Mercedes GLE (V 167): Gebrauchtwagen-Test
SUV-Klassiker auch gebraucht noch Chefsache?

Mercedes GLE (V 167) von 2021 für 33.980 Euro im Gebrauchtwagencheck. Wäre der SUV-Klassiker der Stuttgarter Traditionsmarke eine gute Wahl?
Bild: Christoph Börries
Groß, schwer und luxuriös. Und trotzdem halbwegs effizient? Diesen automobilen Widerspruch wollte Mercedes beim GLE ab 2019 zumindest teilweise auflösen. Das große SUV bekam neben recht sparsamen Dieseln und elektrifizierten Benzinern erstmals einen Plug-in-Hybridantrieb verpasst, der mit üppig dimensioniertem Akku relevante Strecken stromern können sollte.
Das passte zum Zeitgeist: einerseits ein Fünf-Meter-Auto mit reichlich Komfort, trotzdem der Wille, ein bisschen nachhaltig zu sein. Heute wird genau dieses Konzept langsam, aber sicher für Normalos erschwinglicher. Ein billiges Vergnügen ist es deshalb jedoch noch lange nicht.
Innen zeigt der GLE seine ganze Größe
Das ist er: Seit 2019 läuft der GLE (intern V 167) im US-Werk Tuscaloosa vom Band. Fast drei Meter Radstand schaffen innen luxuriöse Verhältnisse, außen ist der GLE mit 4,93 Meter Länge und fast zwei Meter Breite ein voll ausgewachsenes Oberklasse-SUV. Das geschwungene Cockpit dominieren zwei 12,3-Zoll-Displays, darunter thronen vier markante Lüftungsdüsen über der Breitbau-Mittelkonsole. Der Fond bietet viel Platz, optional war teils eine dritte Sitzreihe lieferbar. Beim Plug-in-Hybrid kostet die Batterie jedoch etwas Stauraum: Der 350 de kommt auf 490 bis maximal 1915 Liter, bleibt damit einen Hauch hinter den konventionellen Varianten zurück.

Sieben Jahre am Markt, wirkt der GLE noch immer frisch.
Bild: Christoph Börries
Die richtigen Extras machen den Unterschied
Das hat er: Ordentlich konfiguriert fühlt sich ein GLE nach souveräner Oberklasse an. Verschiedene Lines und Designpakete erleichterten die Individualisierung. MBUX-Infotainment, Klimaautomatik, elektrische Heckklappe und LED-Licht sind in dieser Liga eher Standard. Besonders und empfehlenswert sind Multibeam-LED-Lichtsystem, 360-Grad-Kamera und das Fahrassistenz-Paket. Denn bei knapp zwei Meter Breite sind Kameras und Sensoren keine Gimmicks, sondern wertvolle Alltagshilfen.

Gediegene Cockpitlandschaft mit zwei 12,3-Zoll-Displays. Viele Finessen gab es nur gegen Aufpreis.
Bild: Christoph Börries
Auch ein Upgrade der Sitze zahlt sich gebraucht aus, denn das Artico-Kunstleder altert nicht so schön wie die optionalen Lederpolster Rough und Nappa. Die Multikontursitze passen prima zum Charakter eines individuellen Reisewagens, die diversen optionalen Interieur-Zierelemente sind dagegen reine Geschmackssache. Beim Fahrwerk ist das Airmatic-Luftfahrwerk die wohl stimmigste Wahl. Das E-Active-Body-Control-System ist auf dem Papier spektakulärer, erhöht aufgrund der Komplexität das Reparaturrisiko im Alter.
Technische Daten
GLE 350 e | GLE 350 de | GLE 400 d | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder-PHEV/vorn | Vierzylinder-PHEV/vorn | Sechszylinder/vorn |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1991 cm³ | 1950 cm³ | 2925 cm³ |
Systemleistung/Leistung | 245 kW (333 PS) bei 5500/min | 235 kW (320 PS) bei 3800/min | 243 kW (330 PS) bei 3600/min |
Systemdrehmoment/Drehmoment | 700 Nm bei 1200/min | 700 Nm bei 1600/min | 700 Nm bei 1200/min |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h | 210 km/h | 245 km/h |
0–100 km/h | 6,9 s | 6,8 s | 5,7 s |
Tank/Kraftstoff | 65 l/Super + 31,2 kWh/Strom | 65 l/Diesel + 31,2 kWh/Strom | 85 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | 9-Stufen-Automatik/Allrad | 9-Stufen-Automatik/Allrad | 9-Stufen-Automatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4924/1947/1772 mm | 4924/1947/1772 mm | 4924/1947/1772 mm |
Kofferraumvolumen | 490-1915 l | 490-1915 l | 630-2055 l |
Leergewicht/Zuladung | 2605/605 kg | 2655/605 kg | 2265/805 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 2700/750 kg | 2700/750 kg | 2700/750 kg |
Noch wichtiger als die einst stark preistreibenden Sonderausstattungen ist jedoch eine belegbare Historie. Immer wieder gab es Service- und Rückrufaktionen, die oft geleasten Exemplare (Geschäftswagenquote jenseits der 75 Prozent) wurden in jungen Jahren jedoch meist lückenlos gewartet. Kritisch können im Besonderen Importe aus Südeuropa und den USA (Carfax checken!) sein.
Die Antriebspalette lässt kaum Wünsche offen
So fährt er: Sehr souverän. Die Antriebspalette ist enorm breit. Vernünftiger Einstieg ist der GLE 300 d mit 245 PS und 500 Nm. Unter Last klingt der Vierzylinder wenig nobel, überzeugt aber mit moderatem Verbrauch. Gelassener sind GLE-Diesel als Dreiliter-Reihensechszylinder (OM 656): 350 d mit 272 PS und 600 Nm, 400 d mit 330 PS und 700 Nm. Sie sind laufruhig, kräftig und auf Langstrecke recht effizient.

