MTM RS 3 R: getunter Audi im Test
Nachgeschärfter Audi RS 3 mit 653 PS und 750 Nm Drehmoment

Ist der MTM RS 3 R dank Leistungskur und Rennfahrwerk auf der Rundstrecke so schnell wie ein waschechter Sportwagen? Der Power-Audi im Einzeltest!
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Nicht kleckern, sondern klotzen. Nichts anderes kennen wir vom Tuner nahe Ingolstadt. Klar, der Mayer hat auch die kleinen Leistungssteigerungen im Angebot und bedient auch jene, die nur Optik statt Performance wollen. Doch einmal im Jahr packen die Bayern die Keule aus und zeigen der Tuner- und Sportwagen-Elite, wie so ein Audi gehen kann.
Wir erinnern uns nur an 2022, als MTM den ab Werk eher schüchternen Audi S3 Sportback mal eben von 310 auf 528 PS umstrickte, dazu 265er-Pellen vorn aufschnallte, ihn innen leerräumte, Bügel und Vollschalen einbaute und den damals neuen RS 3 bügelte. Da dachten wir schon: Wenn der Mayer den neuen RS 3 in die Finger bekommt, oh mein Gott.
Und so kam es auch, im August 2023 trat MTM mit einer RS 3 Limousine zum Conti Highspeed-Event "Papenburg 3000" an und deklassierte alle Teilnehmer mit 314 km/h Topspeed, wohlgemerkt nach 3000 Metern, stehend gestartet. Ein paar Wochen später trudelte dann auch das KW-V4-Clubsport-Fahrwerk in Wettstetten ein, einem Einsatz auf dem Sachsenring stand nichts mehr im Wege.
MTM holt aus dem Audi-Fünfzylinder 253 PS
Doch bevor wir einsteigen, noch kurz die Technik: Wie hat der Mayer zusätzliche 253 PS aus dem Fünfzylinder herausgekitzelt? Nun, generell ist das 2,5-Liter-Aggregat einer der standfestesten Sportmotoren hierzulande. Er wird, ohne groß die Innereien anzufassen, in Rennwagen eingesetzt.

Monster-Motor im MTM RS 3 R! 253 PS mehr Leistung, per neuem Turbolader und heftig zwitschernder Luftansaugung.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
MTM verbaut einen größeren Turbolader mit neuem Verdichtergehäuse und verstärkten Lagern, dazu eine verbesserte Getriebeentlüftung, ein optimiertes Saugrohroberteil sowie mehrere ansaugseitige Optimierungen. Der Motor wird durch geänderte Kolben und Pleuel verstärkt.
Was noch? Größerer Ladeluftkühler und eine Auspuffanlage mit optimiertem Vorrohr, Partikelfilter sowie 300-Zellen-Kats. Die Elektronik noch schnell am eigenen Prüfstand abgestimmt, fertig. Das V4-Fahrwerk wurde nach KW-Angaben auf den Sachsenring getrimmt, dazu Michelin Cup 2 in Seriendimensionen, vorn breiter als hinten, Serien-Keramikstopper, das war es.

Am von Haus aus wertigen Sportinterieur des Audi RS 3 gibt's von MTM nichts zu verbessern.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Alltag? Na ja, die Ringabstimmung können wir unterschreiben, von Komfort kann man aber nicht reden. Doch es tut nicht weh, Autobahn, sofern sie aalglatt ist, macht Laune. Vor allem dann, wenn man bei Tempo 220 noch mal auf den Pinsel tritt und die Limo mir nichts, dir nichts auf 330 schnippt.
Sound? Trotz Serienendschalldämpfer ist der Beat deutlich volumiger. Was süchtig macht, ist das Geschnaube und Gepuste von Turbo und Ansauganlage.
Mit dem MTM RS 3 R auf die Teststrecke
Und was geht mit 653 PS geradeaus? In Papenburg startete man ohne Launch Control, zum Test wird die Starthilfe aber aktiviert. Die 3,1 Sekunden auf 100 sind noch nicht das, was man bei der Leistung erwartet. Da sprechen die 10,2 Sekunden auf 200 (Serie 13,3 s) schon eine deutlichere Sprache.

253 PS mehr als die Serie und nur zwei Sekunden schneller? In den Kurven ist der MTM-Audi tatsächlich nur minimal fixer unterwegs.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Dass der größere Lader Drehzahlen liebt, merkt man nicht nur im Alltag, sondern auch bei den Elastizitätsmessungen. Hier verliert er nicht Zehntel, sondern Sekunden auf das Serienauto. Unter 4000 passiert nicht viel, erst dann bläht sich der Lader auf. Am besten immer bei Laune halten, dann klappt es auch mit dem schnellen Überholen.
Ab zum Sachsenring, es gilt, die 1:34,93 Min. des Werksautos zu unterbieten. Bei 653 PS und dem Setup orakelt man locker von drei bis vier Sekunden schnelleren Rundenzeiten. Doch es stellt sich heraus, dass die Werks-Pirelli-Trofeo-R einen Tick mehr Grip auf der einen schnellen Runde haben als die von MTM gewählten Cup 2. So kann der RS 3 seine Fahrwerks-Performance in den kurvigen Sektionen nicht in einen großen Vorsprung umwandeln.
Erst auf den Speed-Etappen fährt er dem Serienauto davon. Die 1:32er-Runde ist dennoch aller Ehren wert, in der Region fahren Lamborghini Huracán, Audi R8 V10 Performance und Porsche Cayman GT4. Doch mit noch mehr Grip müsste eine 1:30er-Zeit drin sein.
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