedes sein erstes viertüriges Coupé CLS auf den Markt brachte. Und damit eine neue Klasse begründete. Ja, Kenner werden jetzt einwenden, dass Rover bereits 1958 mit dem P5 den gleichen Versuch wagte. Aber der noble Brite wurde eben nicht zum Trendsetter. Schon gar nicht bei uns. 

Schönling mit Oberklasseanspruch

Bezahlbare Business-Klasse
An der Hinterachse genau hinsehen: Am Differenzial kommt es in einigen Fällen zu Ölverlust.
Der erste CLS, intern C 219 genannt, brachte es dagegen zwischen 2004 und 2010 auf stattliche 170.000 Exemplare. Die Rezeptur war einfach und frech: bekomm weniger, zahl mehr. Eigentlich ist der Schönling mit Oberklasseanspruch nur eine umgemodelte E-Klasse (W 211) mit weniger Platz und den gleichen Schwachstellen. Frühe Modelle waren oft mit der problematischen SBC-Bremse unterwegs, die Mercedes erst 2006 über Bord warf. Auch die meistens verbauten Comand-Systeme sorgen mit ständigen Abstürzen und Ausfällen für vorzeitiges Ergrauen. Wer Zerstreuung für einen Nachmittag sucht, kann einfach mal versuchen, eine Adresse per Spracheingabe ins Navi zu sprechen. 

Grundsätzlich ist beim CLS weniger mehr

Schwierig wird die Wahl für Interessenten beim richtigen Fahrwerk. Pragmatiker suchen nach einem Modell mit der klassischen Stahlfederung, die einfach und solide, aber auch etwas straff ist. Ästheten – und alle anderen greifen eh zur normalen E-Klasse – genießen lieber das Luftfahrwerk Airmatic. Dürfen dann aber auch nicht über hohe vierstellige Summen klagen, wenn die Luft mal raus ist. Grundsätzlich ist beim CLS weniger mehr. Weniger Jahre, weniger Vorbesitzer, weniger Wartungsstau. Finger weg von vermeintlichen Kiesplatzschnäppchen mit Folierung und breiten Puschen. Auf Motorenseite sind die 500er mit V8 weit verbreitet, diese sind meist kaum teurer als der 350er. Das obere Ende bilden die AMG-Versionen, mit maximal 514 PS im CLS 63. Wirtschaftlicher sind die Diesel, 320 oder 350 CDI (ab 2009) besitzen den gleichen Dreiliter-V6, auch wenn die Typenbezeichnung anderes suggeriert. Allerdings wurden die oft von Vielfahrern geordert, entsprechend hoch sind nach ein paar Jahren die Tachostände. 

Von den Motoren ist wenig Negatives zu hören

Schnäppchen lassen sich eher bei den Benzinern finden, wie beispielsweise der CLS 350. Von den Motoren ist wenig Negatives zu hören, lediglich dem Turbo kann es im Zylinder-V der CDI schon mal zu warm werden, ein überholter Lader kostet im Zubehör aber nur rund 1100 Euro. Empfehlenswert aufgrund der nahezu immer sehr hohen Tachostände ist der gründliche Technik-Check. Auch eine Untersuchung bei TÜV oder DEKRA ist ratsam. Ein korrektes Scheckheft solle der Anbieter immer vorweisen können. Und unabhängig für welches Modell man sich entscheidet: Wichtig ist, dass der Händler ein Jahr Gewährleistung gibt.

Bildergalerie

Gebrauchter Mercedes CLS im Test
Gebrauchter Mercedes CLS im Test
Gebrauchter Mercedes CLS im Test
Kamera
Gebrauchter Mercedes CLS im Test

Fazit

Der mutige und polarisierende CLS hat ein paar harte Jahre in üblen Milieus hinter sich. Jetzt ist er wieder da. Die Preise für gepflegte und originale (Benzin-)Modelle fallen längst nicht mehr. Der Trendsetter wird zum Klassiker.