Über die kugeligen Gehäuse der Zusatzscheinwerfer ist der Blick nach vorn gerichtet. Im Ockergelb des Wüstensands zeichnen sich die Fahrspuren ab. Der sonore, leicht schnorchelnde Sound des 1,6-Liter-Vierzylinders durchbricht unaufgeregt das ständige Prasseln aufgewirbelter Steine in den Radhäusern. Willkommen an Bord des Juke Hybrid Rally Tribute!
Nissan hat’s tatsächlich wahr gemacht und seiner Konzeptstudie Leben einhaucht. Denn vergangenes Jahr war der Offroad-Juke lediglich als charmante Hommage gedacht. Rein digital, aber dafür im Rallye-Design jenes Datsun 240Z, der 1971 die herausfordernde East African Safari gewann. Und noch haarscharf bevor sich dieser Triumph zum 51. Mal jährt, haben uns die Japaner mit dem Kompakt-SUV in die Wüste geschickt.
Nissan Juke
Die 94 PS des 1,6-Liter-Vierzylinders werden mit einem 49 PS starken E-Antrieb und einem Startergenerator (20 PS) gepimpt .

Mitten in Marokko, rund um die Kleinstadt Errachidia, ist Wüste jedoch nicht gleich Wüste: Von purem Sand über felsige Abschnitte, Dünen sowie Steppe mit struppigem Gras und kargen Bäumen ist selbst die weite Landschaft vielseitig. So wie es das Antriebsportfolio werden soll. Diesen Sommer wird der Juke erstmals als Hybrid angeboten. Der steckt natürlich – wie könnte es anders sein – unter der Haube des Wüstenflitzers.

145 PS Systemleistung

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, dieses Auto ist weder ein reinrassiger Rallyebolide noch nach einem Reglement aufgebaut. Deshalb ist es auch verzeihlich, dass die Leistungsdaten überschaubar sind: Der Benziner hat 69 kW (94 PS) und liefert ein maximales Drehmoment von 148 Newtonmetern. Das pimpt der Elektromotor mit seinen maximal 205 Newtonmetern deutlich auf – bei 36 kW (49 PS) Leistung. Und der immerhin 15 kW (20 PS) starke Startergenerator spielt ebenso im Antriebstrio mit. Das macht kombiniert 145 PS Systemleistung.
Im staubigen Nirgendwo bist du damit schnell genug. Achtsamkeit ist gefragt. Tiefe Furchen kreuzen den Weg. Rasch bremsen. Die Nadel des Rundinstruments neben dem Tacho, das die Leistungsaufnahme und -abgabe des Hybridsystems anzeigt, taucht tief in die „Charge“-Skala ab. Die mit nur 1,2 Kilowattstunden vergleichsweise kleine Batterie lädt ausschließlich durch Rekuperation. Während der Rallye-Juke meist elektrisch anfährt, hat der Fahrer keinen Einfluss darauf, wann welcher Motor zum Einsatz kommt. Ein Multimodal-Getriebe mit vier Gängen für den Verbrenner und zwei „Elektro“-Gängen ist der Knotenpunkt des Antriebs.
Nissan Juke
Sicherheit geht vor: Reporter Martin Westerhoff im Cockpit des Rallye-Juke.

Der Vorteil dieses Getriebes: Es kann zwischen verschiedenen Hybridarten – seriell, parallel oder leistungsverzweigt – wechseln. Die Übergänge sind nicht zu spüren. Nur zu hören, wenn der Verbrenner aussetzt. In der Serienversion soll der Juke Hybrid innerorts um etwa 40 Prozent und im kombinierten Verkehr um bis zu 20 Prozent weniger verbrauchen als der 1,0-Liter-Benziner mit 84 kW (114 PS). Das würde kombiniert genau vier Litern auf 100 Kilometer entsprechen.

Juke eine Hommage an seinen Rallye-Urahn

Wie viel wir offroad verbrauchen? Haben wir nicht nachgeprüft. Allein die grobstolligen Reifen im Format 265/70 R 16 tun ihr Übriges, um den Rollwiderstand zu erhöhen. Die hat der kultige Rallye-Ableger neben deutlich mehr Federweg aber nötig, um sich auf dieses Terrain begeben zu können. Trotz des bulligen Auftritts teilt er sich auch den Frontantrieb mit der Serienversion – der bei tiefem Sand schnell an seine Grenzen kommt. Allein deshalb bleibt dieses Auto, was es ist: eine Hommage an seinen Rallye-Urahn. Und ein Vorbote seines Serienbruders, des Nissan Juke mit Hybridantrieb.

Von

Martin Westerhoff