Nachhaltige Soja-Reifen von Goodyear
Kann man aus Soja Reifen machen?

Autoreifen werden überwiegend aus Erdöl hergestellt. Zuletzt präsentierte die US-Reifenmarke Goodyear einen neuen Pneu, der 90 Prozent nachhaltige Materialien enthält, auch mit Soja! Wann kommt der Öko-Reifen?
Bild: Goodyear
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Goodyear plant einen Öko-Reifen, der zu 100 Prozent aus nachhaltigem Material besteht. Im Gespräch war ein Reifen auf Soja-Basis. Offenbar sind die Probleme, die es dabei zu lösen gibt, größer als erwartet, denn nun hat Goodyear das Ziel heruntergeschraubt: Ursprünglich wollte der Reifenhersteller den kompletten Öko-Reifen bis 2030 auf den Markt zu bringen, nun ist von einem Anteil von 90 Prozent die Rede.
Vergangenes Jahr auf der Technologie-Messe CES Las Vegas hatte der US-Reifenhersteller als sichtbares Zeichen seiner Bemühungen einen Demonstrator-Reifen präsentiert, der bereits diese Bedingungen erfüllt. Für diesen grünen Reifen wird Erdöl als Grundlage teilweise durch Sojaöl ersetzt. Der Öko-Pneu hat nach Angaben Goodyears bereits alle vorgeschriebenen behördlichen sowie die internen Goodyear-Tests durchlaufen und bestanden.
Doch bis so ein Produkt großserienreif und also marktfähig ist, ist es noch ein weiter Weg. Das hat Goodyear leicht verklausuliert auf eine Anfrage von AUTO BILD hin mitgeteilt. Es sei "eine weitere Zusammenarbeit mit der Zulieferbasis des Unternehmens erforderlich, um den Umfang zu ermitteln, der für die Produktion dieses speziellen Reifens in großen Mengen mit diesen innovativen Materialien erforderlich ist." Übersetzt heißt das: Weder Goodyear noch seine Zulieferer wissen bisher exakt, wie viel Recyclingmaterial für die Öko-Reifen überhaupt benötigt wird. Ganz zu schweigen davon, ob Material in den benötigten Mengen überhaupt lieferbar ist.
Furore machte seinerzeit die Nachricht, dass der Demonstrator-Reifen, den Goodyear auf der CES 2023 zeigte, auf Basis von Sojaöl hergestellt war. Doch Sojaöl, das Erdöl als Basisrohstoff für die Reifenproduktion ersetzen soll, ist nur eines von vielen Öko-Materialien in der Rezeptur.

Bis spätestens 2030 will Goodyear einen Reifen präsentieren, der zu 100 Prozent aus nachhaltigem Material produziert wurde.
Bild: Goodyear
Die aktuelle Definition des Herstellers: Nachhaltig sei "ein Material, das biobasiert, erneuerbar oder recycelt ist; oder ein Material, das unter Verwendung anderer Verfahren hergestellt wurde, die dazu beitragen, die Ressourcenschonung und/oder die Emissionsreduzierung zu fördern."
Zu den verwendeten Öko-Materialen gehören damit Recycling-Stahl, Recycling-Kunststoffe, Naturharze und umweltfreundliche Keselsäure aus Reishülsenabfällen. Daneben testet Goodyear in seiner Forschungsabteilung beständig weitere Materialien, die als Ersatz für Stoffe auf fossiler Basis oder mit umweltschädlichen Auswirkungen dienen könnten.
Um Erdöl komplett zu ersetzen, nimmt sich Goodyear etwas mehr Zeit: Bis 2040, so das Ziel, will der Reifenhersteller Erdöl komplett durch biobasierte Öle ersetzt haben. Allein im Jahr 2028 sei der Anteil biobasierter Öle am gesamten Öl-Verbrauch des Unternehmens um 28 Prozent gestiegen.
