Nissan Juke (F16): Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter Juke: Kult oder Kompromiss?

Bild: Ingo Barenschee
Kaum ein SUV-Modell spaltet so sehr wie der Nissan Juke. In seiner zweiten Generation ab 2019 (interne Kennung F16) bleibt der Japaner sich konzeptionell treu: einen dynamisch-extravaganten Auftritt paart er mit konventioneller Technik. Der Juke möchte optisch beeindrucken. Wer jedoch einen besonders praktischen Allrounder sucht, könnte möglicherweise schnell ernüchtert sein. Denn der Nissan ist ein bezahlbarer Kompakt-Crossover, der zwar auffällt, jedoch viel Schein und keine konstruktive Extravaganz bietet.
Enge Verwandtschaft zu Clio und Captur
Das ist er: Der Juke ist ein Paradebeispiel für Lifestyle-Bemühungen im Kompakt-Crossover-Segment. Mit seiner extrovertiert-aggressiven Front und einer nach hinten abfallenden Dachlinie will das 4,21 Meter lange Modell gegen etablierte Kontrahenten wie den VW T-Roc oder Ford Puma mit einer unverwechselbaren Linie punkten – bleibt durch seinen Fokus auf Optik jedoch eher durchschnittlich in Funktionalitätsfragen. Vorn geht das Raumangebot auch für 1,90 Meter große Personen noch in Ordnung, doch den Fond schränkt die abfallende Dachlinie spürbar ein.

Gegenüber dem Ur-Juke hat der Ende 2019 vorgestellte Juke 2 zehn Zentimeter mehr Radstand. Die Frontoptik polarisiert bewusst, das Format fährt irgendwo zwischen Klein- und Kompaktwagen.
Bild: Ingo Barenschee
Technisch ist die zweite Juke-Generation eng mit den Renault Clio und Captur verwandt, was gleichzeitig die Stärken und Schwächen der gemeinsam genutzten CMF-B-Plattform aufzeigt: Sie baut kompakt, ist relativ leicht und in erster Linie auf urbane Ansprüche zugeschnitten. Wer raue Abenteuer abseits geteerter Straßen plant, der könnte vom stets frontgetriebenen Juke jedoch enttäuscht werden.
Technische Daten
DIG-T 114 DCT | DIG-T 117 | 1.6 Hybrid | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder + E-Motor/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 999 cm³ | 999 cm³ | 1598 cm³ |
Leistung | 84 kW (114 PS) bei 5000/min | 86 kW (117 PS) bei 5250/min | 105 kW (143 PS)* bei 5600/min |
Drehmoment | 200 Nm bei 3000/min | 180 Nm bei 1750/min | 148 Nm bei 3200/min |
Höchstgeschw. | 180 km/h | 180 km/h | 166 km/h |
0–100 km/h | 11,8 s | 10,4 s | 10,1 s |
Tank/Kraftstoff | 46 l/Super | 46 l/Super | 46 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Siebengang-DCT/Vorderrad | Sechsgang manuell/Vorderrad | Viergang-Multimode/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4210/1800/1595 mm | 4210/1800/1595 mm | 4210/1800/1595 mm |
Kofferraumvolumen | 422-1305 l | 422-1305 l | 354-1237 l |
Leergewicht/Zuladung | 1286/439 kg | 1182/543 kg | 1400/410 kg |
Der Kostendruck bei der Entwicklung war hoch
Das hat er: Die zweite Juke-Generation hat gegenüber ihrem Vorgänger spürbar an Reife zugelegt. Im Innenraum ist sie routiniert verarbeitet, es finden sich im direkten Sichtbereich einige hinterschäumte Oberflächen. Auch die crossovertypisch leicht erhöhte Sitzposition und die Qualität der Sitze können gefallen. Die zahlreichen Ausstattungsversionen und Sondermodelle wirken arg unübersichtlich. Sie staffeln sich in "Visia", "N-Style", "Acenta", "N-Connecta", "Enigma", "Kiiro", "Tekna" und "Premiere Edition". Richtig nackt ist auch die Basis nicht, sodass sich großzügige Filter auf Online-Suchportalen lohnen. Das Ambiente profitiert generell in den hochwertigen Ausstattungslinien von verbauten Details wie Alcantara- und Ledersitzen deutlich.

