Ein 1970er Chevrolet Custom/10 macht auf der SEMA 2014 mit lautem V8-Gebrüll, Lachgas-Anlage und 1600 PS von sich reden. Wir haben in dem Dragster-Oldtimer Platz genommen.
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Boris Pieritz
Unter der klapprigen Motorhaube wütet ein V8-Bigblock in Top-Zustand mit gut 1000 PS – mit Lachgas 1600 PS!
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Ein mörderischer V8-Sound, schwarze Mega-Abgaswolken aus den dicken Sidepipes – schon auf der Fahrt zum Las Vegas Convention Center machen wir Bekanntschaft mit einem der Stars der Messe: dem "Oklahoma Farmtruck". Dieser 1970er Chevrolet Custom/10 Pick-up sieht auf den ersten Blick aus, als sei er bereits vor Jahren eingemottet worden. Das Blechkeit rostet vor sich hin, der Kofferraum gleicht einer Müllhalde, die Sitze sind verspeckt und verschlissen. Hinterm Steuer riecht es ein bisschen ranzig. Doch von wegen eingemottet, der Oklahoma Farmtruck ist einer der Sorte "außen und innen pfui". Der Oldtimer ist in den USA ein TV-Star. Denn unter der klapprigen Motorhaube wütet ein V8-Bigblock in Top-Zustand mit gut 1000 PS, der dank Lachgas-Zufuhr bis zu 1600 Pferdchen mobilisiert und bei Dragster-Rennen ein gern gesehener Gast ist.
100-Meter-Sprint in 2,5 Sekunden
Die Sitze sind verspeckt und verschlissen, hinterm Steuer riecht es ein bisschen ranzig.
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Hinter der automobilen Freakshow stehen die Protagonisten Sean Whitley und Azn, die mit ihrem rasanten Altblechhaufen Stars der US-TV-Serie "Street-Outlaws" auf dem Discovery Channel sind. Das Nummernschild mit der Aufschrift "ZZZZZZ" soll ein Zeichen dafür sein, erklären die beiden, wie schnell der Farmtruck an der Zuschauermenge vorbeisaust. Zzzzzz – und weg. Als Beweis dafür stehen die rund zehn Sekunden, die der Oklahoma Farmtruck auf die Viertelmeile (400 m) benötigt. Das bedeutet 100 Meter in 2,5 Sekunden. Da sieht Usain Bolt alt aus. Aber der tankt auch kein Rennbenzin mit 114 Oktan.
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Die wildesten US-Pick-ups
Beim Start stellt sich der Pick-up auf die Hinterbeine
Sowohl außen als auch innen pfui: Der Kofferraum des Farmtruck gleicht einer Müllhalde.
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Als Ölmessstab dient eine alte, verrostete Machete. Die Messebesucher werden durch einen Aufkleber ausdrücklich dazu aufgefordert, Fingerabdrücke auf dem Pick-up zu hinterlassen. Das ist gut für die Patina. Die Hinterräder sind mit riesigen Slick-Walzen ausgerüstet, damit der Chevrolet beim katapultartigen Dragster-Start einigermaßen die Spur hält. Dass vor lauter Lachgas-Druck schon mal die Nase hoch geht und der Pick-up auf den Hinterbeinen steht, ist hingegen nicht zu vermeiden. Ach ja: Auf dem Dach trägt der Chevy bei seinen Rennen ein Schild mit der Aufschrift "Papa Angelo's Pizzeria" – und ist damit der wohl schnellste Lieferservice der Welt.
Die wildesten US-Pick-ups
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Ungebremster Pick-up-Boom in den USA: Neuerdings greifen auch amerikanische Luxusauto-Käufer zum Pick-up – der Lastenträger wird immer mehr zum Lifestyle-Mobil. AUTO BILD stellt die wildesten US-Dickschiffe vor! Los geht's mit dem brachialen Ford F-150 Raptor. Der Raubsaurier ist von den Leistungsdaten her fast schon ein Sportwagen im Lkw-Look – mit ...
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... 450-PS-Motor, Zehngang-Automatik und verstärktem Fahrwerk für knallharte Querfeldein-Ausritte. Der Motor ist eng mit dem Triebwerk des Supersportlers GT verwandt. Wahlweise unterstützen zahllose Helfer den Piloten – er kann aber auch mit der vollen Power des Raptor an den Hinterrädern ums Eck driften.