Der Anteil von Sojaöl stieg im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr um 89 Prozent. Das verwendete Sojaöl stammt nicht aus der Lebensmittelproduktion. Es handelt sich laut Hersteller "um einen Überschuss, der über Lebensmittelanwendungen hinaus verfügbar ist". Indem Goodyear diese Quelle hervorhebt, reagiert das Unternehmen auf die "Tank-oder-Teller"-Debatte, laut der biobasierte Produkte im Mobilitätsbereich verdächtigt werden, dem Lebensmittelmarkt zu fehlen und somit für Preissteigerungen sorgen.
Bei der Produktion von Lebens- und Futtermitteln werden zwar nahezu 100 Prozent des Sojaproteins verbraucht, doch es bleibt sozusagen als Abfallprodukt ein erheblicher Ölüberschuss übrig. Der steht für den Einsatz in industriellen Anwendungen wie etwa der Reifenproduktion zur Verfügung.
Offenbar nicht. Denn Goodyear windet sich um diese AUTO BILD-Anfrage wie ein Reifen um die Kurve. "Um die nachhaltige Materialnutzung von Goodyear voranzutreiben, arbeiten unsere Entwicklungsteams daran, neue alternative Rohstoffe zu untersuchen und innovative Lösungen zu integrieren."
Eine Ausnahme scheint umweltfreundliche Kieselsäure aus Reishülsenabfällen (RHA). Dieses Abfallprodukt in der Reisverarbeitung wird bereits seit längerer Zeit für Goodyear-Reifen genutzt. Zu welchem Anteil, teilt der Hersteller nicht mit. Aber: "Wir arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen, um eine noch umfassendere Verwendung von RHA-Kieselsäure zu prüfen", so Goodyear gegenüber AUTO BILD.
- Sojaöl ersetzt in dem Demonstrator teilweise das Erdöl. Das Sojaöl trägt dazu bei, die Gummimischung des Reifens bei wechselnden Temperaturen flexibel zu halten.
- Silica wird in der Reifenproduktion verwendet, um den Grip zu verbessern. Der Goodyear-Konzeptreifen enthält eine hochwertige Kieselsäure, die aus Reishülsenabfällen (RHA-Kieselsäure) hergestellt wird, einem Nebenprodukt der Reisverarbeitung, das oft auf Deponien entsorgt wird.
- Harze werden verwendet, um die Traktion der Reifen zu verbessern. In diesem Konzeptreifen werden traditionelle Harze auf Erdölbasis durch natürliche Kiefernharze ersetzt.
- Unter der Lauffläche eines Autoreifens befinden sich flexible Kunstfaser-Gewebe. Diese Cords genannten Stränge machen den Reifen fester und haltbarer. Für den Demonstrator-Reifen hat Goodyear Cords aus recycelten Ein- und Mehrweg-Flaschen genutzt. (Der große Reifen-Ratgeber von AUTO BILD.)
- Drähte und Stahlseile verstärken die Struktur eines Radialreifens. Der Goodyear-Konzeptreifen verwendet Stahl mit hohem Recyclinganteil. Denn durch den Einsatz des Elektrolichtbogenofenverfahrens (EAF) kann Stahl mit reduziertem Energieverbrauch und höherem Recyclinganteil hergestellt werden.
Goodyear will mit der Initiative zum Öko-Vorreiter der Reifenbranche werden. Die Umstellung auf nachhaltige Materialien zeigt sich bereits in einigen der aktuellen Produktlinien von Goodyear. So enthalten schon heute acht Produktlinien und einige Rennreifen Sojaöl. Darüber hinaus hat Goodyear den Einsatz von RHA-Kieselsäure in seinen Produktlinien seit 2018 mehr als verdoppelt.
Mit der Einführung eines Reifens mit bis zu 70 Prozent nachhaltigem Materialanteil zeigt Goodyear mit innovativen Lösungen ein konkretes Engagement für den Aufbau einer nachhaltigen Mobilität.
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