Mercedes E-Klasse im TÜV-Check (2026)
Begehrter Kilometerfresser, aber nicht ohne Schwächen

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Kein anderes Modell spult so viele Kilometer ab. Das kann die Achsaufhängungen des bis 2023 gebauten W 213 überfordern. Der Vorgänger W 212 bringt weitere Sorgen.
Bild: Daimler AG
Worauf Gebrauchtwagen-Käufer bei der E-Klasse liachten sollten: Hier kommt der Überblick aus dem aktuellen TÜV-Report!
Mercedes E-Klasse (W 213)
- Bauzeit: 2016 bis heute
- Motoren: 150 PS (E 200 d) bis 612 PS (Mercedes-AMG E 63 S 4Matic)
- Gebrauchtpreis: ab 15.500 Euro
Das ist er: Aerodynamischer, die meisten Kanten im Blech sind weg. Die Limousine kommt auf 4,92 Meter (plus 5 cm), das T-Modell ist einen Zentimeter länger.

Die Mercedes E-Klasse der Generation W 213 rückt dichter denn je an den Luxusliner S-Klasse heran.
Bild: Christoph Boerries
Technisch rückt die E-Klasse nun dichter an die S-Klasse (W 222) heran. Die modulare MRA-Plattform ermöglicht Gleichteile mit anderen Baureihen wie C-, S-Klasse oder dem AMG GT. 2017 kamen Coupé und Cabrio (C238/A238) hinzu. Das T-Modell All Terrain surft mit kerniger Optik und 4Matic auf der SUV-Welle. Modellpflege 2020.
Das kann er: Schnell, leise und effizient sein. Das MBUX-System lenkt dank guter Sprachsteuerung kaum ab. Die Sitze, viel Platz und die Dämmung überzeugen, die optionale Airmatic-Luft federung ist verzichtbar. Schon der Basisdiesel 200 d schafft 224 km/h (Limousine) und ist dabei sparsam. Die 9G-Tronic sortiert die Gänge flott, braucht aber regelmäßige Wartung.
Das macht Ärger: Ausfallende NOx-Sensoren, Störungen im Infotainment und Verlust von Kühlmittel. Im AUTO BILD-Dauertest 2019 erreichte ein E 220 d T-Modell die Note 2: GPS-Antenne und CO2-Klimaanlage waren nicht zuverlässig. Rund drei Dutzend Rückrufe, davon allein fünf von Januar bis Juli 2025, u. a. wegen Brandgefahren, falscher Hinterachsverschweißung, drohendem Antriebsverlust. Zuvor: Airbags, Gurtschlösser, eCall, Lenkung, Kraftstofflecks …
Mercedes E-Klasse (W 212)
- Bauzeit: 2009 bis 2016
- Motoren: 136 PS (200 CDI) bis 585 PS (E 63 AMG)
- Gebrauchtpreis: ab 4000 Euro
Da ist er: Wahnsinnig viel unterwegs. Laufleistungen jenseits der halben Million Kilometer sind keine Seltenheit. Großzügiges Platzangebot trifft hier auf hohen Fahrkomfort. Neben Limousine und Kombi waren noch ein Cabrio und ein Coupé erhältlich, die aber technisch zum Teil auf der C-Klasse (W 204) basieren. 2013 verschwand mit dem umfassenden Facelift das Vieraugengesicht für eine komplett neue Front.

Laufleistungen von über einer halben Million Kilometer kratzen den W 212 nicht.
Bild: Martin Meiners
Das kann er: Als Diesel knausern oder als AMG-Version fast fliegen. Die V6-Diesel (drei Liter Hubraum, 204 bis 265 PS) sind effizient und laufruhig zugleich. Automatikgetriebe hatten anfangs fünf, dann sieben und ab 2014 sogar neun Stufen. Beim Ladevolumen übertrifft das T-Modell mit bis zu 1950 Litern seinen Nachfolger W 213 deutlich.
Das macht Ärger: Beim OM651-Diesel der Partikelfilter, defekte Injektoren und die Steuerkette. Rostproblemen vor allem am Hinterachsträger begegnete Mercedes mit großzügiger Kulanz. Viele Rückrufe, beispielsweise wegen loser Leitungen der Servolenkung, mangelhafter Lenkgetriebe (nur 4Matic-Modelle), Airbagproblemen und Servolenkungsausfalls.
Mercedes E-Klasse: Mängeleinteilung in Prozent im Vergleich zum Durchschnitt
Ohne Mängel | Geringe Mängel | Erhebliche Mängel | Verkehrsunsicher | |
|---|---|---|---|---|
Alter | ||||
2-3 Jahre | 92,3 (Ø 90,1) | 2,8 (Ø 3,5) | 4,9 (Ø 6,4) | 0,0 (Ø 0,0) |
4-5 Jahre | 87,4 (Ø 85,9) | 5,1 (Ø 5,0) | 7,5 (Ø 9,1) | 0,0 (Ø 0,0) |
6-7 Jahre | 80 (Ø 79,1) | 6,8 (Ø 7,3) | 13,2 (Ø 13,6) | 0,0 (Ø 0,0) |
8-9 Jahre | 71,1 (Ø 72,4) | 10,8 (Ø 9,7) | 18,1 (Ø 17,9) | 0,0 (Ø 0,0) |
10-11 Jahre | 65,5 (Ø 64,8) | 9,1 (Ø 12,2) | 25,3 (Ø 23,0) | 0,1 (Ø 0,0) |
12-13 Jahre | 59,7 (Ø 56,4) | 11,4 (Ø 15,4) | 28,6 (Ø 28,1) | 0,3 (Ø 0,1) |
Das TÜV-Urteil
Fahrwerk
Nach sechs Jahren schnellt die Mängelquote der Achsaufhängungen in die Höhe. Ursache: meist durchgerostete Achskörper. Federn/Dämpfer halten in etwa so gut wie im Durchschnitt. Antriebswellen und Lenkanlage sind insgesamt okay, die Lenkgelenke dürften wiederum besser dastehen. Vorsicht vor Rost am Chassis des W212!
Licht
Das ist schnell erzählt: Alles, was mit der Beleuchtung zu tun hat, ist gemessen an allen anderen Modellen sehr zuverlässig.
Bremsen
Die Fußbremse beider Typen überzeugt, die Feststellbremse eher des W 213 als seines Vorgängers, der durchweg unterdurchschnittlich abschneidet. Noch extremer sieht es bei den Bremsleitungen aus: W213 mängelfrei, W 212 doppelt bis 12-fach schadhafter (Korrosion!) als im Mittel. Die Bremsschläuche aller Jahrgänge sind hinreichend haltbar, ebenso die Bremsscheiben, die bei der HU unterdurchschnittlich oft verschlissen sind.
Umwelt
Ölverlust wird am W 213 in Maßen, am Vorgänger häufiger beanstandet. Mit der AU tun sich vor allem E-Klassen mittleren Alters schwer. Defekte Abgasanlagen finden die TÜV-Prüfer am W213 so gut wie nie, am W 212 seltener als im Schnitt.
Fazit
Wer eine E-Klasse will, sollte sich auf den Typ W213 fokussieren. Der ist jünger und darum erst mal teurer, nach aktuellem Stand aber auch weniger anfällig als der Vorgänger – was ihn am Ende womöglich zum günstigeren Angebot macht. Gut im Blick haben sollte man stets die Achsaufhängungen. Am W212 sind zudem die Feststellbremse und die Bremsleitungen große Themen.
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