Groß wie ein Baseballschläger ragt der schwarze Handbremshebel senkrecht vor der Mittelkonsole empor. Beherzt mit der Rechten daran gezogen, mit der Linken ­parallel das Lenkrad rumgerissen. Unter lautem Quietschen der blockierten Hinterreifen driftet das Heck schlagartig nach rechts.
Handbremse los, Gas-, Pardon, Fahrpedal runter. Augenblicklich drehen die Vorderräder durch, malträtieren 260 Newtonmeter Drehmoment die immerhin 195 Millimeter breiten Semislicks. Weißer Rauch steigt aus den Radkästen. Die mit Leitkegeln ab­gesteckte Kehre nimmt der Opel Corsa-e Rally mit Bravour.

Rallyesport mit E-Antrieb? Warum nicht!

Dabei sind die nackten Daten völlig unscheinbar: Der 136 PS starke Synchronmotor hat mit immerhin 1545 Kilogramm Leergewicht zu kämpfen. Doch dank Bilstein-Fahrwerk, Torsendifferenzial und deaktivierten Helferlein wie ESP, ABS und Traktionskontrolle fährt sich das kleine Energiebündel durchaus agil. Zumindest so lange, wie die Pisten nicht zu weitläufig sind. Und es mehr auf Beschleunigung und Bremsvermögen ankommt als auf Höchstgeschwindigkeit. Denn die ist bereits bei 150 km/h abgeregelt.
Im Opel e-Rally Cup gehen junge Talente elektrisch angetrieben auf Punktejagd. Wir haben das Auto getestet.

Auch wenn es seine Schotterfähigkeit auf dem Testgelände in Mendig (Rheinland-Pfalz) nicht un­ter Beweis stellen kann: Das Wettbewerbsauto, mit dem der Automobilclub von Deutschland (AvD) einem Nachwuchsteam den Start im neuen ADAC Opel e-Rally Cup im Rahmen der Deutschen Rallye-Meis­terschaft ermöglicht, macht Laune. Nächster Auftritt auf der Rallye-Piste: an diesem Samstag (7. August) im Rahmen der ADAC Holsten Rallye.
Links, rechts, links – der Stromer lenkt präzise ein, folgt dem Slalomparcours souverän. Untermalt von einem oszillierenden, brummigen Ton. Der dröhnt aus zwei unter dem Heck montierten Lautsprecher-Röhren. Eine alberne Showeinlage? Ganz im Ge­genteil: Weil der Elektroantrieb flüsterleise ist, warnt das Soundsystem die Zuschauer auf den Etappen der Rallyes, dass ein Auto kommt.
Am Steuer stört das wenig. Die Konzentration gilt ganz den Beifahrer-Ansagen, dem Aufschrieb. Dazu trägt auch bei, dass das Getriebe nur eine Stufe hat. Einmal den Modus „Sport“ mit dem Wahlhebel im Display aktiviert, kann’s losgehen. Klingt einfach – und ist es auch. Da alle Fahrzeuge im Cup technisch identisch sind, macht allein das Duo im Cockpit den Unterschied. Mit qualmenden Reifen aus Kehren beschleunigen ist Spaß pur.
Aber damit ist kein Blumentopf zu gewinnen. Präzision ist Programm. Und das ist es schließlich, worauf es im Motorsport ankommt.

Von

Martin Westerhoff