Nissan und Campingbusse? Falls Sie sich jetzt wundern: Das hat Tradition! Und in Ländern wie Australien oder Neuseeland sogar eine an den Bulli heranreichende Verbreitung. Hierzulande fuhr beispielsweise meine Englischlehrerin schon in den Neunzigern ihren Urvan (ein Ahn des Primastar) mit Schwabenmobil-Ausbau im Alltag.

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Ab 2013 baute die Manufaktur Zooom dann ihre Stadtindianer auf dem kleineren NV200, sogar an eine Elektrovariante trauten sich die Schwaben kurze Zeit später. 2018 testeten wir erstmals den Michelangelo, der auf Basis des NV300 bei Westfalia entstand. Und da der aktuelle Primastar ein ähnlich talentierter Nachfolger des NV300 ist, bietet auch er sich für Campingausbauten an.
Nissan Primastar by Dethleffs
Nur wenig länger als ein Mittelklasse-Kombi, wendig und agil.
Bild: Sven Krieger

Wichtigstes Argument dürfte seine kastige Form sein. Sie bringt gerade im Kopfbereich ein paar Zentimeter mehr, wodurch auch das Dachbett fünf Zentimeter breiter ausfällt als das im Platzhirsch California.

Nissan Primastar Seaside: Das ist er

Keiner, der das Rad neu erfinden muss. Sein Ausbau folgt den aus dem Vorgänger-modell bekannten Prinzipien – aber das sind nun mal die, die sich seit Jahrzehnten in der kleinen Campingbus-Klasse bewähren. Fangen wir hinten an: Die große Heckklappe, die auch prima als Regenschutz dient, schwingt weit auf und gibt einen stattlichen Laderaum (1,07 Meter breit) unter der zusammengeklappten Matratze frei. Diese lässt sich komplett ausbauen – ebenso wie die auf stabilen Airlineschienen verschiebbaren Einzelsitze, wodurch der Campingbus fix zum Lastenesel mutieren kann.
Immer installiert bleiben hingegen der unterm Dach hängende Schrank (er trägt auch die Hecklautsprecher), ein Bettauflageteil rechts sowie das raumhohe Möbel links. Dieses beherbergt den kleinen Gaskasten, den Anschluss für die Außendusche, den Frischwassertank, den Bordakku und natürlich mehrere Fächer für die Wäsche. Sie werden mit Rollos oder Türchen verschlossen. Obendrauf gibt’s noch eine Ablage für Kabel.
Nissan Primastar by Dethleffs
Übersichtliches Cockpit mit reichlich Ausstattung, aber teils störrischem Infotainment.
Bild: Sven Krieger

Der vordere, halbhohe Teil des Mobiliars ist dem Kühlen und Kochen vorbehalten. Toll: In der großen Kompressorkühlbox gibt es einen Einhängekorb, der für Ordnung sorgt. Die Kocher-Spüle-Kombi davor ist ausreichend groß und pflegeleicht. Separate Glasabdeckungen vergrößern hier die Arbeitsfläche, in vier Schubladen und einem großen Fach gibt’s Stauraum. Besonders praktisch ist, dass der Tisch nicht nur in seiner Schiene am Küchenblock eingehängt, sondern auch (draußen) frei aufgestellt werden kann. Weniger praktisch: Das Drehen des Fahrersitzes gelingt nur mühsam, denn die Lehne ist so dick, dass sie kaum am Lenkrad vorbeipasst. 
Nissan Primastar by Dethleffs
An den Fenstern hängen Rollos, die Sichtschutz bieten, aber nicht komplett verdunkeln. Viel Licht bringen die LED-Leisten unterm Bett.
Bild: Sven Krieger

Auch das Schließen des Aufstelldachs wird durch die neuen Verschlüsse nicht unbedingt leichter. Sie lassen sich zwar weniger stramm einstellen, doch soll die Dichtung ja auch bei höheren -Geschwindigkeiten fest sitzen. Es muss also ein Kompromiss gefunden werden. Tipp: Wie bei jedem Aufstelldach unbedingt die Tür beim Öffnen und Schließen offen lassen, damit die Luft frei ein- und ausströmen kann. Der Aufstieg ins Dachbett gelingt über Sitzfläche und -lehne leicht. Hier oben ist es luftig und gemütlich, das Bett bequemer als das untere. Beide können mit bis zu 200 Kilogramm belastet werden.

Nissan Primastar Seaside: Das hat er

Die Option, durch zwei zusätzliche Einzelsitze zum Sechssitzer inklusive Isofix und Top-Tether zu werden – interessant für Familien. Zur Serienausstattung gehören der 150-PS-Diesel mit Sechsganggetriebe, Notbrems-, Spurhalte- und Totwinkel-assistent, Rückfahrkamera, Seitenairbag (Fahrer) und Window-Airbags, Sitzheizung, Verkehrszeichenerkennung, LED-Scheinwerfer und ein 8-Zoll-Multimediasystem. Durch die serienmäßige Warmluftheizung ist die Nutzung nicht nur auf die Sommermonate beschränkt. Ganz Harte ordern noch den Isolierbalg fürs Aufstelldach (329 Euro). Und für Anfänger gibt es ein Starterpaket mit Kabeln, Keilen, Geschirr, Stühlen etc. für 589 Euro.
Nissan Primastar by Dethleffs
Beide Betten sind 1,25 Meter breit, das obere ist tellergefedert.
Bild: Sven Krieger

Nissan Primastar Seaside: So fährt er

Wie schon angesichts der gebotenen Sicherheits- und Komfortausstattung zu erahnen, sehr automotiv. Das Doppelkupplungsgetriebe neigt arttypisch zumAnfahrruckeln, harmoniert aber gut mit dem bärenstarken Motor. Und würde das Multimediasystem so schnell auf Wünsche reagieren wie er, wäre das auch kein Fehler.

Fazit

Der Reiz dieses Campingbusses liegt in seiner Flexibilität. Er bietet ein angenehmes Mehr an Platz und einige pfiffige Ideen. Auch wegen des aufgerufenen Preises sollten Drehsitze und Aufstelldach aber leichter bedienbar sein.

Technische Daten

    •    Motorisierung dCi 170
    •    Leistung 125 kW (170 PS) bei 3500/min
    •    Hubraum 1997 cm3
    •    Drehmoment 380 Nm bei 1500/min
    •    Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
    •    Getriebe/Antrieb Sechsstufen-DCT/Vorderrad
    •    Tankinhalt/Kraftstoffsorte 80 l/Diesel + 23 l AdBlue
    •    Länge/Breite/Höhe 5080/1956/2040 mm
    •    Radstand/Bereifung 3098 mm/215/60 R 17 C
    •    Masse fahrbereit/Zuladung ca. 2440/570 kg
    •    Anhängelast (gebremst/ungebremst) 1700/750 kg
    •    Material Wand/Dach/Boden Stahlblech/GFK/Stahlblech
    •    Liegefläche oben L x B 1890 x 1250 mm
    •    Liegefläche unten L x B 2000 x 1250 mm
    •    Kühlbox Kompressor, 36 l
    •    Herd Gas, 2 Flammen
    •    Bordbatterie AGM, 12 V/95 Ah
    •    Frisch-/Abwassertank 29/24 l
    •    Gasvorrat/Heizung 1x 2,8 kg/
    •    Eberspächer Airtronic 3 (Diesel, 2 kW)
    •    Grundpreis/Testwagenpreis 69.950 Euro/75.911 Euro