Stillstand. Während ich diese Zeilen schreibe, gilt bei der Bahn der Notfahrplan. Kurzfristig angekündigt. Die Bahn ist noch unzuverlässiger als sonst schon, ohne Streik. Bei der Lufthansa fallen gerade die meisten Verbindungen aus. Auf den Straßen hier in Hamburg Stau, weil uns nur noch die individuelle Mobilität bleibt. Doch auch die ist eingeschränkt. Sanierungsstau und eine zum Teil nicht nachvollziehbare Verkehrsplanung führen zu Baustellen und Stop-and-go.
"Mal eben von A nach B kommen – in diesen Tagen nicht einfach", wird in den Nachrichten die Lage kommentiert. Traurig. Mobilität ist Freiheit. Die wird seit Wochen massiv eingeschränkt. Und es trifft überwiegend die, die nichts dafür können, wenn Tarifverhandlungen stocken und Straßensanierungen in der Politik ­verpennt wurden.

Es trifft die Pendler

Es trifft die, die täglich zur Arbeit pendeln, weil in den Großstädten Wohnraum knapp ist, Mieten steigen und die Lebensqualität sinkt. Es trifft die, die mit ihrer Arbeit Menschen helfen. Polizei, Kranken- und Pflegedienste, die berufsbedingt viel Stress für zu geringe Löhne hinnehmen müssen. Es trifft die, die zum Wochenende ihre Liebsten sehen wollen. "Sie können Ihre Reise mit dem Ticket auf einen ­anderen Tag verschieben", kommentiert die Bahn die Situation. Ein Satz, der wie eine Ohrfeige schmerzt, wenn man nach einer harten Arbeitswoche nur das Wochenende zur Erholung hat und einem die Rückfahrt am Freitag genommen wird.
"Wenn 2 sich streiken, freut sich der 3er", bewirbt das Mietwagenunternehmen Sixt den Streik. Da­rüber kann man kurz schmunzeln, bis der angepriesene BMW 3er aufgrund der Nachfrage das Dreifache kostet und man im kaum günstigeren Kleinwagen im Stau steht. Mal eben von A nach B kommen – das muss wieder reibungslos funktionieren, sogar Spaß machen. Das ist unsere Mobilität, unsere Freiheit.