Morgan Threewheeler: Fahrbericht
Der hat doch 'n Rad ab

Im Sitz des neuen Threewheeler wird offen fahren eine Spur verrückter: Der Morgan ist eine Kreuzung aus Dreirad und Spielzeug für große Jungs. AUTO BILD hat es ausprobiert.
- Joachim Staat
Die Hand fährt nach vorn, zwischen die beiden Instrumente. Mit dem Mittelfinger die kleine Lasche hochschnippen, der Zeigefinger sucht den darunter versteckten Druckknopf. Feuer! Ach, es wird jedes Mal ein herrlicher, erhebender Herzenshüpfer sein, wenn vorn der Motor loshustet, wenn die beiden luftgekühlten Pötte zu tanzen beginnen und erste blaue Wölkchen aus den Auspuffrohren schießen, als wär's eine Spitfire. Wundern wir uns also nicht weiter, wenn der Mann hinterm Steuer langsam träumt, vor ihm drehe sich ein Propeller. Steht da links vielleicht ein Flugzeugmechaniker und gibt mit rudernden Armen das Zeichen "Start frei"? Absolut gaga, aber lassen wir ihn. Der Mann ist längst im eigenen Spielfilm versunken.
Überblick: Alle News und Tests zum Morgan Threewheeler

Männerspielzeug: Der Morgan hat was von einer Seifenkiste, die richtig viel Dampf hat.
Bild: Toni Bader
Überblick: Alle News und Tests zu Morgan

Sieht verdächtig nach Harley aus: Der Morgen wird von einem 115-PS-V2 in Fahrt gebracht.
Bild: Toni Bader
Aber genau das ist heute wieder hochmodern. Morgan lässt alles weg, was man zum Fahren nicht braucht: Das Dreirad soll nur 495 Kilo wiegen. Lutz Leberfinger reibt sich schon die Hände: "Ich wette, der geht in viereinhalb Sekunden auf 100 km/h!" So schnell wie das aktuelle Topmodell, der Aero 8. Na ja, Wetten gehören zu England wie Regen (den mag kein Morgan) und gebackene Bohnen. Was Leberfinger nicht sagt: Viereinhalb Sekunden müssen sich im Threewheeler, wo der Hintern quasi überm Asphalt radiert, anfühlen wie zwei Sekunden. Der Fahrer peilt über die kleinen Glasscheibchen auf die dürren Vorderräder, auf die nächste Kurve, mit Vertrauen auf die Physik: Die neue Vorderachse mit doppelten Dreieckquerlenkern hat gute 1,70 Meter Spurweite, und der 195er-Hinterreifen schmiert eher weg, als dass das Dreirad – Angst aller Novizen! – umkippt. Keine Angst: Der kippt nicht.
Eingeweihte berichten von haarsträubenden Kurvengeschwindigkeiten, und als Morgan seinen Jüngsten gerade in Goodwood vorstellte, da qualmte es blau vom verbrannten Gummi. Dabei braucht es gar keinen Speed, um den Kitzel im Threewheeler zu spüren. Der Reiz beginnt schon beim Einfädeln in den dünnen Rumpf – oder sogar davor, mit dem persönlichen Ausschmücken des Asphalt-Fliegers. Die Firma aus Malvern Link, bislang nicht unbedingt bekannt für kreatives Merchandising, bietet ungewohnte Aufkleber, sogenannte Graphic Packs: ein aufgerissenes Haifischmaul, die Kokarde der Royal Air Force oder (gemalte) Einschusslöcher für 140 Euro. Rad ab? Die wollen nur spielen, die Briten. Oder nennen wir's doch einfach: Level 2 für Threewheeler-Piloten.
Eingeweihte berichten von haarsträubenden Kurvengeschwindigkeiten, und als Morgan seinen Jüngsten gerade in Goodwood vorstellte, da qualmte es blau vom verbrannten Gummi. Dabei braucht es gar keinen Speed, um den Kitzel im Threewheeler zu spüren. Der Reiz beginnt schon beim Einfädeln in den dünnen Rumpf – oder sogar davor, mit dem persönlichen Ausschmücken des Asphalt-Fliegers. Die Firma aus Malvern Link, bislang nicht unbedingt bekannt für kreatives Merchandising, bietet ungewohnte Aufkleber, sogenannte Graphic Packs: ein aufgerissenes Haifischmaul, die Kokarde der Royal Air Force oder (gemalte) Einschusslöcher für 140 Euro. Rad ab? Die wollen nur spielen, die Briten. Oder nennen wir's doch einfach: Level 2 für Threewheeler-Piloten.
Technische Daten Morgan Threewheeler • Zweizylinder V-Motor, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1917 cm³ • Leistung 85 kW (115 PS) • Hinterradantrieb • Fünfgang manuell • Leergewicht ca. 495 kg • Kofferraum vorn/hinten ca. 50/30 l • L/B/H 3000/1750/1100 mm • Spitze 185 km/h • 0–100 km/h 4,5 s • Tankinhalt ca. 40 l • Verbrauch EU-Mix ca. 4–6 l Super/100 km • CO2 95–142 g/km • Preis ab 39.800 Euro.
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