Was der Mensch als Luxus empfindet, ist nirgendwo genormt. Luxus kann Opulenz sein, weiche Linien, Messingbeschläge und viel Holz. Das ist die eine Perspektive, eine erfolgreiche, gerade im Bereich der Reisemobile. Und es gibt Luxus à la Niesmann+ Bischoff: Hier ist der Raum wichtig, der durch klare Linien nochmals an Weite gewinnt. Eine stringente Funktionalität prägt das Konzept und die Ästhetik.
Der brandneue Arto, der fünfte seit 1998, folgt stilistisch dem iSmove auf Fiat Ducato (2020) und dem Flair auf Iveco Daily, der vor zwei Jahren für Furore sorgte. Mit dem Arto ist das Niesmann+ Bischoff-Trio nun komplett – und die Familienähnlichkeit frappierend. Dazu kommt, dass nirgendwo Arto zu lesen ist. Allein das wirkt diskret und nobel, wir erinnern uns: Wer in den 1970er-Jahren wahre Größe zeigen wollte, bestellte bei seinem Mercedes- Benz oder BMW den Modellschriftzug ganz bewusst ab.

Das ist der Niesmann+Bischoff Arto 78

Ein echter Liner auf Sprinter-Chassis, und zwar der erste, der diesen Namen verdient hat. Das betont Niesmann+Bischoff mit Überzeugung, und sie machen es fest an Größe und Raumgefühl, am Premium-Anspruch und nicht zuletzt an den vielen Spielarten, die der Arto bietet. Zudem bewegt er sich in der 4,5-Tonnen-Klasse, obwohl er fahrbereit nur rund 3230 Kilogramm wiegt.
So wird der Doppelboden richtig praktisch: In ausziehbaren Schubladen warten standardisierte Euroboxen auf Beladung.
Bild: Wim Woeber / AUTO BILD
Für das, was er alles bietet, klingt der Grundpreis sehr attraktiv: 138.990 Euro hat die Reisemobilmanufaktur aus Polch (Rheinland-Pfalz) aufgerufen. Das ist natürlich nur der Anfang der Wahrheit. Denn wer wählt, zahlt am Ende auch: Unser Arto, einer der Ersten, bringt es auf 200.722 Euro, und da ist durchaus noch Luft nach oben.
Ein Problem sieht Niesmann+Bischoff darin nicht, die Stückzahlen korrelieren mit der Nachfrage. Zunächst ist sowieso Warten angesagt: Auf dem Caravan Salon feiert der Arto Premiere, ab Ende des Jahres rollt die Vorserie zu den Händlern, doch eine Auslieferung an Kunden erfolgt erst im Sommer 2025. Es soll genügend Zeit bleiben, um ein maximales Qualitätsniveau zu sichern.
Motorisierung 
Mercedes 415 CDI, Euro VI E 
Leistung 
110 kW (150 PS) bei 3800/min 
Hubraum 
1950 cm3 
Drehmoment 
320 Nm bei 1500/min 
Höchstgeschwindigkeit (zul.) 
100 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Sechsgang/Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
71 l/Diesel + 22 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
7820/2405/3160 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
3288/1212 kg 
Anhängelast (gebr./ungebr.) 
2000/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
138.990 Euro / 200.722 Euro 
Ein klares Konzept, das konsequent bleibt. Dass Hubert Brandl, der Niesmann+Bischoff- Chef, den Charme moderner Alpenhotels liebt, beweist sich im Arto: warmer Filz, rötliches Echtholz, matte Grau- und Anthrazittöne spielen in asketischer Eleganz miteinander.
Im Arto sitzt es sich wie in einer schicken Lounge.
Bild: Wim Woeber / AUTO BILD
Eigentlich wundert es, dass nicht noch irgendwo in einer sehr modernen Feuerstelle ein Kaminfeuer lodert. Dazu passt die dunkel bespannte Decke perfekt, auch wenn sie bereits im Flair und iSmove polarisierte. Es gab potenzielle Kunden, die allein deswegen ohne Kaufabschluss von den Händlerhöfen abzogen. Damit ist nun Schluss: Den Arto wird es von Beginn an auch mit heller Decke geben – auf Wunsch und ohne Aufpreis.
Um in der proklamierten Liner-Klasse zu reüssieren, bringt der Arto hinter den Kulissen viele harte Fakten mit. Dazu zählt sein 300 Liter fassender Frischwassertank, ein knapp 37 Zentimeter hoher, beheizbarer Doppelboden, natürlich die Option auf beinahe unendlich viele Upgrades, die vom Geschirrspüler über eine Kühlschublade bis zur Keramiktoilette mit Feststofftank reichen.
Schöner schlafen: Im Heck lockt ein riesiges Bett.
Bild: Wim Woeber / AUTO BILD
Zudem bietet er eine weitläufige Face-to-Face-Sitzgruppe mit großem Tisch, ein, zwei oder drei Gurtplätze lassen sich dazubuchen. Eine ALDE-Warmwasserheizung gibt es ebenfalls als Option, mit sehr dezent versteckten Konvektoren, auch einen zusätzlichen Wärmetauscher, der im Winter Warmluft durch die Ausströmer im Cockpit pustet. Der Arto heizt mit Gas, und wer keine Flaschen schleppen mag, ordert einen seitlich montierten, 50 Liter großen Gastank (1899 Euro).

