Opel Grandland: Gebrauchtwagen-Test
Gebraucht wir der Grandland zum Preisbrecher

Beim Opel Grandland fanden zum Facelift 2022 Funktion und Design besser zusammen. Wie gut altert das SUV?
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Trostlos war gestern. Als Opel dem Grandland das X im Namen strich, schaffte es das Kompakt-SUV endlich, ein gutes Stück aus der Belanglosigkeit herauszufahren. Die Vizor-Front, das frische, schwarz glänzende Markengesicht der Rüsselsheimer, gab ihm mehr Profil. Zusammen mit einem radikal modernisierten Cockpit und frischen Assistenten bekam der Grandland endlich jene Eigenständigkeit, die ihm zuvor stets schmerzlich gefehlt hatte. Doch gibt es neben der neuen schicken Schale im Alltag auch sonst noch Gutes von der Grandland-Gebrauchtwagenfront zu berichten?
Fünf Personen und Gepäck kommen bequem im Grandland unter
Das ist er: Als Abkömmling der EMP2-Plattform nutzt der Grandland wie schon das Urmodell mit X die Technik des Stellantis-Konzerns, teilt sich seine Gene mit Peugeot 3008 und DS 7. Mit 4,48 Meter Länge bleibt er relativ handlich, beweist dennoch familientaugliches Format. Fünf Personen und Gepäck finden ordentliche Platzverhältnisse vor. Weder in der ersten Reihe noch in Reihe zwei kneift es bei gut 1,90 Meter Körpergröße. 514 bis 1652 Liter Kofferraumvolumen (Hybrid: 390 bis 1528 Liter) liegen etwa auf Kombi-Niveau, jedoch ist die Ladekante mit über 70 Zentimetern recht hoch, was etwa den Einkauf im Getränkemarkt zur Belastungsprobe für die Bandscheiben macht.

Auch nach dem Facelift ist ein Grandland kein klassischer Lustkauf. Doch seine neue Front macht ihn schicker.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das Facelift brachte nicht nur eine frische Optik hervor, sondern lieferte auch technischen Mehrwert. Die optionalen IntelliLux-LED-Scheinwerfer leuchten exzellent und toppen die Basis mit einfacher LED-Beleuchtung deutlich. Innen macht ein sogenanntes Pure Panel einen großen Unterschied. Zwei Bildschirme verschmelzen unter Glas zu einer modernen Anzeigeeinheit, die jedoch nicht immer ganz intuitive Darstellungen wählt. Klar, digital, aber nicht steril.
Technische Daten
1.2 DI Turbo | 1.5 Diesel | GSe Automatik | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder-PHEV/vorn + Elektro hinten |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1199 cm³ | 1499 cm³ | 1598 cm³ |
Leistung | 96 kW (130 PS) bei 5500/min | 96 kW (130 PS) bei 3750/min | 221 kW (300 PS) bei 6000/min |
Drehmoment/Systemdrehmoment | 230 Nm bei 1750/min | 300 Nm bei 1750/min | 520 Nm bei 3000/min |
Höchstgeschwindigkeit | 188 km/h | 195 km/h | 235 km/h |
0–100 km/h | 10,1 s | 11,5 s | 6,1 s |
Tank/Kraftstoff/Akku | 53 l/Super | 53 l/Diesel | 42 l/Super + 14,2 kWh Strom (netto) |
Getriebe/Antrieb | 6-Gang man./Vorderrad | 8-Stufen-Automatik/Vorderrad | 8-Stufen-Automatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4477/1856/1609 mm | 4477/1856/1609 mm | 4477/1856/1609 mm |
Kofferraumvolumen | 514-1652 l | 514-1652 l | 390-1528 l |
Leergewicht/Zuladung | 1431/469 kg | 1523/477 kg | 1867/503 kg |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 1400/685 kg | 1300/730 kg | 1250/750 kg |
Richtig gelungen – bei unserem Gebrauchten bis auf erste Wellen im Sitzbezug – sind die optionalen AGR-Sitze. Sie sind sehr bequem und haben einen großen Verstellbereich. Jedoch wirkt die Materialqualität an einigen Stellen nicht voll überzeugend. Knarrgeräusche aus der Mittelkonsole und unsauber eingepasste Kunststoffblenden sind laut Eignerberichten keine Einzelfälle. Auch schlecht justierte Tankdeckel, ungleichmäßige Spaltmaße und unkaschierte Türrahmen trübten den ansonsten recht feinen Eindruck.
Interessante Angebote starten bei knapp unter 20.000 Euro
Das hat er: Als bezahlbares Allround-SUV versucht der Grandland ein sehr breites Käuferspektrum anzusprechen. Mit dem 2022er Facelift kamen neben dem Optik-Upgrade verfeinerte Assistenten sowie eine verbesserte Dämmung. Angenehm im Alltag ist bereits die eher schlichte Business Edition mit serienmäßiger Klimaautomatik, Tempomat, Einparkwarner und Rückfahrkamera. Spürbar mehr Extras und Glanz bietet der Elegance. Die GS Line setzt Luxusakzente mit Alcantara-Partien, feinem Dekor und 18-Zoll-Alufelgen. Die Ultimate-Variante fährt nahezu alles auf, was die Aufpreisliste hergab – vom praktischen Head-up-Display bis zum Matrixlicht.

