Mercedes EQB: Gebrauchtwagen-Test
Das hat der gebrauchte Mercedes EQB zu bieten

Vollelektrisch und mit massig Platz lockt der Mercedes EQB. Neu war er einst teuer, doch gebraucht findet man ihn jetzt für unter 25.000 Euro.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Für den Einstieg in die vollelektrische Familienmobilität gibt es von Mercedes seit 2021 den EQB (Baureihe 243). Gebaut im ungarischen Werk Kecskemét, positioniert sich das kompakte E-SUV bewusst unterhalb der großen EQ-Modelle. Er will kein Technik-Flaggschiff sein, sondern ein alltagstauglicher Alleskönner.
Seine konstruktive Basis ist der kernige GLB. Und viele der Stärken wurden von ebendiesem Verbrenner-Modell übernommen. Clevere Raumausnutzung und ein klarer Fokus auf Funktionalität sind Kern des Konzepts, das sich an bewusst praktisch denkende SUV-Kunden richtet. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt punktet der EQB damit trotz teils sehr ambitionierter Premium-Neupreise, weil er weniger experimentell wirkt als etwa die extrem runden großen EQ-Limousinen.
Praktisches Raumwunder für den Alltag
Das ist er: Formal bleibt der 4,68 Meter lange und 1,69 Meter hohe EQB auf Augenhöhe mit dem GLB: Er wirkt betont aufrecht, seine Silhouette erinnert sogar ein wenig an ein günstiges GLS-Modell fürs Volk. Die EQ-typische Black-Panel-Front und die durchgehenden Lichtbänder setzen eigenständige elektrische Akzente, ohne den funktionalen Charakter zu gefährden. Genau daraus entsteht seine besondere Stellung. Der EQB will kein abgehobenes E-Statement sein, sondern als praktisches Raumwunder und mit Allrad-Option gerüstet bei verschiedensten Alltagsaufgaben glänzen.

Die Seitenansicht verrät, dass der EQB ein echtes Raumwunder ist.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Im geräumigen Innenraum trifft bekannte Mercedes-Architektur auf digitale Ergänzungen. Das MBUX-System mit Doppeldisplay und Touchpanel ist serienprägend, die Bedienung wirkt vertraut, die Materialqualität nicht sonderlich edel, aber für diese Fahrzeugklasse solide. Definitiv zu spüren: der Respektabstand zu den größeren Mercedes-Baureihen. Top im Alltag sind die SUV-typisch hohe Sitzposition, die große Beinfreiheit im Fond und der klare Charakter. Der EQB will funktionieren, weniger mit Showelementen beeindrucken.
Technische Daten
EQB 250 | EQB 300 4Matic | EQB 350 4Matic | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM/hinten | ASM vorn/PSM hinten | ASM vorn/PSM hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Dauerleistung | 111 kW (151 PS) | 139 kW (189 PS) | 139 kW (189 PS) |
Spitzenleistung | 140 kW (190 PS) | 168 kW (228 PS) | 215 kW (292 PS) |
Drehmoment | 385 Nm | 390 Nm | 520 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h | 160 km/h |
0–100 km/h | 8,9 s | 8,0 s | 6,2 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 66,5 kWh (netto)/Strom | 66,5 kWh (netto)/Strom | 66,5 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Vorderrad | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Allrad | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4684/1834/1691 mm | 4684/1834/1691 mm | 4684/1834/1691 mm |
Kofferraumvolumen | 495-1710 l | 405-1710 l | 405-1710 l |
Leergewicht/Zuladung | 2110/410 kg | 2175/405 kg | 2175/405 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1400/750 kg | 1700/750 kg | 1700/750 kg |
Bei der Ausstattung ein typischer Mercedes
Das hat er: Kernkompetenz des EQB ist sein Innenraumkonzept. Er ist eines der ganz wenigen Elektro-SUV, das faire Gebrauchtpreise und viel Transport- sowie Familiensinn miteinander vereint. Die Sitzbank in der zweiten Reihe ist verschiebbar, was bei sperrigem Ladegut ein Gamechanger sein kann.
Stark und im Segment eine Seltenheit ist die optionale dritte Sitzreihe. Mit ihr wird der EQB zum Siebensitzer, auch wenn die hintersten Plätze mit einem Mitfahrer-Größenlimit von 1,65 Metern eher als Familientaxi für Kinder gedacht sind. Der Kofferraum ist mit 495 Liter Volumen und einer hoch öffnenden Heckklappe im Fünfsitzerbetrieb praxisgerecht, umgeklappt stehen bis unters Dach sogar 1710 Liter zur Verfügung. Bei aufgeklappter dritter Reihe schrumpft das Ladevolumen jedoch naturgemäß deutlich.