Autarkie wichtig beim Arto 78

Auch beim Thema Autarkie fährt der Arto ganz vorn mit. Akkus bis zu 450 Ah kann das Bordsystem integrieren, dazu 660-Watt-Solarmodule. Auch Kommunikation beherrscht der Arto: Über eine App erlaubt der Arto Fernzugriff und -steuerung über die serienmäßige Smart Caravaning Unit. Ein 5G-Router mit Außenantenne und Smart-TV-fähig kommt für 2050 Euro extra an Bord.
Ziemlich umfangreich fällt die Elektrozentrale des Arto aus.
Bild: Wim Woeber / AUTO BILD
Nicht zu vergessen: Wir reden immer noch von einem Sprinter, das ist Transporterklasse, nicht die Lkw-Liga. Wie viel Arbeit Andreas Weiber, Chefentwickler bei Niesmann+Bischoff, mit seinem Team geleistet hat, beweisen verborgene Details. Die frühere Laufbodenplatte aus Holz und Stahlgerüst ist passé, der neue Arto setzt auf ein hochwertiges, leichtes Alu-Sandwich mit XPS-Kern. Um über 300 Kilogramm leichter als sein Vorgänger fällt der neue Arto aus.
Dass selbst die großen Menschen im Arto klarkommen, liegt an seinen Dimensionen. Knapp über zwei Meter Stehhöhe und Innenraumbreite sind Maße, die für einen Sprinter nicht alltäglich sind.

So fährt der Arto 78

Der Sprinter kann's auch hier. Der Stern-Transporter liefert die technische Basis, die ideal mit dem Gesamtkonzept harmoniert. In seiner neuesten Bauart kommt er mit einer Vielfach-Kamera, die beim Rangieren hilft, weil sie überall hinschaut. Verschiedene Assistenten wie aktive Spurhaltung, Bremsen oder Seitenwind helfen auch weniger erfahrenen Piloten, stets entspannt zu bleiben.
LED-Leuchten akzentuieren das Heck des Arto.
Bild: Wim Woeber / AUTO BILD
Dazu kommt seine Neunstufenautomatik (3470 Aufpreis), die smart die Gänge hin- und hersortiert. Mit seinen ebenfalls optionalen 170 PS (2850 Euro, Serie: 150 PS) fehlt es dem 7,82 Meter langen Arto nicht an Leistung. Er fährt sich nahezu spielerisch, angenehm, ausgereift. Er ist ein Reisemobil, das zugleich ein Auto ist, das man gern fährt.
Wie viel Aufwand Niesmann+ Bischoff im Detail betrieben hat, wird dem Neuling spätestens klar, wenn beim Losfahren eine Stimme aus dem Cockpit mahnt: "Möbel links". Dann nämlich hat die zentrale automatische Verriegelung erkannt, dass eine Schublade oder eine Tür erst korrekt geschlossen werden muss.
Auch das zählt zum Luxus des Arto. Und falls Wünsche erlaubt sind, dann wäre es schön, wenn diese Stimme weniger elektronisch krächzte. Und vielleicht sogar einen freundlich formulierten Satz spräche. Vermessen? Vielleicht. Aber es skizziert gut die Liga, in der sich der Arto bewegt.

Fazit

Hilfe, die haben den Liner geschrumpft: Niesmann+Bischoff gelingt tatsächlich Großes im Sprinter- Format. Schon der Vorserienstand kann mit Stil und Finesse überzeugen. Fast alles ist beim Arto möglich, und am Ende steht ein Preis, der die Leistung spiegelt.