Mini Countryman (F60): Gebrauchtwagen-Test
Mini Countryman gebraucht: Wie altert das britische SUV?

Mit dem Mini Countryman (F60) setzte die Marke auf bayrische Technik und englischen Charme im Crossover-Segment. Eine gute Idee?
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
Was würde Mister Mini wohl sagen, wäre Sir Alec Issigonis als geistiger Vater des Ur-Mini vom Countryman angetan? Wahrscheinlich würde er die Proportionen prüfen und sich wundern, wie aus seiner 65 Jahre alten, genialen Kleinstwagenidee ein gut 4,30 Meter langer Crossover mit fünf vollwertigen Sitzplätzen wurde. Gleichzeitig müsste er jedoch anerkennen, dass auch der Countryman in seiner Haltung ein Mini geblieben ist. Die zum BMW-Konzern gehörende Marke ist eine britische Lifestyle-Ikone, die in "besseren" Kreisen durch Extravaganz und Designbewusstsein eine treue Käuferschaft hat. Mini ist die feste Größe in der Nische.
Der ab 2017 gebaute Countryman der Generation F60 ist der größte, vielseitigste und familientauglichste Mini seiner Zeit. Das macht ihn gebraucht interessant. Er bietet nicht nur Stil, sondern viel BMW-Technik (basiert wie X1/F48 auf der UKL2-Plattform) unter seinem exzentrischen SUV-Blechkleid.
Optisch und konstruktiv dicht am BMW X1
Das ist er: Countryman Nummer zwo ist kein aufgepumpter Kleinwagen, sondern ein vollwertiger Abkömmling der Kompaktklasse. Mini selbst bezeichnete das im niederländischen Werk Born bei VDL NedCar montierte Fahrzeug bei Marktstart als den größten und vielseitigsten Mini der Markengeschichte. Die Abmessungen von 4,30 Meter Länge und 1,82 Meter Breite rücken ihn nicht nur optisch, sondern auch konstruktiv dicht an den BMW X1.

Eine recht hohe Schulterlinie und das schwarz abgesetzte Dach sorgen zusammen mit Chromakzenten für den britischen Look.
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
Im Innenraum zeigt sich diese Reife dann noch etwas deutlicher. Der Countryman ist voll alltags- und familientauglich. Er bietet vier vollwertige Sitzplätze und einen Notsitz, eine um bis zu 13 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank und einen Kofferraum mit 450 Liter Volumen, der sich bei umgelegter Fondbank auf Kompaktkombiverdächtige 1390 Liter erweitern lässt. Das Raumgefühl profitiert von den vergleichsweise steilen Scheiben. Vorn sitzen Passagiere recht luftig und blicken auf eine verspielt gestaltete Retro-Cockpitlandschaft mit dominantem Mittelbildschirm. Und auch im Rückraum fühlt man sich bis etwa 1,80 Meter Größe erwachsen untergebracht.
Technische Daten
One | Cooper | JCW All4 | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1499 cm³ | 1499 cm³ | 1998 cm³ |
Leistung | 74 kW (102 PS) bei 4100/min | 100 kW (136 PS) bei 4400/min | 170 kW (231 PS) bei 5000/min |
Drehmoment | 180 Nm bei 1250/min | 220 Nm bei 1400/min | 350 Nm bei 1450/min |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h | 202 km/h | 234 km/h |
0–100 km/h | 11,8 s | 9,6 s | 6,5 s |
Tank/Kraftstoff | 51 l (61 l opt.)/Super | 51 l (61 l opt.)/Super | 51 l (61 l opt.)/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad | Achtstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4299/1822/1557 mm | 4299/1822/1557 mm | 4299/1822/1557 mm |
Kofferraumvolumen | 450-1390 l | 450-1390 l | 450-1390 l |
Leergewicht/Zuladung | 1440/505 kg | 1440/510 kg | 1630/520 kg |
Anhängelast | 1100/710 kg | 1500/715 kg | 1800/750 kg |
Die Optionsliste ist unübertroffen verspielt
Das hat er: Auch als Gebrauchter lebt der erfreulich sauber verarbeitete Countryman stark von seinem Style-Faktor und der enormen Konfigurierbarkeit. Standardmäßig gab es aufsteigend die Ausstattungslinien Salt, Pepper und Chili. Mini hat das Auto nicht nur in vielen verschiedenen Lackfarben sowie mit anglophilen Dekor- und Interieurwelten angeboten, sondern auch mit einer in seiner Klasse unübertroffen verspielten Optionsliste ausgestattet. Bereits ab Marktstart setzte die Marke auf preistreibende Premium-Optionen wie eine elektrische Heckklappenbetätigung, Panorama-Glasdach, Head-up-Display, Sportsitze, adaptive Dämpfer, LED-Scheinwerfer, Komfortzugang, Ambientelichtpakete und zahlreiche Infotainment-Optionen.

