Nissan Pick-up 2.5 Di im Gebrauchtwagentest
Überteuerter Blender

Nissan Pickup 2.5 Di 4x4: ein rundum robuster Typ – mit konstruktiv krankem Motor. Der Gebrauchtwagen-Checker testet ein Exemplar der Version Navara Double Cab. Der ist das genaue Gegenteil.
- Wolfgang Blaube
Erst fällt der grüne Metalliclack ins Auge. Dann, dass er neu ist. Komplett? Tatsächlich, komplett. "War rundum verkratzt", erklärt der Händler. "Jedenfalls", versichert er, "hatte der Nissan keinen Unfall". Der Mann sollte es besser wissen – und vielleicht tut er dies sogar. Denn der Heckbereich kündet deutlich von einer Feindberührung. Die hat ganz klar nichts damit zu tun, dass die lieblos übergeduschte Ladefläche zerkratert ist wie ein Truppenübungsplatz nach dem Herbstmanöver. Unter der Motorhaube sieht der 2005er-Pickup mit Doppelkabine aus wie das Opfer einer Schlammlawine, innen wie ein runtergekommener Bauwagen. Inklusive öligen Flecken und zahlreichen Brandlöchern in den Polstern. Dazu stinkt das Interieur, als herrsche hier Seuchengefahr. Ohne Quaratäne-Overall und Latexhandschuhe auf zur Probefahrt? Soll ja die Abwehrkräfte stärken ...
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Bild: Wolfgang Blaube
Verpfuschtes Facelift
1998 führte Nissan die intern D22 genannte Pick-up-Generation ein. Deren Antrieb: ein recht durstiger, aber sorgenarmer 2,5-Liter-Wirbelkammer-Turbodiesel mit 104 PS. Das große Facelift Anfang 2002 brachte dessen Erben, den 133 PS starken Direkteinspritzer. Und damit massive Probleme. Das kleinere betrifft den unzuverlässigen Öldruck-Kettenspanner, der für teure Motorschäden sorgen kann. Das größere lauert eine Etage tiefer: Mutmaßlich aufgrund zu knappen Kolbenspiels überhitzen die Brenneinheiten zwei und drei, die Folgen sind Kolbenkipper und -klemmer sowie brechende Kolbenbolzen – in der Folge zerschlagen die Pleuel schließlich die Motorblöcke.
Teurer Schaden
Stichwort Deutschland: Dieses Horrorszenario ereignet sich praktisch nur bei Reisetempi über 120 km/h – auf der Autobahn. Dort aber schockierend häufig: Bei unserer Leserbefragung beklagten sage und schreibe 32 Prozent aller Eigner dieses Modells mindestens einen kapitalen Motorschaden – mit Folgekosten, die bisweilen im fünfstelligen Euro-Bereich rangierten. Wobei der eigentliche Skandal darin liegt, dass Nissan den schwerwiegenden Konstruktionsmangel seit 2002 weder eingestanden noch kuriert hat. Im Gegenteil: Die 133-PS-Zeitbombe, die 2005 vom aktuellen Navara (171/174 PS) abgelöst wurde, ist seit 2009 als Modell NP 300 wieder neu und unverändert zu haben.
Finger weg – oder vorsichtig fahren

Bild: Wolfgang Blaube
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