Opel Combo Electric: Test
Opels digitaler Stromkasten: Combo Electric kommt nicht weit genug

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Als Stadtlieferwagen mag so ein elektrischer Opel Combo wunderbar sein. Für diese Anwendungen lockt ja auch die Cargo-Variante mit verblechtem und maximal 4,4 Kubikmeter großem Laderaum ab 37.485 Euro.
Geht es um Familienfragen, greifen wir natürlich lieber zum Combo mit Rundumverglasung und Rücksitzbank, auf Wunsch auch mit zweiter Schiebetür rechts (450 Euro, Serie bei XL) und als Langversion XL (1000 Euro) für bis zu sieben Gäste (3. Sitzreihe 750 Euro). Aufpreis für den Gruppenbus gegenüber dem Kofferträger-Combo in der Basisversion: erträgliche 1145 Euro.
Elektroantrieb geht ins Geld
Der Vergleich mit der Dieselvariante N1, die als Nutzfahrzeug mit Lkw-Zulassung geführt wird, geht da deutlich schlechter aus. Mit vergleichbarem Antrieb (130 PS, Automatik) geht die bei 30.900 Euro los.

Im Vergleich mit dem 130-PS-Diesel ist der Combo Electric deutlich teurer. Die Mehrausgabe muss man erst mal wieder reinfahren.
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Da wird es nicht ganz leicht, mit dem Combo Electric in die Rentabilitätszone zu fahren. Immerhin steht der Combo Electric Edition mit mindestens 38.600 Euro in der Preisliste (GS: plus 3000 Euro). Kann der Kastenwagen mit dem 50-kWh-Akkupaket im Boden trotzdem eine Alternative sein? Und wenn ja, für wen? Unser Test klärt, ob Familien und Freizeitaktive auf ihre Kosten kommen.
Neue Optik macht den Combo modern
Das seit letztem Jahr auch beim Combo verbaute Vizor-Gesicht lässt den Kastenwagen richtig modern wirken, optisch deutet hier nichts mehr auf einen biederen Lastesel hin. Und neben der Schönheit profitiert auch die Sicherheit.

Familiengesicht: Auch der Combo trägt jetzt den typischen Opel-"Vizor" – und der steht dem Familientransporter ausgesprochen gut.
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Opel spendiert dem Combo ohne Aufpreis das empfehlenswerte LED-Matrix-Licht mit zweimal sieben LED-Elementen. Auch wenn Opel inzwischen Pixellicht mit zweimal 84 LED-Einheiten bietet, gehören die Strahlemänner in diesem Segment nicht zu den Selbstverständlichkeiten. Combo-Piloten müssen auch bei Nacht nicht im Dunkeln tappen.
Bedienung mit ein paar Schwächen
Zwei 10 Zoll große Farbmonitore (für den Fahrer 600 Euro im Paket, Serie bei GS) verstärken den Eindruck der Modernität, ganz reibungslos läuft die Digitalisierung des Combo aber noch nicht.

