Erinner Sie sich, wann Sie das letzte Mal eine Mercedes V-Klasse der ersten Serie (1996 bis 2003) gesehen haben? Nein? Kein Wunder. Die lieblos zusammengemurksten Kisten sind längst weggerostet, von ihren frustrierten Besitzern aufgegeben oder im Zorn in den Export verbannt worden. Ein Imageschaden für die Stuttgarter – daraus lernen wollten sie dennoch nicht. Auch der Nachfolger (Baureihe 639; 2003 bis 2014) singt klappernd, zickend und rostend das traurige Lied vom Tod. "Das Beste oder nichts" – der Mercedes-Slogan wurde für Van-Fans zum Schlag ins Gesicht. 2014 dann soll die Baureihe 447 endlich für das stehen, was die Marke groß gemacht hat: Image, Luxus und vor allem Qualität.

Die V-Klasse ist deutlich näher am Pkw als der Wolfsburger

Mercedes V-Klasse
Langstrecken absolviert die V-Klasse geschmeidig. 11,8 Meter Wendekreis machen den V außerdem angenehm handlich.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Rein optisch klappt das auf Anhieb. Mit zeitloser Eleganz spielt der Benz-Bulli den smarten Gegenpart zum hemdsärmeligen VW Bus. Mit zwei Radständen, drei Außenlängen und zahlreichen Fenster- und Sitzkombinationen ist er zudem äußerst flexibel. Wie bei Mercedes üblich, gilt das auch für die Sonderausstattungen, die den Grundpreis von rund 40.000 Euro bis in sechsstellige Regionen katapultieren können. Doch auch ohne aufwendiges VIP-Ornat stimmt das Fahrgefühl. Deutlich näher am Pkw als der Konkurrent aus Wolfsburg, absolviert die V-Klasse geschmeidig Langstrecken. Meistens verbaut und eine absolute Empfehlung ist das 7G-Tronic-Automatikgetriebe. Die Gangwechsel erfolgen blitzschnell, passend, geschmeidig und harmonieren hervorragend mit den drehmomentstarken Dieseln, die zwischen 136 und 190 PS leisten. Seit Ende 2015 erfüllen sie auch die Euro-6-Norm. Die Verbräuche bewegen sich je nach Fahrweise und Einsatz zwischen sieben und zehn Litern. Kein schlechter Wert für so ein Zwei-Tonnen-Schiff und eine Erleichterung für die Besitzer, die bei Fest- und Wartungskosten schon kräftig zur Kasse gebeten werden.
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Mit den Extras kommt der Ärger

Dafür stimmt die Mängelbilanz der V-Klasse noch. Mechanisch ist sie solide, auch der Korrosionsschutz an der Karosserie bereitet bislang keine Sorgen. Ärgerlich sind dagegen Kleinigkeiten wie Ledersitzbezüge, die sich wellen, sowie zahlreiche Klappergeister in den Verkleidungen. Die elektrischen Bedienungen von Heck- und Seitentüren fallen gern aus oder spielen verrückt, der aufpreispflichtige 70-Liter-Tank nervt im Stop-and-go-Betrieb mit lauten Schwappgeräuschen. Insgesamt nicht mehr, als auch in Wolfsburg vermasselt wird, aber doch Ansporn genug für Mercedes, den eingeschlagenen Qualitätskurs weiter mit Ehrgeiz zu verfolgen. Nicht dass die dritte Baureihe der V-Klasse später doch noch in die Fußstapfen ihrer Ahnen tritt!
Die V-Klasse kombiniert die Vorzüge eines Busses mit echtem Mercedes-Fahrgefühl. Vor allem aber hebt sich die aktuelle Baureihe endlich positiv von ihren desolaten Vorgängern ab.