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Das Basisfahrzeug Ford F-150 führt seit beinahe 40 Jahren unangefochten die US-Zulassungsstatistik an. Neben seinem Ruf, "Built Ford-tough" (dt. etwa Ford-typisch zäh) zu sein, punktet er mit technischen Daten wie nahezu einer Tonne Zuladung und fünf Tonnen Anhängelast.
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Die erhältlichen Motoren strotzen nur so vor Kraft. Der 3,5 Liter große Turbo-V6 etwa hat 375 PS und stemmt 470 Nm bei 3500 Touren auf die Welle. Drinnen geht es mit 4G-WLANi-Hotspot und B&O-Soundsystem auf Wunsch zu wie in einer Limousine. Premiere: Erstmals gibt es den Ami auch mit Diesel.
Wer mehr Power, mehr Zuladung und mehr Anhängelast braucht, der greift zur Super-Duty-Serie von Ford. Deren kleinster Vertreter heißt Ford F-250 (Bild). Unterschiede zum F-150 sind der verstärkte Stahlrahmen und die ausschließlich erhältlichen V8-Motoren.
Die Kraftwerke sollen den Super Dutys für Handwerker genauso attraktiv machen wie für Farmer: Der mächtige Powerstroke-Diesel etwa holt 456 PS aus seinen 6,7 Litern Hubraum und entwickelt massive 1268 Newtonmeter Drehmoment.
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Die Ausstattung richtet sich nach den Wünschen und finanziellen Möglichkeiten der Kunden. Neben einfachen Versionen für die Baustelle gibt es den F-350 zum Beispiel als "Lariat" mit Ledersitzen, Infotainment und auf Wunsch mit mehreren Kamerasystemen.
Optisch unterscheidet sich die aktuelle Super-Duty-Serie weniger stark als die Vorgänger vom Bestseller F-150. Dem Vernehmen nach, um ihr im Wettbewerb mit der Konkurrenz bessere Chancen zu verschaffen. Neben drei verschiedenen Kabinen ...
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... hat Ford zahlreiche Pakete für die fetten Trucks im Programm. Kameras und Sensoren für den Hängerbetrieb gehören genauso dazu wie Allrad oder ein sogenannter Gänsehals. Mit dieser speziellen Kupplung werden in den USA Anhänger gezogen.
Den hierzulande bekannten Ranger bietet Ford auch in den USA an. Augenfälligster Unterschied zur in Europa verkauften Version ist der 2,3-Liter-Ecoboost-Benziner (273 PS) unter der Haube, den amerikanische Kunden ausschließlich mit einer Zehngang-Automatik ordern können.
Hauptkonkurrent General Motors bringt gegen den Ranger den Chevrolet Colorado an den Start. Der mittelgroße Chevy bringt es auf eine Länge von fünfeinhalb Metern und basiert technisch auf dem Isuzu D-Max. Die Version ZR2 (Bild) soll mit Höherlegung, Spurverbreiterung und Schnorchel Offroad-Fans ansprechen.
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Spannend: Den Chevrolet Colorado gibt es in den USA mit einem Duramax-Diesel – mit 2,8 Litern Hubraum, 184 PS und Adblue-Einspritzung würde er bei uns vermutlich Euro 6 schaffen.
Platz zwei in der US-Neuwagen-Verkaufsstatistik ging 2018 an den Chevrolet Silverado. Der Gegner des F-150 wurde gerade neu aufgelegt und kommt mit acht verschiedenen Ausstattungen und sechs unterschiedlichen Maschinen.
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Die Motorenpalette beginnt beim 2,7-Liter-Turbo mit 314 PS und endet beim aus Camaro und Corvette bekannten V8 mit 6,2 Litern Hubraum und hier 425 PS. Maximal kann der Silverado 5,5 Tonnen ziehen.
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Die Version High Country (Bild) hat serienmäßig eine Stabilitätskontrolle, ein Bremssystem für Anhänger und Start-Stopp sowie automatische Beleuchtung für die Ladefläche an Bord. Abstandswarner, Surround-Kamera und viele Helferlein mehr sind optional.
Optisch gibt der Silverado Trail Boss die kantige Antwort auf den Raptor. Doch Vorsicht! Trotz coolem Auftritt handelt es sich bei den Anbauteilen nur um ein Optik-Paket. Unter der Haube lauert ein kraftvoller V8 mit 5,3 Litern Hubraum und 355 PS.