Cockpit im Stil der Zeit: zwei 10-Zoll-Monitore, wenig echte Tasten, abgeflachtes Lenkrad. Die Verarbeitungs-Qualität ist ok.
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Der Berührbildschirm in der Mitte dürfte gern größer, die Menüstruktur weniger verschachtelt sein. Das Ausweichen über Sprachbefehle klappt teilweise gut ("Ich habe Hunger" liefert zuverlässig Restaurants in der Nähe), bei Temperaturwünschen gar nicht. Da tröstet die separate Bedienleiste für die Klimaanlage, freuen sich Boomer und sonstige Haptik-Hedonisten über einen echten Lautstärkeregler und den großen Home-Button.
Fahrzeugdaten
Modell | Opel Combo Electric |
|---|---|
Motor | Elektromotor, vorn |
Leistung | 100 kW (136 PS) |
max. Drehmoment | 270 Nm |
Antrieb | Vorderrad |
Batteriekapazität | 50 kWh |
0–100 km/h | 11,3 s |
Vmax | 135 km/h |
Testverbrauch | 21,8 kWh/100 km |
Ladeleistung AC/DC | 11/100 kW |
Sitzhöhe | 730 mm |
Länge/Breite/Höhe | 4410/1848*/1775 mm |
Radstand/Wendekreis | 2785 mm/10,8 m |
Testreichweite | 260 km |
Reichweite bei 130 km/h | 223 km |
Ladezeit 10-80 % | 30 Minuten |
Leergew./Zuladung | 1869/491 kg |
Anhängelast (gebr.) | 750 kg |
Garantie Batterie | 8 Jahre/16.0000 km |
Preis | ab 38.600 Euro |
Navigieren lässt sich über das bordeigene TomTom-System (im Paket ab 600 Euro), besser funktioniert allerdings Google Maps (oder Ähnliches) vom Handy, das kabellos gespiegelt werden kann (Apple und Android).
Großer Kofferraum, wenig Zuladung
Bei den klassischen Kastenwagen-Tugenden lässt der Rüsselsheimer erst mal nichts anbrennen. Im Heck verschwinden bis zu 2126 Liter Gepäck, bei aufrechten Fondlehnen schluckt der Elektriker immer noch 597 Liter. Das Gepäck sollte allerdings nicht zu schwer sein, 491 Kilogramm Zuladung sind nicht rekordverdächtig. Und für Anhänger taugt der Stromer (wie üblich) gar nicht, 750 Kilogramm dürfen an den Haken, die Stützlast von 50 Kilogramm reicht nicht mal für zwei E-Bikes.

Sehr praktisch: Als GS und in der Langversion kommt der Combo immer mit zwei Schiebetüren. Aber bei der Zuladung hapert es.
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Auch die Passagiere werden leider etwas stiefmütterlich behandelt. Schon vorn fallen die Sitze schwach konturiert und recht klein aus, die Mittelkonsole dafür umso breiter – der Pilot sitzt nicht nur kutschbockartig hoch, er fühlt sich auch in eine Plastiklandschaft gezwängt. Wobei die Kunststoffe immerhin robust und abwaschbar sind, alles sorgfältig zusammengesteckt wirkt.
Fahrleistungen auf der gemütlichen Seite
Angesichts von maximal 136 PS und 270 Nm Drehmoment wird im Combo Electric niemand in den Sitz gepresst. Im Gegenteil, es geht zwar nicht träge, aber doch eher gemütlich zu. Bis Tempo 100 dauert es dann eben 11,3 Sekunden, bei 135 km/h ist schon Schluss. Und – ganz ehrlich – das fällt weniger negativ auf, als es jetzt klingt. Mit Familie und Freunden an Bord wirkt die entschleunigte Fortbewegung eher entspannend als entnervend.

Keine Rakete: Bis Tempo 100 braucht der elektrische Combo 11,3 Sekunden, maximal sind 135 km/h drin – es passt zu seinem Wesen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Dazu passt dann auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk, das den satt in den Federn ruhenden 1,9-Tonner lässig über lange Wellen wogen lässt und vieles von den Straßenbausünden klaglos wegfiltert. So wird der Kasten zu einem unaufgeregten Begleiter, der auch über flüsterleise Fahrgeräusche die Nerven schont. Ja, die Lenkung arbeitet spürbar diffus, und Dynamik stand nicht im Lastenheft – aber wozu auch?
Sicherheitsassistenten erhöhen den Preis
Und der Combo Electric ist definitiv zu teuer. Fast 40.000 Euro für einen braven Kastenwagen? Da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr – was übrigens nicht nur für Opel gilt. Etliche der sinnvollen Sicherheitsassistenten kosten zudem noch extra.

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Sie stecken zum Beispiel im Drive-Assist-Paket (1450 Euro), das es nur für den GS gibt und in dem ACC, Spurhalter, Bergabfahrhilfe und Verkehrszeichenerkennung mit dem überflüssigen IntelliGrip-System kombiniert werden. Modi wie Sand oder Schlamm (zusätzlich zu Schnee) braucht in diesem Auto kein Mensch. Mehr als zwei Jahre Garantie (Akku 8 Jahre) dagegen schon – gerade wenn der Combo als Familienbus läuft.
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