Verspieltes Cockpit mit Retro-Elementen: gestalterisch und qualitativ klar mit Premiumanspruch.
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
Zum dezenten Facelift gab es 2020 neu gestaltete Schürzen nebst geändertem Grill und moderne LED-Scheinwerfer mit Matrix-Option. Kenner freuen sich über frische Felgenvarianten, neue Farben sowie stylishe LED-Rückleuchten mit Union-Jack-Motiv. Genau diese Details erklären auch, warum der Countryman gebraucht so unterschiedlich und teils empfindlich teuer ausfallen kann. Vom eher nüchternen, aber keinesfalls langweiligen One bis zum nahezu voll ausgestatteten Cooper- oder JCW-Sport-Designerstück reicht die Bandbreite.
Technisch macht die enge Verwandtschaft mit BMW die Wartung relativ unkompliziert. Unter der ansehnlichen Hülle lauern keine eigenwillig-britischen Elektrik-Gremlins, sondern hunderttausendfach erprobte Elektronik und Motoren aus dem BMW-Baukasten. Dazu gibt es je nach Konfiguration einen Sechsgang-Handschalter oder eine Steptronic-Automatik (Doppelkuppler oder Wandler). Der optionale Haldex-Allradantrieb und die robust wirkende unlackierte Beplankung machen aus dem Countryman keinen Offroader, doch für feuchte Feldwege und gelegentliche Aufgaben als Zugfahrzeug eignet er sich durchaus.
Der Countryman ist maximal breit aufgestellt
So fährt er: Der Charakter hängt von der Wahl des Antriebs ab. Eine recht beeindruckende Antriebsspannweite macht deutlich, dass Mini den Countryman maximal breit aufstellen wollte. Je nach Bauzeitpunkt erfüllen die Motoren die Abgasnorm Euro 6, Euro 6d-TEMP oder Euro 6d. Ab Start reichte das Programm vom braven One mit 102 PS über Cooper und Cooper S (136 bis 192 PS) bis zu den Dieselvarianten One D, Cooper D und Cooper SD (115 bis 190 PS).
Dazu kam mit dem Cooper SE Countryman All4 eine für Dienstwagenfahrer interessante Plug-in-Hybrid-Option mit Antriebstechnik aus dem BMW 2er Active Tourer. Heißt also 224 PS Systemleistung an der Hinterachse, der Akku wuchs ab Mitte 2019 von 7,6 auf 10 kWh und war im Neuzustand für 40 bis 61 Kilometer rein elektrische Normreichweite gut. Wer hier zuschlagen möchte, sollte vor Kauf unbedingt die Akkukapazität (den SoH-Wert) prüfen lassen!
Am oberen Ende der Mini-Nahrungskette platziert sich der John Cooper Works (JCW) Countryman mit 231 PS, 350 Nm Drehmoment und Allradantrieb. Erst nach der Überarbeitung rückte der JCW in die prestigeträchtige 300-PS-Liga auf. Fahrdynamisch passen die stärkeren Motoren ab 170 PS ideal zum Charakter des Autos. Der Countryman fährt sich nicht wie viele weichgespülte Crossover, sondern pflegt einen eigenen Stil. Er liegt direkt und straff wie ein dynamisch abgestimmter Kompaktwagen auf der Straße, lässt die leicht erhöhte Bodenfreiheit vergessen.
Gerade die stärkeren Versionen profitieren von der festen und direkten Lenkung, der satten Straßenlage und einer fühlbar BMW-nahen Abstimmung. Der JCW sprintet laut Werk in 6,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und macht damit unmissverständlich klar, dass er zwar auch praktisch sein kann, sich vom sportlichen Mini-Geist aber keineswegs verabschiedet hat.
Stärken
- Charakterstarkes Konzept
- Agiles Handling
- Breite Motorenpalette
Schwächen
- Fein konfiguriert oft teuer
- Etwas müde Basis
- Relativ kostspieliger Unterhalt
Der Countryman ist durchaus haltbar
Das macht Ärger: Für Neuwagen gab es drei Jahre Gewährleistung (optional fünf Jahre), drei Jahre Lackgarantie sowie zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Im Alltag nerven neben knarzenden Innenräumen die teils instabile oder übermäßig empfindliche Elektronik (Infotainmentsystem und Sensorik) sowie gelegentliche Ausfälle von Assistenzsystemen. Das Doppelkupplungsgetriebe neigt zu Rucklern, die Benziner können besonders bei sportiver Fahrweise bereits bei moderaten Kilometerleistungen Ölverbrauch haben. Helle Lacke zeigen auf den Stoßfängern oft frühzeitig Klarlackschäden. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind insgesamt zehn Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 9,1 l S/100 km |
|---|---|
CO2 (NEFZ) | 158 g/km |
Inspektion | 350-600 Euro |
Haftpflicht (17)* | 693 Euro |
Teilkasko (22)* | 890 Euro |
Vollkasko (21)* | 1467 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 166 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1200 Euro |
|---|---|
Anlasser | 680 Euro |
Wasserpumpe | 750 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 1100 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1700 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 960 Euro |
Infotainmentmodul | 1250 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/45 R 19 92 W) | 750 Euro |
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