Der Audi S4 Avant hat ein ausgeglichenes, sanftes Wesen. Ansprechende Fahrdynamik, geschmeidiger Komfort und gutes Platzangebot bilden ein harmonisches Ganzes. Auch sonst erlaubt sich dieser softsportliche Gentleman keine Ausrutscher: Er ist allseits beliebt, eckt selten an, macht kaum Krawall, raucht nicht und trinkt höchstens am Wochenende mal einen über den Durst.

MTM belässt es komplett bei der Serienoptik

MTM S4 Avant
Zulage: Dank Zusatzsteuergerät und Metallkat kommt der Dreiliter-V6 im MTM S4 auf 425 PS und 590 Nm.
Wem so viel Selbstbeherrschung nach einer Weile auf den Keks geht, der sollte seinen allradgetriebenen Musterschüler für ein paar Tage zur Auswilderung ins bayerische Wettstetten bringen. Nicht, dass sie ihm im MTM-Bootcamp das Lärmen, Qualmen und Saufen beibrächten; nein, nein, dort wird gezielt an seiner Schlagkraft und Beinarbeit gefeilt. Ein Zusatzsteuergerät (M-Cantronic) sowie ein staudruckmindernder Metallkatalysator mit zweimal 200 Zellen (Serie: 600 Zellen) steigern den Punch des Dreiliter-Singleturbos von 500 Nm und 354 PS auf beachtliche 590 Nm und 425 PS, dazu gibt’s ein KW-Gewindefahrwerk und 20-Zoll-Räder mit klebrigen Michelin Pilot Super Sport. Zum Nachtisch werden noch ein paar Endrohre im Carbonmantel gereicht, fertig. Keine Spoiler, keine Folien, kein Schnickschnack.

Untersteuern ist dem MTM S4 Avant fremd

MTM S4 Avant
Vorsprung durch Tuning: Dem Serien-S4 Avant knöpft der MTM bis Tempo 100 vier Zehntel ab.
Wir messen: 4,5 Sekunden bis 100 km/h, das sind immerhin vier Zehntel weniger, als das Serienmodell benötigt. Bis 200 km/h summiert sich der Vorsprung auf 1,6 Sekunden. Ein Leistungsplus ist also vorhanden, wenngleich wir uns von 71 PS noch etwas mehr erhofft hätten. Dafür macht der MTM mit seinen etwas breiteren Reifen auch auf der Bremse ein, zwei Meter gut. Das KW-Gewindefahrwerk Variante 3 reduziert die Aufbaubewegungen spürbar und gestaltet das Handling des MTM gegenüber dem beileibe nicht ungelenkigen Serienmodell – hier wie da mit optionalem Sportdifferenzial inklusive Torque Vectoring – noch unmittelbarer. Untersteuern ist dem MTM S4 Avant fremd, mit Verve stürzt er sich in die Kurve und umrundet sie bestechend neutral, geführt an der ebenso exakten wie mitteilsamen Lenkung. Grip ist dank Allradantrieb und Michelins in Hülle und Fülle vorhanden, die erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten sind beeindruckend.Trotz Tieferlegung und 20-Zoll-Bereifung bleibt der Federungskomfort aber vollauf alltagstauglich, das Fahrwerk spricht fein an, und nur grobe Verwerfungen werden deutlicher an die Insassen durchgereicht als in der Serie. Der Auspuffsound ist wegen des durchsatzfreudigeren Metallkats etwas verruchter geworden, gleitet aber nie ins Obszöne ab. Seine guten Manieren hat der S4 Avant durch die MTM-Kur also nicht abgelegt, in jedem Fall aber an Durchsetzungsstärke gewonnen.

Fazit

MTM verzichtet auf Lametta, dreht lieber an den richtigen Schrauben: Leistung, Fahrwerk, Räder. Der ab Werk schon sehr gut funktionierende S4 Avant wird dadurch messbar schneller und im Handling noch agiler, ohne dass die Alltagstauglichkeit darunter leidet. Auftritt und Klang bleiben unaufdringlich – wie es sich für einen distinguierten Gentleman gehört.