Lenkgelenke und Reifen verschleißen durch das hohe Gewicht oftmals zügig.
Bild: Christoph Börries
Technisch spannend sind die Plug-in-Hybride. Der GLE 350 e bietet 333 PS Systemleistung, kombiniert 211-PS-Benziner und 136-PS-E-Motor. Alternative ist der GLE 350 de: Ein 194-PS-Diesel arbeitet mit einem 136-PS-E-Motor zusammen. Die Systemleistung beträgt 320 PS. Der LithiumIonen-Akku ist üppige 31,2 kWh groß, dadurch sind theoretisch knapp 100 Kilometer elektrisch möglich. Optional war ein 60- kW-DC-Lader erhältlich. Dieses Paket wirkt bis heute schlüssig: im Alltag elektrisch, auf Langstrecke mit Diesel. Und offensichtlich haltbar. Bei unserem Testwagen ergab der Aviloo-Test nach 177 368 Kilometern noch 96,1 Prozent Restkapazität für den HV-Akku.
Als Benziner gibt der GLE 450 4Matic den feinen Allrounder. Sein Dreiliter-Sechszylinder leistet 389 PS. Er läuft samtig, verlangt aber Kraftstoffzuschlag. Enorm potent sind der GLE 580 4Matic mit 511-PS-V8 und die AMG-Varianten GLE 53 mit 457 PS und GLE 63 S mit bis zu 634 PS. Sie beeindrucken, sind gebraucht aber nur realistisch, wenn man die hohen Folgekosten für Sprit, Reifen, Bremsen und Wartung stemmen kann und will.
Unabhängig vom Motor ist der GLE ein feines Reiseauto mit hoher Zuladung. Mit Airmatic gleitet er souverän über lange Wellen, die Lenkung arbeitet leicht und präzise. Mit optionalem Akustik-Komfort-Paket ist das Geräuschniveau sehr gering, Anhängelasten über 2,5 Tonnen machen Hängerfahrer glücklich.
Stärken
- Starkes PHEV-Konzept
- Toller Reisewagen
- Breites Antriebsportfolio
Schwächen
- Etwas angestrengtes Basistriebwerk
- Komplexe Technologielösungen
- Hohe Unterhaltskosten
Nicht alles bleibt im Alter sorgenfrei
Das macht Ärger: Mercedes bietet zwei Jahre Neuwagengarantie und 30 Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Besonders frühe W 167 zeigen häufiger vielfältige Elektronik- und Verarbeitungsprobleme. Typisch sind gestörte MBUX-Systeme, schwarze oder spät startende Displays, Kamerafehler und sporadische Fehlermeldungen. Verkehrszeichenerkennung und Assistenzfunktionen arbeiten nicht immer sauber.
Auch häufig: Windgeräusche an A-Säule, Frontscheibe und Türen. Die hohe Masse belastet die Lenkgelenke. Bremsscheiben prüfen, beim Fahrwerk auf Poltern achten. Airmatic-Fahrzeuge sollten auch nach längerer Standzeit gerade stehen. Teuer können Ölleckagen am Antrieb werden, die bei höheren Laufleistungen ein Thema sein können. Beim KBA sind für den GLE 29 Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,1 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 18 g/km |
Inspektion | 450-1200 Euro |
Haftpflicht (23)* | 1076 Euro |
Teilkasko (25)* | 1429 Euro |
Vollkasko (26)* | 2334 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 190 Euro |
Ersatzteilpreise*
Turbolader | 5473 Euro |
|---|---|
HV-Batterie (komplett) | 16.258 Euro |
Wasserpumpe | 1307 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 1010 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1815 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1025 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2935 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 275/55 R 19 W) | 900 Euro |
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