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Allradantrieb ist natürlich erhältlich, im Fall des Trail Boss kombiniert mit einer Achtgang-Automatik.
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Ab Sommer 2019 soll der brandneue Chevrolet Silverado HD den amerikanischen Markt erobern. Der schwere Junge zieht in der Version 2500 Crew Cab 4WD bis zu 8,4 Tonnen Gewicht hinter sich her. 15 verschiedene Perspektiven auf das Auto via Kamera bzw. Sensor werden erhältlich sein.
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Zur Wahl stehen ein 406 PS starker 6,6-Liter-V8-Benziner mit Direkteinspritzung und variabler Ventileinstellung sowie der ebenso große V8-Diesel mit 450 PS und 1234 Nm maximalem Drehmoment.
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Noch eine Schippe drauf legt der Silverado 3500 HD mit Zwillingsreifen hinten. Für besonders kalte Breitengrade bietet Chevrolet den dicken Brocken mit Motorvorwärmer an. Um schwere Lasten sicher zum Stehen zu bringen, kann eine Motorstaubremse bestellt werden, bei der auch den Motor mitbremst.
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Konzernschwester GMC vermarktet unter dem Namen Canyon einen mit dem Chevrolet Colorado nahezu baugleichen Wagen. Die Ausstattung ist etwas besser als beim Bruder, dafür ist die Auswahl bei Motoren und Getrieben begrenzt.
Das gleiche Spiel spielen die GM-Verantwortlichen auch bei Chevrolet Silverado und GMC Sierra. Die Chevrolet-Motoren wurden für den Sierra überarbeitet. Besonderheit: Der potenzielle Käufer kann beim Sierra eine Ladefläche aus Carbon bestellen.
Spieler Nummer drei auf dem amerikanischen Pick-up-Markt ist FCA-Tochter Dodge mit dem Ram 1500. Bis 2011 hieß der Fullsize-Pick-up Dodge Ram und blickt auf eine Modellgeschichte zurück, die 1981 begann. Generation fünf gibt es ausschließlich als Doppelkabine.
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Zwei Motoren stehen zur Wahl, ein 3,6-Liter-V6 und ein 5,7-Liter-V8, beide jeweils auf Wunsch mit eTorqe-System. Das liefert beim Anfahren zusätzliche 176 Nm Drehmoment. Die Ausstattung der Versionen Laramie und Longhorn beginnt bei einem Motor-Fernstartsystem und endet beim Media Hub (USB-/AUX-Anschlüsse).
Für den Offroad-Einsatz bietet FCA den Ram Rebel an. Der wilde Kerl geht auf den aufsehenerregenden Rebel Concept aus dem Jahr 2015 zurück und bringt neben seiner Optik einges an Gelände-Equipment mit, zum Beispiel ...
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... All-Terrain-Reifen, spezielle Stoßdämpfer, ein Verteilergetriebe und ein Differenzial an der Hinterachse. Traktionskontrolle, Bremsassistent und Bergan- und -abfahrhilfe gehören ebenfalls zur Serienausstattung.
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Beim Ram 2500 trifft für den Hersteller Schönheit auf Muskeln. Seine Anhängelast liegt bei nahezu neun Tonnen. Die Kraft dafür liefern wahlweise ein 6,7-Liter-Diesel oder ein 6,4-Liter-Benziner mit hemisphärischen Brennräumen.
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Für den gewaltigen Selbstzünder gibt Ram Trucks 375 PS Leistung, 1152 Nm Drehmoment und eine Nutzlast von 2,6 Tonnen an. Für den Kraftschluss sorgt ein Automatikgetriebe mit sechs Fahrstufen.
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Der Ram 2500 Power Wagon zitiert einen legendären Dodge-Kleinlaster aus den 40er-Jahren. Die technischen Daten entsprechen denen des Ram 2500, dazu kommen jede Menge optische Spielereien sowie Offroad-Sonderausstattung.
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Im Frühling 2019 rollt die neue Generation des Ram 3500 los. Mit fünf verschiedenen Ausstattungen von Limited bis Tradesman wird es den dicken Brocken geben. Hersteller FCA preist seine Zugfähigkeit als die beste seiner Klasse an. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: bis zu 15,9 Tonnen!
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Jeeps Beitrag zum Ringen um die amerikanischen Pick-up-Käufer heißt Gladiator. Der Wrangler mit Ladefläche feierte auf der Los Angeles Auto Show 2018 Premiere und gilt als der erste Truck der Italo-Amerikaner seit dem Ende des Jeep Comanche 1992.
