Neuer Alkohol-Detektor: So funktioniert er
Wie eine neue Technik Alkohol am Steuer erkennen soll

Wie kann man Alkohol am Steuer effektiv bekämpfen? Ein neuer Alkohol-Detektor vom Zulieferer Magna soll in Zukunft dabei helfen.
Bild: DPA
Die Zahlen sind durchaus alarmierend: Statistiken des Statistischen Bundesamts zeigen, wie gefährlich Alkohol am Steuer in Deutschland ist.
Von den rund 2,4 Millionen Verkehrsunfällen im Jahr 2022 waren 38.771 Fälle, also etwa 1,6 Prozent, auf Alkoholeinfluss zurückzuführen. Allerdings gibt es Grund zur Sorge: Diese Zahl ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen.
Besonders alarmierend ist der Anstieg bei Unfällen mit Verletzten oder Todesfällen. Hier waren 16.800 von 290.000 Unfällen, also 5,8 Prozent, auf Alkohol am Steuer zurückzuführen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Alkoholeinfluss im Straßenverkehr – auch wenn er statistisch gesehen nicht übermäßig häufig vorkommt – dennoch eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, insbesondere bei schweren Unfällen.
CES: großes Interesse an Magnas Alkohol-Detektor
Autohersteller und Zulieferer stehen daher vor neuen Herausforderungen: In den USA könnte bis 2027 durch das Infrastrukturgesetz die Implementierung von Technologien zur Vermeidung von Alkohol am Steuer in Neuwagen verpflichtend werden. In der Europäischen Union wird ab Juli 2024 eine verbindliche Schnittstelle für Alkohol-Interlocks in Neufahrzeugen vorgeschrieben. In Deutschland bleibt der Einbau eines Atemalkohol-Kontrollgeräts laut Deutscher Kommission Elektrotechnik (DKE) vorerst freiwillig.
Das große Interesse an Magnas neuem Alkohol-Detektor auf der Tech-Messe CES zeigt die Relevanz des Themas. Dieses System kombiniert Kameras und Infrarotsensorik und unterscheidet sich von bisherigen Systemen, bei denen aktiv hineingeblasen werden muss. Es arbeitet passiv und ist kaum sichtbar.
Die Schlüsselkomponente, ein Infrarotsensor zur Messung des Alkoholgehalts in der Atemluft, ist an der Lenksäule angebracht. Ein kleines Gebläse zieht beim Einsteigen und Anschnallen genug Atemluft ein, um die Alkoholkonzentration präzise zu bestimmen.
Eine zusätzliche Innenraumkamera stellt sicher, dass die analysierte Luft vom Fahrer und nicht vom Beifahrer stammt. Sie sucht auch nach alkoholtypischen Pupillensignalen, wenn die Promillegrenze überschritten wird.
Wird eine zu hohe Alkoholkonzentration festgestellt, soll das Fahrzeug nach den Plänen der Zulassungsbehörden nicht starten können. In den USA wird diese mögliche Vorschrift allerdings kontrovers diskutiert und als Eingriff in die persönliche Freiheit angesehen.
Erfolgt die Umsetzung in den USA?
Ob die Umsetzung in den USA bis 2027 erfolgt, könnte vom Ausgang der Präsidentenwahl abhängen. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, könnte das von der Biden-Regierung angestoßene Projekt möglicherweise gestoppt werden. Die Experten der DKE, die an der EU-Vorlage beteiligt waren, betonen die Wichtigkeit klarer Gesetze für die Verkehrssicherheit. Sie heben hervor, dass besonders der oft unterschätzte Restalkohol durch solche Systeme aufgedeckt wird, was gerade bei Schulbusfahrern am Morgen einen Sicherheitsgewinn für Fahrgäste und Eltern bedeutet.
Die Wirksamkeit dieser Alkohol-Interlocks zur Unfallvermeidung zeigt sich in Ländern wie Schweden, wo solche Systeme in Behördenfahrzeugen seit 2003 verpflichtend sind. Auch Finnland hat seit 2019 ein entsprechendes Gesetz, und in Dänemark, Frankreich, Belgien, Polen und Österreich werden alkoholempfindliche Wegfahrsperren bei auffälligen Autofahrern eingesetzt, oft in Verbindung mit sozialpsychologischer Betreuung.
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