Mobilvetta Yacht 68 im Wohnmobil-Test

Mobilvetta Yacht 68: Wohnmobil-Test

Rollende Yacht mit Stil

Nobles Ambiente gibt es im Alter auch für den kleineren Geldbeutel: Der vollintegrierte Mobilvetta Yacht 68 war vor 25 Jahren ein Luxus-Exot. Heute lockt er als Youngtimer mit aufwendigem Mobiliar, Hubbett, geräumigem Bad und kompletter Küche. Ein Luxuspaket ohne Reue?
Wenn Luxus, Stil und ein renommierter Name für moderates Geld zu haben sind, dann ist gerade auf dem boomenden Markt für Wohnmobile eine gehörige Portion Misstrauen angebracht. Der vom Lenux Autohandel im schleswig-holsteinischen Appen offerierte Yacht 68 aus dem Hause Mobilvetta Design ist frisch aus den Niederlanden importiert und soll 25 Jahre nach seinem Stapellauf nur noch 11.490 Euro kosten. In Reisemobilkreisen ist das schon fast Dumping – und erst recht extrem moderat für einen Vollintegrierten, der optisch einst für pure italienische Avantgarde stand.

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Basis ist die erste Iveco-Daily-Generation

Als Vertreter der Sieben-Meter-Klasse bleibt der Mobilvetta auch im Alter eine imposante Erscheinung.

Das ist er: Ein ehemals hochpreisiges Designerstück, das heute als sichtbar patiniertes Luxus-Schnäppchen Käufer mit Schrauberkenntnissen lockt. Dank seiner gut sieben Meter Außenlänge und 3,10 Meter lichter Fahrzeughöhe bietet der Yacht 68 innen genügend Bewegungsfreiheit für eine vierköpfige Familie. Die technische Ausgangsbasis ist dabei deutlich konventioneller, als es das eigenwillig-durchgestylte Konzept vermuten lässt: Als Basis fungiert die von 1978 bis 1996 hunderttausendfach bewährte erste Iveco-Daily-Generation aus dem Fiat-Konzern. Einerseits ein zwillingsbereiftes Fahrzeug mit relativ hemdsärmeligen Transporter-Genen inklusive Leiterrahmen, vorne längs eingebautem Zweieinhalbliter-Turbodieselmotor und Hinterradantrieb, das erhöhte Bedienkräfte am Volant fordert. Andererseits bietet der Iveco aber auch optimale Erbanlagen für ein Reisemobil-Leben in Überlänge und damit eben eine interessante Perspektive als Oldtimer.

Technische Daten
Motor Vierzylinder-Diesel, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1
Hubraum 2499 cm3
Leistung 85 kW (116 PS) bei 3800/min
Drehmoment 245 Nm bei 2000/min
Höchstgeschwindigkeit 105 km/h
Getriebe/Antrieb Fünfgang manuell/Hinterrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 70 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 7015/2300/3100 mm
Radstand 3600 mm
Wendekreis 13,50 m
Leergewicht/Zuladung 2900/1300 kg
Anhängelast (gebremst) 2000 kg
Anhängelast (ungebremst) 750 kg
Anzahl Sitzplätze 4
Liegefläche L/B 1,50 x 2,00 m (vorn), 1,30 x 1,90 m (hinten)
Frisch-/Abwassertank 130/100 l
Kühlschrank und Tiefkühlfach 130/35 l
Zweiflammen-Kochfeld und Backofen Gasbetrieb
Spülbecken mit Zweihebelwassermischer
Bordbatterie 12 V 95 Ah
Externer Stromanschluss 230 V
Neupreis 1994 ca. 85.000 D-Mark
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Gemütliche Retro-Atmosphäre im Wohnraum

Das Raumgefühl verdient das Prädikat luftig. Durch ein breites Fenster kommt viel Tageslicht. Zum Schlafsofa weiter hinten ist eine deckenhohe Trennwand verbaut.

