Mietwagenfirma gehackt?
Achtung, falsche Knöllchen aus Mallorca verschickt!

Bild: DPA
- Raphael Schuderer
Knöllchen für Verkehrsverstöße werden seit Jahren europaweit vollstreckt. Und es ist keine Seltenheit mehr, dass man nach einem Auslandsaufenthalt per Post zur Kasse gebeten wird. Trotzdem sollten Sie vor dem Bezahlen alles genau prüfen. Wie aktuelle Fälle von Mallorca zeigen.
Denn von der Lieblingsurlaubsinsel der Deutschen flattern derzeit auch gefälschte Bußgeldbescheide in die hiesigen Briefkästen, wie die "Mallorca Zeitung" berichtet. Bei Familie Welzel aus Trier sorgte ein Fake-Knöllchen für eine Mietwagenfahrt aus Spanien für Aufregung.
Ende Februar bekamen die Welzels Post, angeblich von der spanischen Verkehrsbehörde DGT: 200 Euro Strafe wegen angeblicher Geschwindigkeitsübertretung. "Wir haben uns sehr gewundert, weil wir an diesem Tag das Auto gar nicht benutzt hatten", erzählt Nicole Welzel.
Die Familie wurde stutzig. Zwar stimmten alle Daten auf dem Bescheid: Ausweisnummer, Führerscheinnummer, Adresse, Mietwagenmodell und Kennzeichen.
Blitzer-Straße existiert nicht auf Mallorca
Doch etwas war faul: Der Hinweis, dass man bei schneller Zahlung weniger Strafe abdrücken muss, fehlte. In einigen europäischen Ländern erhalten Schnellzahler auf Bußgelder Rabatt, so auch in Spanien.
Die Straße M-404, auf der angeblich zu schnell gefahren wurde, verläuft nicht auf Mallorca, sondern nahe Madrid. Auch das Blitzer-Foto sei unüblich verschwommen gewesen und erregte Verdacht. Betrug?
Weitere Opfer bekannt
Nicole Welzel forschte im Internet und fand weitere Leidensgenossen. Andere Kunden der Autovermietung Goldcar sollen einen ähnlichen Brief erhalten haben, auch bei der Mallorca Zeitung habe sich ein weiteres Opfer gemeldet. Die spanische Verkehrsbehörde DGT bestätigt auf Nachfrage: "Es handelt sich um Betrug, nicht zahlen!"
Datenleck beim Autovermieter?
Aber wie kommen die Gauner an die Daten? Die Welzels vermuten ein Datenleck beim Autovermieter Goldcar. Auch auf der Internetplattform Reddit äußern sich andere Betroffene und vermuten, dass Goldcar-Mitarbeiter Daten verkauft haben könnten oder die Firma gehackt worden sei.
Ein Sprecher von Goldcar äußerte sich gegenüber der Mallorca Zeitung vorsichtig: "Wir sind uns des Problems bewusst, das lediglich eine sehr kleine Zahl von Kunden auf Mallorca betroffen hat."
Polizeiliche Ermittlungen liefen, um die Herkunft der falschen Strafzettel zu klären. Goldcar betont gegenüber der Mallorca Zeitung, keine Daten weitergegeben zu haben, betreut aber alle Betroffenen und erstattet bezahlte Strafen zurück.
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