Die EU macht Ernst mit der großen Führerscheinreform. Am Dienstag (21. Oktober) hat das Europaparlament die neuen Regeln endgültig beschlossen. Ziel: weniger Unfälle, mehr Sicherheit und einheitliche Standards in ganz Europa.
Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrstoten halbiert, bis 2050 sogar auf null gesenkt werden. Aktuell sterben in der EU noch knapp 20.000 Menschen pro Jahr im Straßenverkehr.

Führerschein aufs Smartphone – spätestens 2030

Der wohl größte Schritt: Der digitale Führerschein kommt! Künftig soll jeder Autofahrer seinen Lappen direkt auf dem Smartphone abrufen können – gültig in allen EU-Staaten. Wer lieber Plastik in der Hand hat, darf aber weiter eine Karte beantragen.
Der TÜV-Verband mahnt: "In Deutschland liegt noch viel Arbeit vor uns." Gemeint sind die digitalen Prozesse von Antrag bis Ausstellung – die in anderen Ländern bereits deutlich weiter sind.

Keine Pflichtuntersuchung für Senioren

Lange diskutiert, jetzt entschieden: Pflicht-Gesundheitschecks für ältere Fahrer wird es nicht geben. Die EU überlässt es den Mitgliedsstaaten, ob sie freiwillige Tests, Selbstauskünfte oder ärztliche Gutachten verlangen.
Die EU macht den Führerschein moderner, digitaler und einheitlicher.
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Der TÜV-Verband plädiert stattdessen für Rückmeldefahrten mit Fahrlehrern, um Senioren fit am Steuer zu halten.

Führerschein bleibt 15 Jahre gültig

Die neue Führerschein-Gültigkeit wird europaweit vereinheitlicht: 15 Jahre für Pkw und Motorräder, 5 Jahre für Lkw und Busse. Länder dürfen die Fristen verkürzen, etwa bei älteren Fahrern oder wenn der Führerschein zusätzlich als Ausweis dient.

Begleitetes Fahren wird EU-weit erlaubt

Gute Nachrichten für Fahranfänger: Das begleitete Fahren ab 17, das in Deutschland seit Jahren ein Erfolgsmodell ist, wird auf die ganze EU ausgeweitet. Heißt: Künftig darf man auch im Urlaub in Spanien, Italien oder Frankreich hinterm Steuer sitzen – solange der Beifahrer eingetragen ist.
"Das deutsche Erfolgsmodell wird europäisch", freut sich CDU-Verkehrsexperte Jens Gieseke. Außerdem wird die zweijährige Probezeit europaweit Pflicht – inklusive Null-Promillegrenze für Fahranfänger.

Fahrverbot gilt künftig EU-weit

Was Verkehrssünder im Ausland bisher noch gerettet hat, wird jetzt abgeschafft. Fahrverbote gelten künftig in allen EU-Ländern. Wer also etwa in Frankreich betrunken erwischt wird, darf auch in Deutschland nicht mehr fahren.
Die Neuregelung betrifft schwere Verstöße wie Rasen, Trunkenheitsfahrten, Drogen am Steuer oder tödliche Unfälle. Damit sollen notorische Verkehrssünder nicht länger von nationalen Lücken profitieren.

Lkw-Führerschein schon ab 18 – gegen Fahrermangel

Auch für Berufskraftfahrer ändert sich einiges: Das Mindestalter für den Lkw-Führerschein sinkt von 21 auf 18 Jahre, bei Busfahrern von 24 auf 21. Sogar begleitetes Lkw-Fahren ab 17 soll möglich sein – eine Entscheidung, die umstritten ist. Der Verkehrssicherheitsrat warnt vor höheren Risiken und fordert stattdessen bessere Arbeitsbedingungen.
Die Fahrausbildung wird zudem moderner. Künftig müssen alle EU-Fahrschulen stärker auf Ablenkung durch Smartphones, tote Winkel, Assistenzsysteme und den Umgang mit Radfahrern und Fußgängern eingehen. Deutschland ist hier bereits Vorreiter – größere Änderungen sind daher nicht zu erwarten.

Wohnmobile bis 4,25 Tonnen erlaubt

Freie Fahrt für Camper: Wer den Führerschein Klasse B besitzt, darf künftig nach einem Training oder einer Prüfung auch Wohnmobile bis 4,25 Tonnen fahren. Ob es dafür eine echte Prüfung oder nur eine Zusatzschulung braucht, entscheidet jedes Land selbst.
Die EU macht den Führerschein moderner, digitaler und einheitlicher. Senior-Checks bleiben freiwillig, Fahranfänger dürfen europaweit begleitet fahren – und Raser müssen künftig überall zittern. Der Führerschein der Zukunft passt in die Hosentasche – aufs Smartphone natürlich.