Mercedes SLR McLaren FAB Design Desire Roadster (2007): Gebrauchtwagen
Dieses Ungetüm war einmal ein Mercedes SLR

Bild: Courtesy of RM Sotheby'
Mercedes SLR McLaren, Ferrari Enzo und Porsche Carrera GT – sie waren DAS Supersportwagen-Trio der frühen 2000er-Jahre. Und während die Preise von Carrera GT und Enzo mittlerweile in astronomische Höhen abgedriftet sind, ist der SLR so etwas wie das schwarze Schaf des Dreigespanns. Die Preise für normale Coupé oder Roadster rangieren noch immer unter dem einstigen Neupreis von 452.200 Euro.
Fairerweise muss an dieser Stelle aber auch angemerkt werden, dass vom SLR (2157 Stück) im Vergleich zu Carrera GT und Enzo deutlich mehr Exemplare gebaut wurden. Außerdem gibt es auch Ausnahmen wie die Sondermodelle 722 Edition, 722 S und vor allem der auf 75 Stück limitierte SLR Stirling Moss, die mittlerweile echte Sammlerstücke sind.
Der gemeinsam mit McLaren konzipierte SLR war ab 2003 die Speerspitze im Mercedes-Portfolio, und dennoch soll es Kunden gegeben haben, denen der Supersportwagen nicht extrem genug war. Diese Kunden hatten damals nur wenige Optionen, denn kaum ein Tuner traute sich, den knapp 500.000 Euro teuren SLR zu modifizieren. Bedenken, die Roland Rysanik nicht hatte.
Rysanik gründete 1997 FAB Design, ein Tuning-Unternehmen aus der Schweiz, das vor allem in den 2000er-Jahren mit wilden Widebody-Umbauten und spektakulären Flügeltür-Monstern auf sich aufmerksam machte. Die Komplettfahrzeuge, oft auf Mercedes-Basis, sind alles andere als dezent – was auch erklärt, warum ein Großteil der Autos in den arabischen Raum verkauft wurde.

Dezent ist anders: Der FAB Design Desire Roadster ist nichts für Leisetreter.
Bild: Courtesy of RM Sotheby'
So auch der hier gezeigte SLR Roadster FAB Design Desire, der im Dezember 2024 vom Auktionshaus RM Sothebys in Dubai versteigert wird. Hierbei handelt es sich um die Nummer 00/15 und das ehemalige Showfahrzeug von FAB Design, das noch im Jahr der Erstauslieferung 2007 in der Schweiz zum Desire umgebaut wurde.
Einmal alles neu
Die Ausgangsbasis war einst ein SLR Roadster in der Außenfarbe "Crystal Animon Grey" mit rotem Stoffverdeck. Nach dem aufwendigen Umbau bei FAB Design ist die Ausgangsbasis jedoch nur noch in den Grundzügen erkennbar. Flapsig ausgedrückt ist der Desire ein SLR auf Speed, denn es blieb praktisch kein Teil unangetastet.

Alles neu: Auch das gesamte Interieur wurde von FAB Design auf links gekrempelt.
Bild: Courtesy of RM Sotheby'
Durch das Carbon-Bodykit wächst der SLR nicht nur in die Breite, er wird auch deutlich kantiger, was vor allem an der Front auffällig ist. Damit die breiten Radhäuser ordentlich ausgefüllt sind, mussten die charakteristischen Turbinenfelgen (19 Zoll) weichen. An deren Stelle montierte FAB Design sogenannte Evoline-Schmiedefelgen in 20 Zoll mit einem Felgenstern im Carbonlook und einem weißen Felgenbett. Die Bremssättel in Orange sorgen für einen kleinen Farbtupfer am ansonsten schwarz/weiß gehaltenen SLR.
In der Schweiz wurde der Roadster mattweiß lackiert und dazu passend das gesamte Interieur in einem Mix aus weißem und im Carbonlook gehaltenen Leder neu bezogen. Abgerundet wird der überarbeitete Innenraum von Carbonakzenten, einem neu aufgepolstertem Lenkrad mit weißem Pralltopf und Diamond Stitching im Schwellerbereich. Da ein rotes Dach nicht zum Farbkonzept gepasst hätte, wurde auch dieses kurzerhand in schwarzem Stoff neu gesattelt.
750 PS und 1080 Nm
FAB Design beließ es jedoch nicht nur bei optischen Modifikationen. Auch wenn ein normaler SLR mit 626 PS und 780 Nm alles andere als untermotorisiert erscheint, sah Rysanik noch Potenzial im V8-Kompressor. Das Ergebnis: Im Desire stehen 750 PS und 1080 Nm bereit. Kurios ist, dass der Leistungszuwachs mit 124 PS und satten 300 Nm zwar sehr hoch ausfällt, sich dieser in den Fahrleistungen jedoch nicht wirklich widerspiegelt. Für den Sprint von 0 bis 100 km/h benötigt der Desire 3,6 Sekunden, was einer Verbesserung von zwei Zehntelsekunden gegenüber dem normalen SLR entspricht. Beim Topspeed ist der getunte SLR mit 310 km/h sogar deutlich langsamer als das Basisauto, was vermutlich am monströsen Bodykit liegt.

Schwarz und weiß: Optional bot FAB Design sogar noch einen Heckflügel für den Desire an, den dieses Exemplar jedoch nicht bekam.
Bild: Courtesy of RM Sotheby'
Und genau hier liegt das Problem: Man wird den Eindruck nicht los, dass es beim FAB Design SLR Desire nur um die Show geht. Die allerdings beherrscht der getunte SLR dafür perfekt – durch die Schmetterlingstüren, das opulente Bodykit oder die spektakuläre Abgasanlage mit drei Sidepipes pro Seite.
Nur 13.294 Kilometer auf dem Tacho
Wer auf der Suche nach einem extrem auffälligen Supersportwagen ist, der die meisten Lamborghini und Ferrari optisch in den Schatten stellt, für den könnte der SLR FAB Design Desire genau das richtige Auto sein. Seit Juli 2019 befindet sich das Auto in Qatar und wird mit aktuell nur 13.294 Kilometern auf dem Tacho versteigert.
Günstiger als ein normaler SLR Roadster
Nummer 00/15 (wobei zumindest bezweifelt werden darf, dass wirklich 15 SLR Desire gebaut wurden) wird vom Auktionshaus mit einem Schätzpreis von umgerechnet 235.000 bis 280.000 Euro (250.000 bis 300.000 US-Dollar) angeboten. Damit wäre der getunte SLR preiswerter als der günstigste SLR Roadster in Deutschland, für den aktuell 309.900 Euro aufgerufen werden. Das zeigt einmal mehr, dass der alte Leitspruch, dass Tuning beim Wiederverkauf nicht bezahlt wird, immer noch Gültigkeit hat.
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