Kreuzbraves Cockpit. Runde Luftausströmer und ein abgeflachtes Lenkrad mühen sich um Sportlichkeit.
Bild: Ingo Barenschee
Wie steht es um die Qualität? Unser noch nicht einmal ein Jahr alter Gebrauchter vom Autohus in Gyhum/Bockel (bei Bremen) zeigt keine Knisterneigung, jedoch wirken sein arg konventionelles Cockpitdesign und die manuelle Handbremse, gemessen am Fahrzeugalter, recht altbacken und uninspiriert. Auf der Mittelkonsole thront das Infotainmentsystem: Die mäßige Bedienlogik und die zähe Reaktionszeit können für Frust sorgen. Und selbst hochwertige Ausstattungen können das Gefühl nicht ausräumen, dass der Kostendruck in der Entwicklung hoch war.
Ein 360-Grad-Kamerasystem ist empfehlenswert
So fährt er: Aufgrund seiner überschaubaren Abmessungen geht der Juke eben noch als Stadtflitzer mit charmanter Note durch. Seine leichtgängige Lenkung und das recht agile Fahrwerk machen ihn verblüffend wendig. Allerdings schränken die hohe Fensterlinie und das unübersichtliche Heck den Blick nach außen ein. Sehr empfehlenswert ist aufgrund der eigenwilligen Karosserieform das 360-Grad-Kamerasystem. Nicht voll überzeugen können die dreizylindrigen Turbo-Benziner: Insbesondere beim Anfahren wirken sie träge. Auf zügigen Autobahnetappen ab Richtgeschwindigkeit haben sie außerdem hörbar zu kämpfen. Mit den 1,0 Liter-Downsizing-Motoren (114 PS und 117 PS) ist man daher bestenfalls ausreichend motorisiert.

Kurven meistert der Juke recht talentiert.
Bild: Ingo Barenschee
Moderner und sparsamer ist der als Antriebsupgrade im Sommer 2022 nachgereichte Vollhybrid. Er bringt es auf 143 PS Systemleistung und schöpft diese aus einem 1,6-Liter-Saugbenziner und einem Elektromotor. Damit fährt er besonders in der Stadt erstaunlich effizient. Sportliche Topmotorisierungen wie beim ersten Juke sucht man vergeblich. Größere Vielfalt herrscht bei den Getrieben: Je nach Motorisierung gibt es ein klassisches Schaltgetriebe, einen Siebengang-Doppelkuppler (DCT) oder für den Hybrid ein exotisches 4-Gang-Multi-Mode-Getriebe mit rechnerisch 15 unterschiedlichen Gängen und Modi. Ein Diesel oder eine vollelektrische Variante sind nicht erhältlich.
Und mit möglichen Anhängelasten von bestenfalls 1250 Kilo bleiben praktische Zugfahrzeug-Aufgaben begrenzt. Den Alltag sicherer können je nach Ausstattung diverse mittelprächtig funktionierende Assistenten machen. Es gibt unter anderem Kollisionswarnung, Notbremsassistent inklusive Personenerkennung, Spurhalteassistent mit Warnfunktion, Ausparkassistent, Geschwindigkeitsbegrenzer und einen adaptiven Tempomaten. Der Komfort leidet generell unter dem recht hohen Geräuschniveau.
Stärken
- Individuelles Fahrzeugdesign
- Gute Handlichkeit
- Unterhaltskosten moderat
Schwächen
- Mäßiger Antriebskomfort
- Enger Fahrzeugfond
- Bis zum Facelift einfaches Infotainment
Gravierende Mängel sind selten
Das macht Ärger: Nissan gewährt drei Jahre Neuwagengarantie (bis 100.000 Kilometer), drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Die Zahl gravierender technischer Mängel ist überschaubar, was für eine ordentliche Produktreife spricht. Vereinzelt berichten Juke-Eigner von knackenden Armaturenbrettern, defekten Frontkamerasystemen mit zahlreichen möglichen Folgefehlern bei den Fahrassistenten sowie ausgehakten Gestängen der Türmechanik. Rückbank und Kofferraum können, bedingt durch Wassereinbruch-Probleme am Dach, feucht sein. Das Infotainment kann je nach Softwarestand gelegentlich Totalabstürze oder Funktionsausfälle zeigen. Die Klangqualität des standardmäßigen Soundsystems (ohne Bose) ist eher mäßig. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind drei Rückrufe wegen Mängeln am Fahrerairbag, der Rückenlehnenverriegelungen und der Pedalsoftware hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,3 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 134 g/km |
Inspektion | 250-500 Euro |
Haftpflicht (19)* | 538 Euro |
Teilkasko (22)* | 665 Euro |
Vollkasko (20)* | 1022 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 101 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 747 Euro |
|---|---|
Anlasser | 471 Euro |
Wasserpumpe | 356 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 724 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1256 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 649 Euro |
Infotainmenteinheit | 2116 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/60 R 17 H) | 500 Euro |
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