Gebrauchtwagen-Test Mitsubishi Pajero

Mitsubishi Pajero III: Gebrauchtwagen-Test

Im Kern ein grundsolider Kerl

Nach 18 Jahren Bauzeit schickte Mitsubishi den guten alten Pajero in Rente. Was taugt er als Gebrauchter?
Euro 6b hat er noch geschafft, aber bei der ab September 2018 verlangten Norm Euro 6c war dann endgültig Schluss: Mitsubishi musste den Verkauf des Pajero in Europa einstellen. Der 4M40 genannte und 18 Jahre produzierte 3,2-Liter-Turbodieselmotor mit seinen vier Riesenkolben erfüllte die Abgasnormen nicht mehr. Monate zuvor hatte Renault/ Nissan bereits die Führung bei Mitsubishi Motors übernommen, weshalb schon dadurch an Geld für eine Weiterentwicklung des Pajero nicht zu denken war.

Gebrauchtwagensuche: Mitsubishi Pajero

In den letzten zehn Jahren gab's nur kleine Retuschen

Lohnende Investition: 2000 bekam der Pajero eine neue Karosseriekonstruktion, ein neues Fahrwerk und einen neuen Vierzylinder-Turbodiesel.

Nun, als Gebrauchter wird der Pajero noch viele Jahre weiterleben. 18 Jahre hat diese dritte Generation des Pajero durchgehalten. Das klappte, weil Mitsubishi vor seiner Einführung im Jahr 2000 richtig viel Geld investiert hatte: neue Karosseriekonstruktion ohne separaten Rahmen, neues Fahrwerk ohne Starrachsen, dazu ein neuer Vierzylinder-Turbodiesel mit damals fortschrittlicher Direkteinspritzung, eben der 4M40. Alles sehr modern, weshalb eine große Modellpflege 2007/2008 mit neuen Karosserie-Außenblechen und per neuem Zylinderkopf aufgefrischtem Dieselmotor samt neuer Wandlerautomatik für anhaltenden Erfolg ausreichte. Danach scheute Mitsubishi aber offenbar den Aufwand und die Kosten für eine Weiterentwicklung. Denn die letzten zehn Jahre musste der große Geländewagen mit nur kleinen Retuschen auskommen, die praktisch nur die Zulassungsfähigkeit gewährleisten sollten.
Überblick: Alles zum Mitsubishi Pajero

Geruhsame Fahrweise erhöht die Motorlebensdauer

Der 3.2-Turbodiesel mit seinen vier riesigen Zylindern verabscheut hohe Drehzahlen.

Gerade wegen seines Dieselmotors gefällt der Pajero den Liebhabern zünftigen Motorenbaus. Denn da summt kein per irrwitzigem Ladedruck auf eindrucksvolle Prospektwerte getrimmtes Downsizing-Motörchen unter der Haube, sondern da tuckert ein richtiges Großkolbenaggregat. Schon beim Anfahren mit Leerlaufdrehzahl bemerkt man es, denn der schwere Pajero setzt sich stets sofort und nachdrücklich in Bewegung, wenn man das Gaspedal drückt. Drehmoment ist immer genügend da. Das hat man aber offenbar dem bis 2015 aufpreispflichtigen Automatikgetriebe nicht beigebracht. Das lässt den dicken Diesel oft unnötig hoch drehen, was den Verbrauch in den Höhe treibt. Für Schnellfahrten bietet sich der Pajero ohnehin nicht an. Zum einen läuft der Diesel kalt wie warm erstaunlich rau und wehrt sich zudem gegen Drehzahlen oberhalb von 3000 Touren mit einem furchterregenden Spektakel. Zum anderen kontert er solche Misshandlung auf Dauer nicht selten mit ernsten Schäden. Acht Prozent der Leser waren davon betroffen. Faustregel: Wer 12 oder sogar mehr Liter Diesel/ 100 km verbraucht, fährt offenbar zu schnell und riskiert damit Motor- oder Turboschäden beim 3.2-Pajero. Dass geruhsame Fahrweise die Motorlebensdauer erhöht, bestätigen zahlreiche Exemplare, die Laufleistungen von deutlich mehr als 250.000 Kilometern mit dem ersten Motor erreicht haben und deren Besitzer angeben, mit einem Verbrauch von 9 bis 11 Liter/100 km auszukommen.