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Motoren und Getriebe teilt sich der Jeep mit dem Ram 1500. 2020 soll er auch einen Dreiliter-Diesel bekommen. Highlight: Der Jeep dürfte der einzige aktuell verkaufte Pick-up sein, den es auch als Cabrio gibt.
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Die zweite Generation des Nissan Navara steht beim US-Händler als Frontier auf dem Hof. Zwei Motoren und drei Karosserievarianten gibt es, im Datenblatt werden bis zu 264 PS aufgeführt.
Der große Bruder des Frontier heißt nach der griechischen Mythologie Nissan Titan. Eigentlich sollte Generation zwei eine Version des Ram 1500 mit neuem Logo werden, doch die Finanzkrise von 2008 kam dazwischen.
So stellte Nissan 2015 in Detroit Generation zwei des Titan vor. Beim Kauf muss sich der Kunde zwischen Titan und Titan XD entscheiden. Die Variante XD hat einen verstärkten Rahmen und teilt sich die Plattform mit dem US-Lieferwagen NV.
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Standard ist ein 5,6 Liter großer V8-Benziner mit 395 PS. Wahlweise gibt es den Titan mit einem Fünfliter-Diesel von Cummins, der 314 PS und 752 Nm Drehmoment entwickelt.
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Single Cab, King Cab und Crew Cab stehen zur Wahl. Die Version Crew Cab beherbergt bis zu fünf Personen. Pro4X heißt der Titan für den harten Geländeeinsatz.
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1995 ersetzte Toyota den HiLux in den USA mit dem Tacoma. Der sollte mit besserem Handling und mehr Komfort die amerikanische Kundschaft für sich gewinnen. Inzwischen entsteht der Japaner in dritter Generation in den USA und in Mexiko. Optisch orientiert er sich am US-4-Runner und am großen Bruder Tundra.
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Aus zwei Benzinern mit 2,7 (161 PS) und 3,5 Litern Hubraum (281 PS) kann der Tacoma-Käufer wählen. Um das Gewicht zu reduzieren und gleichzeitig die Stabilität zu erhöhen, wird der aktuelle Tacoma mit einem höheren Anteil an hochfestem Stahl gebaut.
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Die für Offroad-Einsätze aufgebaute Version heißt TRD (steht für Toyota Racing Development) und hat neben Plastikplanken an den Kotflügeln verschiedene Fahrmodi, beispielsweise für die Fahrt auf Schotter.
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Eskalationsstufe Nummer zwei ist der Tacoma TRD Pro, der sich mit stärkeren Stoßdämpfern, Unterfahrschutz, geändertem Auspuffsystem, Schnorchel und Nebellampen in den Schlamm stürzt.
Toyota traute sich 1999 als erster japanischer Hersteller, einen eigenen großen Pick-up für den amerikanischen Markt zu bauen. Der aktuelle Toyota Tundra misst sich in Größe, Karosserieversionen und Motoren (V6- und V8-Benziner) mit Ford F-150 und Co, allerdings ...
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... muss er sich in den Disziplinen Nutz- und Anhängelast hinten anstellen. Besondere Aufmerksamkeit hat ihm die PR-Abteilung des Herstellers verschafft, als sie den Tundra 2012 in einer Werbeaktion das Space Shuttle der NASA ziehen ließen.
Verlierer des jüngsten Pick-up-Booms in Nordamerika ist laut "New York Times" unter anderem der Honda Ridgeline. Der mit einem 3,5 Liter großen V6 (285 PS) ausgestattete US-Japaner punktet zwar mit Kraft, Zuverlässigkeit ...
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... und cleverem Stauraum-Ideen. Er kann aber bei den Karosserievarianten und Ausstattungsoptionen der Konkurrenz nicht so recht mithalten.
Und die Zukunft? Die könnte so aussehen: Ende 2018 stellte das Start-up Rivian auf der Los Angeles Auto Show den RT1 (Bild) vor. Der Silberling wird von vier Elektromotoren mit jeweils rund 200 PS angetrieben.
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Die Reichweite soll bei umgerechnet 650 Kilometern liegen. In der Kabine ist Platz für sieben Personen, die Zuladung gibt der Hersteller mit 800 Kiloramm an, die Anhängelast mit fünf Tonnen. Auch spannend: Das sind die coolsten US-Cars aller Zeiten.