Das modernisierte Cockpit im Digi-Look hat für das Klassenniveau feine Details.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Auf dem Gebrauchtmarkt ist die Auswahl durch zahlreiche Leasingrückläufer nach knapp drei Jahren alles andere als spärlich. Interessante Exemplare des Grandland beginnen aktuell bei knapp unter 20.000 Euro, fast immer mit anständiger Ausstattung. Die bei Dienstwagenfahrern aufgrund der 0,5-Prozent-Versteuerung gefragten Plug-in-Hybride starten aktuell bei etwa 25.000 Euro, was für ein maximal drei Jahre altes SUV mit kräftigem E-Boost trotz des kürzlich erfolgten Modellwechsels als durchaus attraktiv gelten darf.
Bessere Feinabstimmung als die französischen Brüder
So fährt er: Man darf den Grandland durchaus als Musterbeispiel deutsch-französischer Freundschaft interpretieren. Auf der Straße zeigt er durch eine gelungene Feinabstimmung der Opel-Ingenieure etwas mehr Verbindlichkeit als seine französischen Brüder. Das Fahrwerk federt ausgewogen, die Lenkung ist leichtgängig, aber ausreichend gefühlvoll. Der 1,2-Liter-Turbo ist häufig anzutreffen, aber zwiespältig. Er wirkt einerseits lebendiger, als es der geringe Hubraum und die nackten Zahlen in einem 1,4-Tonner vermuten lassen. Er läuft auch recht kultiviert, doch wer häufig auf der Autobahn unterwegs ist, wird sobald es bergig wird Souveränität vermissen.

Kurven durcheilt der als Verbrenner stets frontgetriebene Grandland unspektakulär, aber sicher. Er setzt auf Vernunft statt Fahrdynamik.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Der nominell gleich starke 1,5-Liter-Diesel mit ebenfalls 130 PS empfiehlt sich für Vielfahrer, ist relativ laufruhig, mit angenehmem Drehmoment. Sparsame fünf bis sechs Liter sind im Alltag locker machbar. Ein kurzes Gastspiel hatte der erst 2024 vorgestellte Dreizylinder-Mildhybrid mit 48-Volt-Technik und 136 PS. Die spürbar teureren Plug-in-Hybride, als 225-PS-Fronttriebler mit einem Elektromotor oder als 300-PS-Allradversion mit zwei Elektromotoren (Hybrid4), kombinieren Benzin- und E-Technik zu beeindruckenden Systemleistungen, 20 bis 40 Kilometer Reichweite sind je nach Jahreszeit und Fahrprofil elektrisch realistisch.
Nachladen ist per AC-Lader mit 3,7 bis 7,4 kW möglich. Doch im Alter bedeuten die kompliziertere Technik und das höhere Gewicht auch Kosten- und Verschleißrisiken! Die optionale Achtstufenautomatik wurde vom Getriebeprofi Aisin zugeliefert. Sie schaltet grundsätzlich sanft, neigt leider gelegentlich zu zögerlichem Verhalten – vor allem beim Anfahren oder im Stadtverkehr.
Die Bremsanlage zeigt, dass Stellantis offenbar sparen wollte. Rostbildung und schneller Verschleiß sind keine Seltenheit, besonders wenn der Stadtanteil hoch ist. Generell moderat ist der Geräuschpegel. Die Überarbeitung brachte deutlich mehr Ruhe, auch auf der Autobahn. Fahrdynamisch ist der Grandland keine Offenbarung, aber recht sicher und berechenbar. Und damit wie gemacht für entspannte Kilometer.
Stärken
- Großzügiger Innenraum
- Breite Antriebspalette
- Gebraucht relativ günstig
Schwächen
- Kleinere Verarbeitungsschwächen
- Sensibler Zahnriemen
- Mäßige Übersichtlichkeit
Ordentliches Bild trotz kleiner Schwächen
Das macht Ärger: Opel bot ab Werk mindestens zwei Jahre Neuwagengarantie (optional verlängerbar), zwei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Die Garantie auf die Hochvoltbatterie umfasst acht Jahre oder 160.000 Kilometer (garantierter State-of-Health-Wert/SoH 70 Prozent). Immer wieder gibt es Ärger mit dem Infotainmentsystem. Die Themen reichen von Verbindungsproblemen bis zu umfangreichen Abstürzen.
Die Verbrenner haben bei falscher Ölwahl und viel Kurzstrecke teils frühzeitig Zahnriemenschäden. Auch Ölverbrauch und -verdünnung können Themen sein. Dieselspezifisch sind AdBlue-Systemstörungen, volle Partikelfilter sowie AGR-Probleme. Und der PHEV-Antrieb? Teils zickt die Software, dann klappt der Wechsel zwischen EV- und Hybridmodus nicht. Vereinzelte Ausfälle der teuren Hochvoltbatterie sollten fast immer noch ein Garantiefall sein. Die Lackierung scheint mitunter nicht sonderlich hochwertig zu sein. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind aktuell insgesamt sieben Rückrufe für den Grandland hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,1 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 133-138 g/km |
Inspektion | 350-550 Euro |
Haftpflicht (18)* | 664 Euro |
Teilkasko (21)* | 855 Euro |
Vollkasko (19)* | 1177 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 222 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 574 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 887 Euro |
Wasserpumpe | 731 Euro |
Zahnriemen | 716 Euro |
Nachschalldämpfer | 1271 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1487 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 702 Euro |
Infotainment-Bildschirm | ab 1139 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/55 R 18 H) | 700 Euro |
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