Nürburgring: NLS
Mit Rapper Smudo durch die Grüne Hölle

Smudo von den Fantastischen Vier ist seit Jahren auch im Motorsport aktiv – und kämpft auf dem Nürburgring für mehr Nachhaltigkeit. Wir nahmen auf dem Beifahrersitz Platz.
Bild: Gruppe C Photography
- Sönke Brederlow
Heute hält Smudo (53) nicht das Mikrofon in der Hand, sondern das Lenkrad. Der Fanta-4-Rapper rast mit seinem Bio-Porsche (3,8-Liter-Boxermotor, 425 PS) über den legendären Nürburgring. Und ich, der AUTO BILD-Reporter, darf mitfahren.
Seit 2003 startet Smudo bei den Langstreckenrennen am Nürburgring (NLS). Anfangs mit Volkswagen, später mit Porsche. Reinsetzen, Gurt anziehen – und los geht’s! Der „rasende Rapper“ tritt das Gaspedal durch. Erst zwei Runden auf der kürzeren GP-Strecke, um die Reifen warmzufahren. Dann biegen wir auf die berühmte Nordschleife ab. Mehr als 20 Kilometer. 73 Kurven.
Der Musiker startet für das Team „Four Motors“ von Ex-DTM-Fahrer Thomas von Löwis. Ziel ist es, den Motorsport nachhaltiger zu gestalten und die Entwicklung des emissionsfreien Automobils voranzutreiben. „Klingt absurd, so wie alkoholfreies Bier“, scherzt Smudo. „Natürlich schützen wir nicht das Klima, indem wir hier im Kreis fahren!“

Smudo von den Fantastischen Vier ist seit Jahren auch im Motorsport aktiv.
Bild: Gruppe C Photography
Im Cockpit macht sich der innovative Kraftstoff kaum bemerkbar. Und wenn, dann nur im Positiven. Beim Beschleunigen werden wir tief in die Sitze gedrückt. „Die Leute gucken doof, wenn ich ihnen sage, dass unser Porsche durch den Bio-Kraftstoff sogar mehr Leistung hat“, schmunzelt der Fanta-4-Rapper, bevor er seinen Porsche wieder über die Nordschleife knallt.
Mit über 250 km/h rast Smudo durch den Leitplankenkanal, voll am Limit. Hinter uns brüllt der 3,8-Liter-Boxermotor mit 425 PS. Ein kerniger Sound, auf den in Zeiten von Elektromobilität wohl verzichtet werden müsste. „Zu einem Rennwagen im Langstreckensport passt die Elektromobilität derzeit noch nicht“, ist Smudo ehrlich. In diesem Zusammenhang muss sich noch einiges tun, aber für die Zukunft ist auch diese Technologie eine Möglichkeit. „Aber ich bin sehr neutral und finde alle Weg gut, die der Umwelt zugutekommen. Wir dürfen nicht wählerisch sein.“
Und mit dem Porsche zeigt das Team, was in Hinblick auf Umweltschutz möglich ist. Die Leichtbauteile sind aus natürlichen Bio-Fasern gefertigt und bei den Schmierstoffen vertraut „Four Motors“ auf reraffiniertes Motor- und Getriebeöl, das den CO2-Ausstoß bei der Produktion um bis zu 80 Prozent senkt. „Der Dreck kommt raus und wir können das Öl tatsächlich nochmal im Motor nutzen“, sagt Smudo stolz. „Es muss also kein neues Öl gefördert werden.“

Wir nahmen auf dem Beifahrersitz von Smudo Platz.
Bild: Gruppe C Photography
Zurück auf die Nordschleife. Kurz nach dem Stefan-Bellof-S, einem der schnellsten Streckenabschnitte der Nordschleife, kann Smudo den Porsche gerade noch abfangen. Direkt vor uns verteilt ein anderes Auto eine rutschige Flüssigkeit auf dem Asphalt.
Warum das Ganze? „Die Klimakatastrophe ist da und wir werden mit ihr leben müssen. Auf das Auto will niemand mehr verzichten daher ist es wichtig, Maßnahmen zum Klimaschutz zu finden“, mahnt Smudo. „Das muss schnell gehen, doch die Politik ist oft zu langsam. Auf der anderen Seite haben wir anhand der Corona-Pandemie gesehen, dass einige Dinge unter Druck verblüffend schnell passieren. Und das macht Hoffnung für die Zukunft.“
Service-Links