Das hat er: Unter seiner gefälligen Außenhaut bietet der Vollintegrierte einen bewährten Grundriss mit cleveren Details: Über den Vordersitzen befindet sich ein großzügiges Doppelbett, welches sich bei Bedarf innerhalb von Sekunden ohne großen Aufwand von der Decke absenken lässt. Dahinter folgen auf der Fahrerseite eine L-förmige Sitzgruppe und ein Schlafsofa. Gegenüber befindet sich die äußerst geräumige Küchenzeile. Abschließendes Highlight ist das geräumige Bad im Heck mit separater Duschkabine. Stilistisch erinnert es nicht von ungefähr an den Bootsbau, zeigt sich bei dem von uns gecheckten Mobil aber leider stark pflegebedürftig. Ansonsten passt das (erkennbar betagte) Ambiente: Warme Holzfarbtöne, massive Möbelfronten und geschickt eingearbeitete Intarsienakzente schaffen eine gemütliche Retro-Atmosphäre und würden theoretisch sogar in einem älteren toskanischen Ferienhaus eine bella figura machen. Weitere Sympathiepunkte sammelt der preiswerte Mobilvetta bei uns mit seiner Küche: Hochwertig emaillierte Oberflächen, ein großzügig dimensionierter Kühlschrank samt Tiefkühlfach und eine Deckenbelüftung sind selbst heute nicht selbstverständlich. Dank des bordeigenen Backofens wäre sogar ein geselliger Kochabend inklusive Pizza Mobilvetta drin.

Stärken Schwächen
- hochwertiger Möbelausbau - angespannte Ersatzteilsituation
- großzügiges Heckbad - schwache Fahrleistungen
- komplett ausgestattete Küche - Risiko von Feuchtigkeitsschäden
- robustes Iveco-Fahrgestell - veraltete Emissionsklasse (S 1)
- moderates Gebrauchtpreisniveau

Die Bedienung erfordert Muskelkraft

So fährt er: Sein Hartplastik-Cockpit macht jeden Kilometer hinter der Breitband-Windschutzscheibe zu einer Zeitreise in die frühen Achtziger. Auch die Bedienkräfte von Lenkung, Bremse (kein ABS oder ESP!) und Schaltgetriebe fallen unerhört hoch aus, wenn man sonst an Fahrzeuge aus diesem Jahrtausend gewöhnt ist. Bis zu 4,2 Tonnen Gesamtgewicht machen den einst als kräftig geltenden 116-PS-Turbodiesel zu einem Bergmuffel: Als Rezept gegen endlose Elefantenrennen mit 500-PS-Sattelzügen auf der Autobahn empfehlen wir für den Mobilvetta Yacht 68 dringend nervenschonende Routen über Nebenstraßen. Dann klappt es auch mit einer entspannten Anfahrt in den nächsten Urlaub – vielleicht mal wieder nach Italien?

Mobilvetta Yacht 68 im Wohnmobil-Test

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Kosten: Mobilvetta Yacht 68 (85 kW/116 PS)
Unterhalt
Testverbrauch 14 l Diesel/100 km
CO2 371 g/km
Inspektion ab 400 Euro
Haftpflicht* 282 Euro
Teilkasko* 227 Euro
Vollkasko* 569 Euro
Kfz-Steuer 510 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (40 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent.
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 350 Euro
Anlasser (AT) 580 Euro
Zahnriemen 360 Euro
Wasserpumpe (AT) 500 Euro
Bremsscheiben und -klötze, vorne 420 Euro
6 Reifen 195/65R16C 700 Euro
**Preise inkl. Arbeitslohn bei Markenwerkstatt, freie Werkstätten günstiger

Lars Jakumeit

Fazit

Konzept und Anmutung des Yacht 68 können auch nach einem Vierteljahrhundert noch begeistern. Realistisch sollte man jedoch nur als Selbstschrauber mit finanziellem Polster zuschlagen. Fahrverbote könnten zudem künftig den Aktionsradius einschränken. Urteil: drei von fünf Punkten.

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