Skoda: Neue Start-up-Ideen

Neu bei Skoda: Freie Parkplätze, Noise-Cancelling und EKG-to-go

Diese neuen Features bekommt Skoda

So schlau ist Skoda: Eine App, die in die Parkplatz-Glaskugel schaut, gibt es schon, Noise-Cancelling und ein mobiler Gesundheits-Check könnten bald folgen.
Abstandstempomat, Massagesitze oder Online-Navigationssystem: Viele Sonderausstattungen machen das Autofahren sicherer oder angenehmer – und spülen gleichzeitig Geld in die Kassen der Autobauer. Damit das auch in Zukunft so bleibt, sind die Hersteller immer auf der Suche nach neuen Ideen. Die kommen jedoch häufig nicht mehr aus den eigenen Reihen, sondern von High-Tech-Start-ups! Wer ganz nah an den neuesten Trends und Ideen dran sein will, muss nach Tel Aviv gehen. Israel hat das Silicon Valley als Taktgeber längst verdrängt: Rund 6000 Start-ups gibt es hier, über zehn Prozent davon beschäftigen sich mit dem Thema Mobilität. Das hat auch Skoda erkannt, und vor knapp zwei Jahren ein DigiLab in Tel Aviv gegründet. Die Arbeit der Ideen-Scouts zeigt jetzt erste Früchte.

Parkplatz-Glaskugel

Die Citymove-App kann vorhersehen, wo ein Parkplatz frei wird.

©Skoda

Vor kurzem bereits in Serie gegangen, ist die Skoda-App Citymove, die zusammen mit Anagog entwickelt wurde. Das Start-up hat sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert und einen Algorithmus ausgetüftelt, der die Unmengen an Daten, die jedes Smartphone ohnehin ständig produziert, geschickt auswertet: Das GPS weiß, wo wir sind, der Bewegungssensor erkennt, ob wir fahren, radeln oder laufen, das Barometer kann sogar bestimmen, in welchem Stockwerk wir uns befinden – und es werden noch viel mehr Informationen zusammengetragen.
Daraus lässt sich zum Beispiel ableiten, wann ein von uns besetzter Parkplatz wieder frei wird: Wer seinen Wagen abstellt, ins Büro geht und sich zur üblichen Feierabend-Zeit wieder in Richtung Auto aufmacht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach gleich nach Hause fahren. Dieses Information verbreitet die Citymove-App (vorerst nur in Prag) an Nutzer, die in dieser Gegend gleich einen Parkplatz benötigen. Eine Technik, die auch Mercedes ziemlich spannend findet: Neben Skoda hat sich auch Daimler Anteile an Anagog gesichert. 

Kein Lärm mehr im Auto

Noch ist es nur ein Demonstrator, doch die Technik funktioniert: Beide hören unterschiediche Musik und bekommen nichts vom Nachbar-Sound mit.

©Skoda

In den letzten Zügen der Entwicklung liegt nach eigenen Angaben ein Noise-Cancelling-System fürs Auto, das Skoda mit Silentium entwickelt. Per Gegenschall werden über die herkömmlichen Fahrzeuglautsprecher störende Geräusche vom Motor, aber zum Beispiel auch von der Klimaanlage unterdrückt. Die Idee ist nicht neu, vor allem Bose macht es seit Jahren mit seinen Kopfhörern vor und hat Anfang 2019 selbst eine Anwendung im Auto vorgestellt, will damit aber nicht vor 2021 auf den Markt kommen.
Gut möglich also, dass Skoda vorher an den Start geht. Außerdem arbeitet Silentium nicht nur an der Lärm-Unterdrückung, sondern will es zukünftig allen Insassen ermöglichen, ihre eigene Musik zu hören, ohne dass die anderen davon etwas mitbekommen. Um das zu perfektionieren, sind lediglich ein paar extra Boxen in den Kopfstützen oder im Dachhimmel nötig, den Rest übernimmt auch hier die Software – und das nach einem ersten Probehören schon ziemlich gut.

EKG per Kamera

Die ContinUse-Software misst Vitalfunktionen während der Fahrt per Bildsensor und kann die Daten in einer App ausgeben.

©ContinUse Biometrics

Auch die neue Gesundheits-Überwachung von ContinUse könnte bald Einzug ins Auto halten. Mit einer Kamera überwacht das System die Passagiere, und die im Hintergrund laufende Software vollbringt erstaunliches: Sie errechnet unter anderem Puls, Blutdruck und Atemfrequenz – mit faszinierend hoher Präzision. Anders als der von Ford schon 2011 vorgestellte EKG-Sitz mit Elektroden an der Rückenlehne, erfasst der optische Sensor von ContinUse minimalste Körper-Bewegungen und leitet daraus zahlreiche Vitalfunktionen ab; das soll sogar besser funktionieren, als vergleichbare Radarlösungen.
Für den Nutzer bietet das System die Chance, dass das Auto Klimaanlage, Massagesitz, Beduftung und mehr an die jeweilige Verfassung des Nutzers anpassen kann; wirkt er aufgeregt, könnte das Fahrzeug versuchen, zur Entspannung beizutragen. Ähnliches macht Mercedes bereits in Serie mit dem Energizing Coach, der allerdings die nötigen Vitaldaten von einem Garmin-Tracker am Handgelenk des Fahrers bekommt. Außerdem kann der Vital-Sensor einen medizinischen Notfall frühzeitig erkennen, oder aber Routine-Checks im Auto durchführen und so dem Fahrer den Gang zum Arzt sparen; der könnte, wenn wir einmal autonom unterwegs sind, zur Not auch per Video zugeschaltet werden. Und Skoda bekommt eine weitere Sonderausstattung für die Preisliste: Gut möglich, dass die Technik in Form eines Health-Pakets bald zubuchbar ist.

Autor: Michael Gebhardt

Fotos: Skoda

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