Ersatzteilkosten*
Kotflügel vorn 546 Euro
Scheinwerfer 493 Euro
Bremsscheiben vo. (ein Satz) 151 Euro
Bremsbeläge vorn (ein Satz) 60 Euro
Automatikgetriebe (neu) 7583 Euro
Motor (neu, Teilmotor) 3791 Euro
Generator (neu) 885 Euro
Anlasser (neu) 528 Euro
Wasserpumpe (neu) 235 Euro
Auspuff ohne Kat 690 Euro
*Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Pajero 3.2 DI-D lang mit Automatikgetriebe, Baujahr 2014

Wirklich gut war der Pajero-Rostschutz nie

Nennenswerten Fahrwerksverschleiß gibt es meist erst von 150.000 Kilometern an aufwärts, aber der Rost nagt dafür gern am Mitsubishi. Krass war es bei den frühen Pajero III bis zur allerersten Modellpflege 2003. Erst beim großen Umbau der Karosserie (intern dann V80 statt V60) hat sich Mitsubishi dieses Problems wirklich professionell angenommen und die Rostvorsorge deutlich verbessert. Wirklich gut ist der Korrosionsschutz aber nie gewesen – bis zuletzt nicht. 38 Prozent der Leser beklagen denn auch deutlich sichtbaren Rost, meist an den Bodenblechen mit seinen Kastenverstärkungen, aber auch an den Türen und Kotflügeln. Nachträglicher Rostschutz tut also not.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Die Pajero-Besitzer sind sehr markentreu und fuhren oftmals schon zuvor einen Pajero, nicht wenige bereits den dritten oder vierten. Das liegt offenbar auch an der Güte der Vertragswerkstätten. Denn sage und schreibe 93 Prozent der Pajero-Besitzer sind mit den Mitsubishi-Werkstätten zufrieden. Als durchschnittlicher Preis für eine große Inspektion werden 580 Euro genannt. In spürbare Entscheidungsnöte bringt man die Pajero-Besitzer mit der Frage nach dem nächsten Auto. Das Produktionsende des großen Mitsubishi lässt viele Besitzer ratlos zurück. 38 Prozent wollten sich mit einem Gebrauchtkauf behelfen, sechs Prozent auf Toyota Land Cruiser umsteigen, fünf Prozent auf SsangYong Rexton. Mehr als die Hälfte ist ratlos.

Gebrauchtwagen-Test Mitsubishi Pajero

Mitsubishi Pajero IIIMitsubishi Pajero IIIMitsubishi Pajero III

Gebrauchtwagenpreise Mitsubishi Pajero III
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 3.2 DI-D Basis 3.2 DI-D Plus 3.2 DI-D Top 3.2 DI-D Basis
Türen / Zylinder 2 / 4 2 / 4 2 / 4 4 / 4
kW / PS 140 / 190 140 / 190 140 / 190 140 / 190
Verbrauch/100 km 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 180 km/h 180 km/h 180 km/h
Versicherg. (HP/VK/TK) 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23
Neupreis 35.990 41.590 45.990 39.990
2017, 46.000 km* 22.600 25.800 29.000 25.000
2016, 70.000 km* 20.000 22.800 25.700 22.300
2015, 94.000 km* 17.700 20.200 22.800 19.700
2014, 118.000 km*
2013, 142.000 km*
2012, 159.000 km*
2011, 175.000 km*
2010, 190.000 km*
2009, 205.000 km*
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 3.2 DI-D Plus 3.2 DI-D Top 3.2 DI-D Bas./Infor. 3.2 DI-D Plus/Invite
Türen / Zylinder 4 / 4 4 / 4 2 / 4 2 / 4
kW / PS 140 / 190 140 / 190 147 / 200 147 / 200
Verbrauch/100 km 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 180 km/h 185 km/h 185 km/h
Versicherg. (HP/VK/TK) 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23
Neupreis 46.590 50.990 32.900 38 990
2017, 46.000 km* 29.000 32.300
2016, 70.000 km* 25.700 28.600
2015, 94.000 km* 22.800 25.500 16.500 18.500
2014, 118.000 km* 13.900 15.600
2013, 142.000 km* 12.500 14.100
2012, 159.000 km* 11.300 12.700
2011, 175.000 km* 10.200 11.400
2010, 190.000 km* 9200 10.200
2009, 205.000 km* 8300 9200
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 3.2 DI-D Top/Instyle 3.2 DI-D Bas./Infor. 3.2 DI-D Plus/Invite 3.2 DI-D Top/Instyle
Türen / Zylinder 2 / 4 4 / 4 4 / 4 4 / 4
kW / PS 147 / 200 147 / 200 147 / 200 147 / 200
Verbrauch/100 km 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h 185 km/h 185 km/h 185 km/h
Versicherg. (HP/VK/TK) 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23 23 / 21 / 23
Neupreis 44.990 36.990 43.990 49.990
2017, 46.000 km*
2016, 70.000 km*
2015, 94.000 km* 22.800 18.700 22.300 25.500
2014, 118.000 km* 19.300 15.700 18.000 21.800
2013, 142.000 km* 17.400 14.200 15.800 18.900
2012, 159.000 km* 15.700 12.700 14.100 17.000
2011, 175.000 km* 14.000 11.300 12.500 15.200
2010, 190.000 km* 12.400 10.000 11.000 13.400
2009, 205.000 km* 11.000 8900 9600 12.000
Quelle: Schwacke; Händlerverkaufspreise (Euro inkl. MwSt.)
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Als Neuen gibt es den Pajero mit dem rauen, aber herzhaft zupackenden Diesel nicht mehr. Beim Gebrauchtkauf muss man den Vorbesitzer kennen, denn der Motor braucht einen vorsichtigen Fahrer. Achtung Rost!

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