Motorrad-WM 2007
Zweiradkönig Rocky Balboa

Zur Feier seiner Titelgewinne verkleidet sich Jorge Lorenzo schon mal als Popsänger oder als römischer Legionär. Diesmal erschien er als Filmheld Rocky Balboa auf dem Podest – mit Gürtel, Umhang und goldenen Boxhandschuhen.
- Nikolaus Nowak
Jorge Lorenzo ist bereits zum zweiten Mal Motorrad-Weltmeister in der 250-Kubikzentimeter-Klasse. Bereits vor dem Saisonfinale am Wochenende in Valencia steht der 20-Jährige Aprilia-Pilot als Erster der Gesamtwertung fest – vor seinen Erzrivalen Andrea Dovizioso auf Honda, den er schon 2006 bezwungen hatte. In seiner Heimat Mallorca ist er nun neben dem Tennisstar Rafael Nadal aus Manacor ein Nationalheld. Seinen zweiten Weltmeistertitel in Folge feierte die Balearen-Regierung als großes Volksfest. Ein Motorradkorso geleitete den Star vom Flughafen durch Palma. Souverän ließ Lorenzo nach dem Rennen verlauten: "Wenn man älter ist, genießt man die Siege viel mehr." Zwar habe jeder Rennfahrer "ein wenig Angst", aber diesmal "ging es ganz einfach". Der "Junge mit dem Lolli", als der Lorenzo wegen seines Sponsors, des katalanischen Lutscher-Herstellers Cupachups, bekannt wurde, reift nun auch sportlich. In der kommenden Saison tritt er mit Yamaha in der Königsklasse Moto-GP mit Motoren bis 800 Kubikzentimetern Hubraum an. "Ich habe die Yamaha schon ausprobiert", frohlockte Lorenzo nach dem Sieg. "Sie war nicht schwer zu fahren, aber es kommt sehr auf die Reifen an." Bei seinem bisherigen Team gab es Abschiedstränen: "Es tut weh, das Team zu verlassen", sagte Lorenzo. "Das war eine prägende Zeit für mich."

Internationaler Start nur mit Sondergenehmigung
Mit elf Jahren gewann Lorenzo in der 50-Kubikzentimeter-Klasse fünf von sechs Rennen, ein Jahr später wurde er Meister in der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Mit 14 durfte er mit einer Sondergenehmigung auf europäischer Ebene antreten, mit 15 Jahren wurde er der jüngste Fahrer der Geschichte, der in der Weltmeisterschaft punktete. 2003, mit 16 Jahren, fuhr er in Brasilien seinen ersten internationalen Sieg ein, mit 18 wechselte er zu den 250er-Maschinen – und erhielt endlich den Führerschein. Die Karriere verlief aber nicht reibungslos. Nach der Trennung der Eltern kam es auch zum Streit zwischen Amatriain und seinem Vater. Nachdem der Trainer 2006 den von Vater Chicho eingesetzten Psychologen des Rennfahrers gefeuert hatte, warf ihm der Vater Ausbeutung und Selbstbereicherung vor. Jorge Lorenzo werde ausgepresst und unverantwortlich unter Druck gesetzt, so der Vorwurf. Amatriain reichte Verleumdungsklage ein, Jorge Lorenzo gab im Juni 2006 öffentlich die berufliche Trennung von seinem Vater bekannt. Seine Leistungen litten nicht. Nun orientiert sich Lorenzo an Filmidolen. "Rocky Balboa steht für den Willen, sich selbst zu übertreffen", sagt Lorenzo, "auch wenn man weiß, dass man schon der Beste ist."
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