Daimler und BMW: Automatisiertes Fahren

Autonomes Fahren

Mercedes und BMW: automatisiertes Fahren

Daimler/BMW: Zusammenarbeit besiegelt

Daimler und BMW haben ihre Zusammenarbeit beim automatisierten Fahren besiegelt. Von der neuen Allianz könnten zunächst Mercedes S-Klasse und BMW iNext profitieren!
(dpa/Reuters/cj) Daimler und BMW ist das Thema automatisiertes Fahren derart wichtig, dass sich die Konkurrenten zusammentun. Die beiden Autokonzerne besiegelten am 4. Juli 2019 mit einem Vertrag ihre Kooperationspläne für diesen Bereich. Ziel sei die gemeinsame Entwicklung der nächsten Technologie-Generation für Fahrassistenzsysteme und automatisiertes Fahren auf Autobahnen sowie automatisierte Parkfunktionen. Ab dem Jahr 2024 sollen entsprechende Systeme in Pkw für Privatkunden verfügbar sein.

Automatisiertes Fahren in Stufen

Stufe 0: Driver only

Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- und Querführung aus. Kein eingreifendes Fahrzeugsystem aktiv. Heißt: Der Fahrer macht alles alleine. Er fährt, lenkt, bremst, gibt Gas und achtet auf seine Umgebung. Das Fahrzeug unternimmt keinerlei Eingriffe bzw. hat dafür keine technischen Voraussetzungen.

Stufe 1: Assistent

Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- oder Querführung aus. System übernimmt jeweils andere Funktion. Heißt: System unterstützt den Fahrer mit bestimmten Assistenzsystemen, zum Beispiel mit einem Totwinkel-Warner, einem Spurhalte-Warner oder einer Berganfahrhilfe.

Stufe 2: Teilautomatisiert

Definition: Fahrer muss das System dauerhaft überwachen. System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Heißt: System übernimmt einzelne Aufgaben für den Fahrer. In diesem Stadium befinden sich die meisten Hersteller aktuell. Automatisches Einparken oder eine Spurhaltefunktion gehören zu den gängigsten Systemen. Der Stauassistent kann ohne Eingriff des Fahrers im Stau beschleunigen, bremsen und dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen.

Stufe 3: Hochautomatisiert

Definition: Fahrer muss das System nicht mehr dauerhaft überwachen. Muss potenziell in der Lage sein, zu übernehmen. System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Erkennt Systemgrenzen und fordert Fahrer zur Übernahme mit ausreichender Zeitreserve auf. Heißt: Level drei wird als hochautomatisiertes Fahren bezeichnet. Der Wagen setzt beispielsweise eigenständig den Blinker, wechselt die Spur oder passt seine Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr an. Der Autopilot kann den Fahrer aber immer noch auffordern, das Steuer wieder zu übernehmen, um den Wagen eigenhändig zu steuern.

Stufe 4: Vollautomatisiert

Definition: Kein Fahrer erforderlich im spezifischen Anwendungsfall. System kann im spezifischen Anwendungsfall alle Situationen automatisch bewältigen. Heißt: Level vier definiert die Vollautomatisierung. Der Wagen übernimmt alle Funktionen und gibt sie nur dann wieder ab, wenn eine Situation für das System nicht zu bewältigen ist.

Stufe 5: Fahrerlos

Definition: System kann während der ganzen Fahrt alle Situationen automatisch bewältigen. Kein Fahrer erforderlich. (Quelle jeweils: VDA/Bundesamt für Straßenwesen) Heißt: Der Mensch wird im Prinzip überflüssig. Der Wagen und das System brauchen lediglich eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start.

Källenius: "Sicherheit an erster Stelle"

"Autonomes Fahren ist für uns einer der revolutionärsten Trends, an dem wir im gesamten Konzern intensiv arbeiten", sagte Daimlers damaliger Forschungs- und Entwicklungschef Ola Källenius in einer gemeinsamen Erklärung vom 27. Februar 2019. Sicherheit stehe dabei an erster Stelle, betonte der Schwede, der inzwischen die Nachfolge von Konzernchef Dieter Zetsche angetreten hat. Daimler arbeitet bereits seit Längerem unter dem Projektnamen "Intelligent Drive" intensiv an der Entwicklung für Level-3- und Level-4/5-Fahrzeuge (s. Erklärung oben). Haupttechnologieträger ist dabei die Mercedes S-Klasse. So könnte die nächste Generation ab 2020 mit weiteren zusätzlichen Fahrfunktionen die Stufe drei des autonomen Fahrens erklimmen. Dabei führen die Systeme auch auf Autobahnen Manöver wie Überholen und Ausweichen durch – der Fahrer muss aber weiterhin das Geschehen auf der Straße im Blick haben.

Hauptgegner sitzen im Silicon Valley

Video: BMW Vision iNext (2018)

BMWs E-Zukunft

BMW testet das automatisierte Fahren heute weltweit mit 70 Fahrzeugen, unter anderem in München. Die Testflotte sammelt Daten, um die Technologie durch maschinelles Lernen mit künstlicher Intelligenz in der virtuellen Simulation weiter zu verbessern. Zudem werden neue Funktionen von Level 2 bis Level 5 auf der Straße getestet. Die derzeit in der Entwicklung befindliche Technologie-Generation soll 2021 erstmals im BMW Vision iNext mit Level 3 in Serie gehen und für Pilotprojekte mit Level 4 gerüstet sein. Hauptgegner der deutschen Premiumhersteller auf dem Gebiet des autonomen Fahrens sind Hightech-Giganten aus China und dem Silicon Valley in den USA – speziell die Google-Tochter Waymo. Daimler und BMW betonten in Februar, weitere Partnerschaften mit Technologiefirmen, Zulieferern und Automobilherstellern prüfen zu wollen, die zum Erfolg der Plattform beitragen könnten.

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