Opel-Sanierungsplan durchgewunken
"Massive Investitionen" bei Opel

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Der Aufsichtsrat hat den Opel-Sanierungsplan abgesegnet. Das Konzept setzt unter anderem auf "massive Investitionen in die Produktpalette" und auf die Allianz mit PSA.
(dpa) Im zweiten Anlauf hat Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke den Aufsichtsrat von seinem Sanierungsplan überzeugt. Das Kontrollgremium billigte am 28. Juni 2012 die Strategie, den verlustreichen Autobauer wieder in die schwarzen Zahlen zu lenken, teilte die Adam Opel AG in Rüsselsheim mit. Das Konzept sieht "massive Investitionen in die Produktpalette", Einsparungen durch die Allianz mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën und eine neue Exportstrategie vor. Heikle Passagen wie Werksschließungen oder Stellenabbau tauchen in dem Konzept nicht mehr auf, mit dem Opel nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren wieder auf die Erfolgsspur fahren will. Wann die Gewinnzone erreicht werden soll, blieb offen. Um die teuren Überkapazitäten abzubauen, sollen Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila statt bisher in Korea künftig in Europa vom Band rollen. Beobachter erwarten, dass auch Modelle des französischen Partner Peugeot-Citroen bei Opel gebaut werden könnten. Das Unternehmen weist dies bisher als Spekulation zurück.
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In seinem Plan verkauft Stracke viel alten Wein in neuen Schläuchen: Er kündigte eine Investitionsoffensive an, die schon sein Vorgänger Nick Reilly präsentiert hatte. Auch die "neue Exportstrategie" wird von Beobachtern als wenig ehrgeizig bezeichnet und ist im Wesentlichen schon bekannt. Immerhin: Anders als im März, als Strackes erster Geschäftsplan im Aufsichtsrat durchfiel, billigte das Kontrollgremium nun die Strategie. Damit hat Stracke die lange verhärteten Fronten zwischen dem GM-Management in Detroit und den Gewerkschaften sowie Betriebsräten in Europa durchbrochen. "Der heute angenommene Plan"ebnet den Weg für eine starke Zukunft von Opel“, sagte GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky. General Motors stehe hinter Opel. Auch Aufsichtsratsvize und Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug lobte den "Geschäftsplan 2012 bis 2016" als eine gute Basis für die Zukunft von Opel.Der Plan greift unter anderem bereits angekündigte Investitionen in die Produktpalette von Opel/Vauxhall auf. So sollen in den kommenden vier Jahren 23 neue Modelle, 13 neue Motoren und Getriebe sowie weitere Fahrzeuge mit umweltfreundlicher Antriebstechnik wie der Opel Ampera auf den Markt kommen. Das Ziel: Opel soll auch wieder in Segmenten (SUV, Cabrio) vertreten sein, die der Hersteller zuletzt kampflos der Konkurrenz überließ. Dass Stracke in dem Konzept auf einen Abbau der Überkapazitäten verzichtet, war zu erwarten. Denn in Deutschland verhandeln aktuell Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall. Dabei geht es unter anderem um den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016. Das Werk in Bochum soll frühestens 2017 und damit zwei Jahre später als bisher geplant geschlossen werden. Die Gespräche sollen im Oktober abgeschlossen werden, bis dahin verzichtet die Belegschaft auf die jüngste Tariferhöhung. Auch das Werk im britischen Ellesmere Port, das lange als Streichkandidat galt, ist längst gerettet: Die Belegschaft war zu Einschnitten bereit und sicherte sich so die Fertigung der nächsten Astra-Generation.
Die hohen Kosten will der Opel-Manager vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën in den Griff bekommen. Besonders im Einkauf, der Logistik und der Entwicklung soll gespart werden. "Die PSA-Allianz hilft erst mittelfristig in drei bis fünf Jahren, wenn Modelle gemeinsam entwickelt und gebaut werden", sagte Autoexperte Stefan Bratzel. Bis dahin könnten die Konzerne zwar über den gemeinsamen Einkauf sparen. Der große Wurf sei das aber nicht. Opel hat mit Absatzrückgängen auf dem schwachen europäischen Automarkt zu kämpfen. In den ersten fünf Monaten des Jahres verkauften der Autobauer und die britische Schwester Vauxhall in der Europäischen Union fast 16 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor, der Gesamtmarkt schrumpfte um 7,7 Prozent.
Die Opel-Werke im Überblick
Deutschland: Bochum
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
Deutschland: Eisenach
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Deutschland: Rüsselsheim
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
Deutschland: Kaiserslautern
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen: Gleiwitz
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien: Saragossa
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England: Ellesmere Port
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
England: Luton
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Weitere Standorte
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthard (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture ...
Weitere Standorte
... in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
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