Mercedes R-Klasse: Gebrauchtwagen-Test
Lohnt sich die gebrauchte Mercedes R-Klasse?

Bild: Kai-Uwe Knoth
Für die Erfolgsspur war sie rückblickend eine Nummer zu groß. Als Mercedes 2005 die R-Klasse (Baureihe 251) lancierte, staunte die angepeilte deutsche Kundschaft nicht schlecht. Nicht nur ob des eigenwilligen Frontdesigns, sondern wegen des schieren Formats.
Das im US-Werk in zwei Radständen gebaute Crossover-Modell sprengte mit 4,92 bis 5,15 Meter Länge hierzulande gängige Dimensionen und wollte gleichzeitig als veritabler Luxuslimousinen- und SUV-Ersatz akzeptiert werden. Eben dieses Konzept war damals leider seiner Zeit noch zu weit voraus und sorgte hierzulande in Verbindung mit Neupreisen auf Luxusklasse-Niveau für überschaubare Verkaufszahlen.
Die R-Klasse bietet reichlich Komfort für die Familie
Das ist er: ein schwäbischer Nonkonformist mit amerikanischem Akzent. Auf der gleichen technischen Basis wie die zweite M-Klasse-Generation (Baureihe 164) lief die R-Klasse im Werk Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama vom Band. Unser Testwagen stammt von der auf gebrauchte Mercedes spezialisierten Firma R&R Automobile in Burgdorf bei Hannover. Der R 350 CDI mit langem Radstand und 211.339 Kilometern soll noch 9000 Euro kosten.

Optisch erinnert die R-Klasse an eine übergroße B-Klasse. Das Konzept war damals einzigartig.
Bild: Kai-Uwe Knoth
Dem XL-Innenraum merkt man an, dass er einst primär zahlungskräftige US-Kunden ansprechen sollte. Je nach Konfiguration ist die R-Klasse Luxuslimousine oder gediegener Familientransporter. In erhabener Höhe montiert, gab es in der ersten und zweiten Reihe Einzelsessel mit First-Class-Komfort. Oder wie bei unserem Fotofahrzeug eine dreigeteilte Rückbank. Optional waren außerdem zwei weitere Klappsitze in Reihe drei lieferbar. Wem der Kofferraum zu klein ist, dem kann eigentlich nur noch mit einer V-Klasse geholfen werden.
Wie steht es um die Qualität? Oberflächen und Lederpolster altern okay, entsprechen jedoch nicht ganz dem Standard der europäischen Limousinenbaureihen. Verschleiß wird bei hohen Laufleistungen gern oft zuerst an rissigen Kunstlederapplikationen sichtbar. Praktisch sind die zahlreichen Ablagemöglichkeiten und der Automatikwählhebel am Lenkrad.
Technische Daten
Technische Daten | R 300 CDI | R 350 CDI L 4matic | R 500 L 4matic |
|---|---|---|---|
Motor | V6/vorn längs | V6/vorn längs | V8/vorn längs |
Ventile/ Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
Hubraum | 2987 cm³ | 2987 cm³ | 5461 cm³ |
Leistung | 140 kW (190 PS) bei 4000/min | 195 kW (265 PS) bei 3800/min | 285 kW (388 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 440 Nm bei 1400/min | 620 Nm bei 1600/min | 530 Nm bei 2800/min |
Höchstgeschw. | 215 km/h | 235 km/h | 250 km/h |
0–100 km/h | 9,5 s | 7,7 s | 6,3 s |
Tank/Kraftstoff | 80 l/Diesel | 80 l/Diesel | 80 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Siebenstufenautomatik/Hinterrad | Siebenstufenautomatik/Allrad | Siebenstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4922/1922/1674 mm | 5157/1922/1674 mm | 5157/1922/1674 mm |
Kofferraumvolumen | 550-1950 l | 633-2385 l | 550-1950 l |
Leergewicht/Zuladung | 2185/655 kg | 2295/615 kg | 2265/655 kg |
In dieser Preisklasse gibt's kaum Besseres
Das hat er: die Talente eines automobilen Zehnkämpfers. Als luxuriöser Langstrecken- und Pampersbomber gibt es zu ähnlichen Preisen gebraucht kaum Besseres. Die erhöhte Sitzposition entspricht der eines SUV. Wer trotz hoher Listenpreise als Neuwagenbesteller noch Budget übrig hatte, konnte die R-Klasse hemmungslos aufrüsten. Am Markt finden sich unterschiedliche Innenraumfarben und Dekore sowie exklusive Details. Die Optionen reichten von AMG-Paketen über Nappalederbezüge, Schiebe- und Panoramadächer, Airmatic-Luftfahrwerke, Fond-Infotainmentsysteme sowie wuchtige 20- oder auch 21-Zoll-Räder.