Progressive Ausstattung mit manuellen Artico-Teilledersitzen. Der Qualitätseindruck ist für ein ehemaliges 60.000-Euro-Auto nüchtern.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Sitze selbst erweisen sich als komfortabel, wenn auch etwas straffer abgestimmt als in größeren Mercedes-Modellen. Optionen wie elektrische Verstellung, Sitzheizung oder Memory waren bestellbar, Multikontursitze blieben insgesamt selten. Bei der Ausstattung zeigt sich der EQB als ein typischer Mercedes. Die Ausstattungen gliedern sich aufsteigend in Progressive, Electric Art und AMG Line sowie Edition 1.
Vieles war ab Werk möglich, in Serie verbaut wurde jedoch trotz gesalzener Listenpreise eher das Nötigste. Pluspunkte sind das MBUX, die soliden Assistenzsysteme, die moderne Lichttechnik und die Wärmepumpe, die insbesondere im Winter größeren Einfluss auf die Effizienz hat. Gern geordert wurde das empfehlenswerte Advanced-Paket.
Wichtig bei der Suche nach dem passenden Gebrauchten ist ein Blick auf Details. Tech-Goodies wie ein Head-up-Display für den Fahrer oder eine induktive Ladeschale, das riesige Panoramadach oder das 360-Grad-Kamerasystem zum Rangieren fehlen häufig. Lohnt ein besonders neues Modell? Das 2024er Facelift wurde geringfügig effizienter, trägt eine überarbeitete Front mit Sterneninlay in der Frontmaske, bietet außerdem neue Felgen und Farben.
Realistisch sind 300 bis 350 Kilometer einplanbar
So fährt er: Angeboten wurde der EQB als 250 mit Frontantrieb, als EQB 300 sowie als 350 4Matic mit zwei Motoren und Allrad. 400-Volt-Technik ist Standard, die Antriebe kennt man so auch vom EQA. Die Leistungsspanne reicht von rund 190 bis 292 PS, wobei die stärkeren Varianten spürbar souveräner wirken und mehr Durchzug bieten, während die Fronttriebler für Pendler die Wahl der Vernunft sind. Wer Wert auf Abrollkomfort legt, sollte schicke 20-Zoll-Räder im AMG-Design meiden und den straff abgestimmten EQB mit 18 Zoll wählen. Dann stellt sich bei intakten Fahrwerkslagern eine gewisse Geschmeidigkeit ein.

Das durchgehende Leuchtenband und ein nach unten versetztes Nummernschild unterscheiden den EQB optisch klar vom GLB.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Lithium-Ionen-Batterien fassen 66,5 bis 70,5 kWh Energie. Daraus ergeben sich im Neuzustand WLTP-Reichweiten von bis zu 506 Kilometern beim EQB 250+, im Alltag sind jedoch realistisch eher zwischen 300 und 350 Kilometer einplanbar. Sparer können per Reichweitenüberwachung Touren optimal planen. Die 4Matic-Allradversionen sind in der Regel teurer und verbrauchen etwas mehr Strom. Geladen wird maximal mit moderaten 100 kW am DC-Lader, mit nur 7 kW am AC-Lader. Das ist gemessen an aktuellen Standards gewiss kein Spitzenwert, aber dank konservativer Ladekurven ausreichend für planbare Urlaubs-Langstrecken mit der Familie.
Lohnt ein junger Gebrauchter? Echte Pluspunkte des 2024er EQB-Facelifts sind eine Plug-and-Charge-Ladeoption, verbesserte Fahrassistenten sowie eine caravantaugliche Anhängerkupplungsoption (1400 bis 1700 Kilogramm maximale Anhängelast).
Stärken
- Tolles Raumangebot
- Optional sieben Sitzplätze
- Guter Qualitätseindruck
Schwächen
- Nur mäßige Reichweiten
- Eher geringes Ladetempo
- Fein ausgestattet relativ teuer
Auf vollständige Servicehistorie achten
Das macht Ärger: Mercedes bietet zwei Jahre Neuwagengarantie (optional verlängerbar) und stolze 30 Jahre Garantie auf den Durchrostungsschutz. Auf die Hochvoltbatterie gibt es klassenübliche acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie (SoH-Wert mindestens 70 Prozent). Ein kritisches Thema betrifft den Hochvolt-Energiespeicher. Im Februar 2026 teilte Mercedes mit, dass man aufgrund von Brandgefahr bei 4677 zwischen 2021 und 2024 gebauten EQA und EQB den Akku tauschen müsse, nachdem man zunächst ein Softwareupdate als Lösung angestrebt hatte.
Für Gebrauchtwageninteressenten bedeutet das vor allem eines: Die Servicehistorie sollte vollständig sein, und Rückrufaktionen müssen nachweislich abgearbeitet worden sein (Mercedes informiert die Halter, das Kraftfahrt-Bundesamt überwacht die Maßnahme). Nutzer berichten vereinzelt von niedrigen DC-Ladegeschwindigkeiten zwischen 45 und 60 kW, von softwarebedingten Ladeabbrüchen oder einer überempfindlichen Sensorik der Assistenzsysteme. Auch die 12-Volt-Batterie kann nach längeren Standzeiten schwächeln, was dann häufig zu sogenannten Phantomfehlern führt. Beim KBA sind insgesamt neun Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 20,8 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 220-700 Euro |
Haftpflicht (17)* | 735 Euro |
Teilkasko (23)* | 934 Euro |
Vollkasko (21)* | 1403 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d) | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 23.506 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 404 Euro |
E-Motor | 6907 Euro |
Antriebswelle v. | 1373 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 652 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1368 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 717 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1571 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension235/55 R 18 104T) | 750 Euro |
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