Wenn die Reiseplanung abwegig wird und die staunende Umwelt von Abenteuern spricht, steigt das Interesse an einem Allrad-Reisemobil. Nein, kein Kastenwagen mit nachgerüstetem Vierradantrieb, sondern ein richtiger Steinbeißer. Einem wie dem Unimog, der Generationen von Weltenbummlern als Basisfahrzeug diente. Gelände-Eigenschaften, Durchhaltevermögen und Robustheit der aus dem Vollen geschnitzten Allzweckgeräte sind legendär.

Betonte Zweckmäßigkeit im Innenraum

Mercedes U 1300 L mit Wohnkoffer
Trist: Die Dinette transportiert den Charme einer altbundesrepublikanischen Arrestzelle.
Das ist er: Eine Trutzburg für Abenteurer, die vor der Abreise ein kleines Vermögen ausgeben können. Das gilt nicht nur für neue oder junge Unimog-Modelle: Selbst ein Gebrauchter wie unser U 1300 L von 1984 kostet 30.000 Euro. Im ersten Leben hat er bei der Bundeswehr gedient, ab 2002 war er als Reisemobil unterwegs. Jetzt steht er bei einem Händler in Niedersachsen. Das hat er: Der markante Kofferaufbau verrät noch immer den einstigen Sanitätswagen, trägt jedoch eine nachträgliche Alkovenerweiterung für zwei Schlafplätze über dem Fahrerhaus. Der Innenausbau ist betont zweckmäßig gehalten. Grau furnierte Möbel und strapazierfähige Oberflächen mit sauberen Passungen zeugen aber immerhin von sorgfältigem Handwerk. Neben den beiden Schlafplätzen im Alkoven bietet die Dinette zwei zusätzliche Ruheplätze, dann wird es aufgrund begrenzter Staumöglichkeiten jedoch sehr eng an Bord.

Abseits befestigter Straßen ist der Unimog nicht zu halten

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Mercedes U 1300 L mit Wohnkoffer
Hochparterre: Der Kabinenboden liegt gut 130 cm erhöht, die Wattiefe beträgt einen Meter.
So fährt er: Im Lastenheft der Unimog-Entwickler stand einst Ankommen ganz oben. Von Fahrkomfort war nicht die Rede: Oldtimerfans werden sich hinterm großen, dürren Lenkrad am wohlsten fühlen. Der 7,5-Tonner nimmt trotz 5,6 Liter Hubraum nur gemächlich Fahrt auf, die kurze Übersetzung macht Autobahnfahrten zur Nervenprobe. Abseits befestigter Straßen ist der alte Kämpfer dafür nicht zu stoppen: Ein Unimog erreicht Ziele, von denen andere Reisemobilisten nur träumen können. Zutaten wie Leiterrahmen, Portalachsen und Zuschaltallrad mit Sperren ermöglichen eine wahnwitzige Steigfähigkeit bis zu 70 Prozent. Doch vorher muss der neue Besitzer investieren: Nur Asketen werden neuzeitliche Ausstattungsdetails wie Klimaanlage und Solarsystem nicht vermissen. Ein Wasserschaden und die unzureichende Isolierung des Koffers verlangen akut nach Zuwendung.

Fazit

Wer die entlegensten Winkel der Welt im Reisemobil erkunden will, fährt im Unimog richtig. Aber halbwegs bezahlbar werden diese Alleskönner erst im Alter. Wichtig ist eine sauber dokumentierte Vorgeschichte, denn abgerockte Exemplare gehen böse ins Geld. Urteil: drei von fünf Punkten.