Cockpit im Stil der zweiten M-Klasse: logisch bedienbar, optisch jedoch in die Jahre gekommen.
Bild: Kai-Uwe Knoth
Viel wichtiger ist im Alter allerdings, dass diese Flut an Extras nicht nur verbaut, sondern auch intakt ist. Zwar gibt es etliche Schlachtfahrzeuge am Markt, doch für originale Mercedes-Neuteile werden standesgemäß Premiumpreise fällig. Und spätestens hier merkt man dann sehr deutlich, dass die R-Klasse einst primär für Gutverdiener und Genießer konstruiert wurde.
Nur die CDI schaffen einstellige Verbräuche
So fährt er: Zum souveränen Gleiten eignen sich bereits die Sechszylinder vorzüglich, insofern die Achsaufhängungen intakt sind. Faszinierend sind der bärige R 500 und der ultrarare R 63 mit ihren mächtigen V8-Benzinern (306 bis 510 PS). Sie gehen noch heute besser als manch große Business-Limo.

Kurven meistert die R-Klasse sicher, jedoch spürt man das hohe Gewicht und die üppigen Abmessungen.
Bild: Kai-Uwe Knoth
Einstellige Verbräuche sind nur mit den CDI und mit zurückhaltendem Gasfuß möglich. Achtung: Euro-4- und Euro-5-CDI können regional mit Fahrverboten belegt sein. Eher einen Traktionsgewinn als Geländetauglichkeit bieten die Allradvarianten gegenüber dem für die Basismotorisierungen verfügbaren Hinterradantrieb.
Gefällt uns
- Tolles Platzangebot
- Variables Raumkonzept
- Komfortniveau beeindruckend hoch
Gefällt uns nicht
- Hohe Fixkosten
- Etliche Exemplare mit Wartungsstau am Markt
- Im Detail mehrere Qualitätsmängel
Eine solide Wartungshistorie ist empfehlenswert
Das macht Ärger: Ab Werk spendierte Mercedes zwei Jahre Neuwagengarantie sowie 30 Jahre Durchrostungsschutzgarantie bei Einhaltung aller Wartungsintervalle. Aufgrund ihrer Komplexität sind Fahrzeuge mit solider Wartungshistorie empfehlenswert. Beim Vorfaceliftmodell vergilben oftmals die Scheinwerfer. Melden ESP und ABS einen Fehler, ist meist ein ABS-Sensor an der Hinterachse defekt.
Das optionale Luftfahrwerk hält bei Leckagen keinen Druck mehr, oder der Kompressor fällt aus. Teils knarrt die Lenkung. Windgeräusche werden durch ausgehärtete Türdichtungen begünstigt. Die Mechanik des Panoramadachs ist sensibel. Die CDI-Diesel neigen bei hohen Laufleistungen zu Ölverlust. Bei den nicht seltenen Rostproblemen an Türen und Heckklappe zeigt Mercedes sich erfreulich kulant. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind insgesamt acht Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 9,2 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 223 g/km |
Inspektion | 400-900 Euro |
Haftpflicht (23)* | 958 Euro |
Teilkasko (24)* | 1142 Euro |
Vollkasko (25)* | 1930 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 5) | 511 Euro |
Ersatzteilpreise
Lichtmaschine | 1524 Euro |
|---|---|
Anlasser | 759 Euro |
Wasserpumpe | 820 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 757 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1482 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 776 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2900 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 175/65 R15 84H) | 750 Euro |
Service-Links






























