Was müssen sie nicht alles durchmachen, bloß weil sie so drollig sind. Manche werden über und über mit quietschbunten Schriftzügen tapeziert und als Werbebanner für Nagelstudios am Straßenrand ausgesetzt. Doch inzwischen gibt es ein paar, die sich auflehnen, ankämpfen gegen den Sog, der sie zusammen mit all den iPhones, Charms, und Uggboots allmählich zu Accessoires degradiert. Sie sind nicht die, die einem einfach so zulaufen, wenn einen das Designeroutlet mal wieder zu Autoscout verlinkt; nicht die, die schnapszahlfach in Nikolaussonderziehungen verschleudert werden; sondern echte Perlen inmitten des ganzen Modeschmucks. Exklusiv, rar, sündhaft, furchtbar beziehungsweise ganz schön teuer, noch immer ziemlich feminin, aber dank rund 180 PS eher was für die Sorte Mädels, die zwischen Bench-Boutique und Bubbletea-Bar am liebsten Bestzeit fahren.
Mini inspired by Goodwood
Rolls-Royce spendet Lack und Leder, sein freches Mundwerk blieb: Mini Inspired by Goodwood.
Bild: Ronald Sassen
Mini Gewohnt schnuckelig, mit liebem Gesicht, Glubschaugen und seiner unscheinbaren Aufmachung eigentlich das Gegenteil von dem, was ihn so besonders macht. "Inspired by Goodwood" schimmert von der Seitenteilplakette, was für Uninspirierte vielleicht nach britischen Kegelbrüdern klingt, in Wahrheit aber auf ein südenglisches Örtchen anspielt, in dem man seit über hundert Jahren Rolls-Royce von Hand montiert. Es ist die Synthese zweier Welten, die entgegengesetzter kaum sein könnten und inzwischen beide zu Bayern gehören. Die eine ist simpel, die andere seit jeher eine Monarchie – pompös, gewollt dekadent und nie sonderlich erpicht darauf, von Seiten der Bourgeoisie als übertrieben sympathisch empfunden zu werden.
Abarth 695 Tributo Ferrari
Der Abarth 695 Tributo Ferrari kann auf Lastwechsel oder harsche Bremsmanöver auch mal giftig reagieren.
Bild: Ronald Sassen
Abarth Fiat-Kunden rechnen ihn trotzig in viereinhalb Pandas um, nach Ferrari-Maßstäben entspricht er allerdings gerade mal drei Koffersets. Aber wissen Sie was: Beide Alternativen sind nicht halb so gut wie das, was die 695 aus dem 500er macht. Allein dieser Nachname: Tributo Ferrari – das duftet nach Maranello, nach permanentem Linksblinken und lässigen Carabinieri, die immer nur unter die Haube gucken und nie kassieren wollen. Man sitzt seltsam hoch, ein bisschen wie an der Bar – dank des lawinenartigen Turboschubs und der hopsigen Federung jedoch beinahe so, als würde man mitsamt Theke und Hocker gerade die Dolomiten hinunterrodeln. In der Summe: hart, herrlich und wunderbar detailverliebt.
Audi A1 1.4 TFSI Union Square
Audi A1 Union Square: feinste Materialien, perfekte Verarbeitung und dazu ein ausgefeiltes Antriebspaket.
Bild: Ronald Sassen
Audi Rein faktisch dürfte der A1 der Beste von allen sein: feinste Materialien, perfekte Verarbeitung dazu ein ausgefeiltes Antriebspaket mit Twincharger und Doppelkuppler, das so einen Abarth, den sein Motor stets zwischen Turboloch und Schaltpause hin und her zu schaukeln scheint, ganz schön retro dastehen lässt. Freilich ist es Blödsinn, einem Auto vorzuwerfen, dass andere neben ihm alt aussehen. Beim A1 ist es aber genau das. Ihm fehlt Geschichte, diese Initialzündung für Ach-weißt-du-noch-damals-Erinnerungen, in denen es keine Rolle spielt, dass das, was einen da gerade verzückt, schon damals eine recht windige Kiste war. Mehr Infos und Daten zu dem Vergleich gibt es oben in der Bildergalerie. Den Original-Artikel mit allen Daten und Informationen erhalten Sie im Heftarchiv als pdf-Download.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Obwohl sie ihre großen Vorbilder liebevoll und sachkundig zitieren, sind Abarth und Mini für Ferrari oder Rolls eher Ergänzung als Ersatz. Der A1 bleibt trotz Lifestylekit ein echter Audi, was angesichts der namhaften Überlegenheit seiner Konkurrenten aber schlimmer klingt, als es ist.